Vreid - V

Artikel-Bild
VÖ: 11.02.2011
Bandinfo: VREID
Genre: Black Metal
Label: Indie Recordings
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Kaum haben sich VREID nach mittlerweile vier Alben endgültig aus ihrem übermächtigen Vergangenheitsschatten WINDIR freigespielt und quasi den Weg in die Selbstständigkeit geschafft, wechseln sie an der zweiten Gitarre von Ese zu Strom. Wie der Rest des Quartetts war auch dieser bei den legendären „Kriegern“ angestellt, womit man bis auf den unvergesslichen Valfar (R.I.P.) und Keyboarder Righ endgültig die gesamte Altbelegschaft versammelt hat. Frisch zusammengewürfelt, präsentieren die rockigen Schwarzmetaller aus dem eisigen Sogndal mit dem schlicht betitelten „V“ (könnte aber auch irgendwie für VREID oder Valfar stehen?) eben ihren fünften Longplayer.

Das gute Stück hat der verfassende Rezensent mit etwas Argwohn erwartet. Schließlich und endlich haben VREID auf „I Krig“ eine prägnante Duftnote in den nordischen Wald gesetzt und mit dem darauffolgenden, endgenialen „Milorg“ den längst fälligen musikalischen und partiell auch kommerziellen Durchbruch geschafft. Die WW2 Thematik scheinen VREID nach längerer Zeit ad acta gelegt zu haben, „V“ ist zumindest lyrisch von diversen Schriftstellern und Dichtern wie William Golding, Knut Hamsun, Friedrich Nietzsche oder Jean-Paul Sartre beeinflusst. Zu technischen Größen sind VREID auch mit veränderter Besetzung nicht geworden, aber im direkten Vergleich zu „Milorg“ wirken die Songs von Beginn weg einfacher, kompromissloser, vielleicht auch etwas primitiver.

Der Opener „Arche“ überrascht nach kurzem Intro sogar mit kompromisslosem Thrash-Geriffe, geht in soloveredelte Melodiebögen über und spannt den Bogen zum bedächtigen Mid-Tempo Stück „The Blood Eagle“, das vor Simplizität nur so strotzt. Am wohlsten fühlen sich die Norweger aber nach wie vor im episch angehauchten Black’n’Roll Bereich, den man auf „Wolverine Bastards“ oder dem rotzig-speedigen „Welcome To The Asylum“ bis zum Exzess zelebriert. Dazwischen betten VREID, ähnlich ihren ebenfalls neu-releasenden „Partners In Crime“ ISKALD, mit „The Other And The Look“ einen bleischweren 10-Minüter, der sich geschickt zwischen Raserei und atmosphärischem Dark Metal windet. Ähnlich eindringlich wühlt sich auch der großartige Closer „Then We Die“ in die Hirnwindungen. VREID kesseln sich bewusst in ihrem selbst markierten Feld ein, Ausritte in neuartige oder ungewohnte Sphären gibt es kaum zu vermerken.

Mit „V“ kehren VREID wieder zum ursprünglicheren, einfacher gestrickten Songwriting-Muster zurück und werden gerade deswegen keine Reibungspunkte mit der eigenen Fanklientel vorfinden. Obschon das Album den typisch trockenen VREID-Sound vorweist und in der „rockigen“ Black Metal Zone an der Spitze steht, werden Intensität und Wucht von „Milorg“ nicht erreicht. Das träge „The Sound Of The River“ oder der tempovariierte Ohrwurm „Slave“ können mit dem restlichen Material auch qualitativ nicht ganz Schritt halten. Vier satte Punkte gibt’s aber trotzdem. Einerseits weil VREID auch mit „V“ unangefochtene Vorreiter von melodischen Black’n’Roll Symphonien sind, andererseits weil hier auf verdammt hohem Niveau kritisiert wird und „Milorg“ ohnehin ein schwer erreichbarer Geniestreich war.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (02.02.2011)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE