Bad Sellin' Record - Cock Rocks

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VÖ: 00.00.2010
Bandinfo: Bad Sellin' Record
Genre: Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

BAD SELLIN' RECORD aka "die Band mit dem lustigen Namen" ist nach drei Jahren und einigen personellen Veränderungen zurück und veröffentlicht mit "Cock Rocks" das Nachfolgewerk des starken Vorgängers "No Panic". Wie bereits das ulkige Cover mit dem abrockenden Hahn beweist, nehmen sich BAD SELLIN' RECORD nicht immer bierernst. Doch wer nun glaubt, die österreichischen JBO vor sich zu haben, der täuscht sich gewaltig. Wenn es um die Musik geht, hört der Spaß zwar nicht auf, doch nimmt man die Musik trotz der allgegenwärtigen Ironie sehr wohl ernst. Nach wie vor tendiere ich dazu, BAD SELLIN' RECORD eher als die österreichischen GUNS 'N' ROSES zu bezeichnen, wenngleich dies natürlich nur eine vage Beschreibung der Musik sein kann.

Tatsächlich sind BAD SELLIN' RECORD vor allem eines: Abwechslungsreich und variabel! Bleibt man insgesamt doch meist im (mittel-)harten, klassischen Rock verhaftet, scheut man sich in den Nuancen aber nicht, auch mal gen Country/Western ("What if"), Blues oder auch gen Punk zu schielen. Auch härtere Rocker und akustische Balladen schließen sich gegenseitig nicht aus. Ja, "Cock Rocks" ist eine abwechslungsreiche Sache, bei der Sänger Alex Lipscher mit seiner partiell an Axl Rose erinnernden Stimme deutlich im Vordergrund steht.

Der für BAD SELLIN' RECORD urtypische Start "Who R U" stellt die Band bereits zu Beginn gekonnt vor: Man mische groovige, aber nicht zu heftige Riffs, füge dezent bluesige Komponenten und die raue Stimme LX Lipschers hinzu und fertig ist das Gebräu! Während mir persönlich "Better Era" etwas zu brav aus den Boxen plätschert, weiß ich spätestens ab "Pickin' a Dime", dass die Band auch heute noch fähig ist, große Hits zu schreiben. Während das darauf folgende "Thankx" leider eine harm- und zahnlose Ballade ist, bei der der große emotionale Funke nicht übrspringen mag, folgen daraufhin einige große Highlights. "Easy G" ist zunächst laid back mit einer latent bluesigen Aura, wird dann aber zu einem saucoolen Rocker. Auch "Undress" überzeugt auf ganzer Linie. Vor allem die Rhythmussektion scheint perfekt zu harmonieren. Gegen Ende des Albums baut die Qualität keineswegs ab: Das chillige "Thinking B.U." und vor allem das geniale "Ask Yourselves", sowie das über 7-minütige "Au Contraire" wissen zu gefallen! Weshalb man nach dem leider etwas zu kurzen "S.S.S.C." als Rausschmeisser eine Neuauflage des Songs "No Panic" gewählt hat, ist mir nicht ganz klar. Aber es ist nett, diesen Song in einer abgeänderten Version noch mal hören zu dürfen.

Damit können BAD SELLIN' RECORD abermals überzeugen und sind für mich nach wie vor so etwas wie der Geheimtipp der ostösterreichischen Rockmusik. Noch ist nicht alles Gold was glänzt: Nicht jedes Experiment funktioniert, nicht jeder Song ist ein großer Hit. Für manche Leser von stormbringer.at dürfte die Chose etwas zu zahm sein. Auch ich hätte mir an mancher Stelle vielleicht etwas mehr Power bei den Gitarren gewünscht. Und doch sind BAD SELLIN RECORD meilenweit entfernt von AOR-Kitsch oder ähnlichen Belanglosigkeiten. Nein, die Rockmusik, die hier geboten wird, hat absolut ihre Berechtigung. "Cock Rocks" klingt nach Bier, Bikes, langen Bärten und aufgewirbeltem Staub. Kaum zu glauben, dass so eine erdige Rockmusik ihren Ursprung in Österreich hat.....



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (30.01.2011)

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