GEHENNA - WW (Re-Release)

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VÖ: 04.03.2011
Bandinfo: GEHENNA
Genre: Black Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Peaceville Records legen im Laufe des heurigen Jahres nicht nur diverse DARKTHRONE Releases neu auf, sondern werfen den gesamten Backkatalog der alten Satyr-Schmiede Moonfog neu auf den Markt. Dazu gehören natürlich auch die kultigen Satansjünger und SATYRICON-Homies GEHENNA. „WW“ war 2005 das bislang letzte von insgesamt sechs Alben des Quartetts, die Mitte der 90er Jahre mit der „Spell“-Trilogie noch melodischen Schwarzmetall mit Keyboard-Kleister zockten, dann einen gewaltigen Stilbruch in die Death/Black Edge wagten und im Jahre 2000 eigentlich von der Bildfläche verschwanden. Für die beiden Bandcapos Dolgar (voc) und Sanrabb (git) war recht schnell klar, dass man nur mit einer weiteren - alle gängigen Normen verspottenden - Kehrtwende auf die Bühne zurückkehren würde und als niemand mehr mit den vielleicht berühmtesten B-Liga Pandas Norwegens rechnete, schossen sie vor fast genau sechs Jahren das Kriegsepos „WW“ in die Stratosphäre.

Das bisherige Konzept wurde nochmals umgeworfen. GEHENNA wollten zurück zur Basis und hatten sich am Schlagzeug mit Speedmaschine Frost (SATYRICON, 1349 etc.) verstärkt, der dem radikalen Kriegsballett die gewünschte Dosis Sterilität und Perfektion beifügte. Dabei wollte Mastermind Sanrabb ursprünglich gar nicht vollständig in die Zweite Weltkriegsthematik eintauchen, sondern sich vielmehr mit Nordland-typischen Tagesthemen wie Satan, Leichen und Begräbnis befassen. Nachdem aber der Großteil der Texte verfasst war, merkte er recht schnell, dass Massenvernichtung, Propagandakritik und Holocaustthematik (an alle Moralapostel: hier wird NIX befürwortet!!) nicht viel mit dem ursprünglichen Arbeitstitel „Pallbearer“ (Sargträger) gemein hatten. Musikalisch ist dieses verschrobene Kleinod längst in die Rubrik „Kult“ aufgestiegen.

Allein schon das höllische Blastbeat-Inferno des (genial betitelten) Openers „Grenade Prayer“ war an Morbidität und Kompromisslosigkeit kaum zu toppen. Lediglich die damals schon recht brachliegenden Landsmänner von GORGOROTH und in weiterer Folge auch noch die schwedischen Lifestyle-Satanisten von WATAIN konnten bzw. können diese derbe Atmosphäre, diese akustische Artillerie gepaart mit klinischer Präzision ähnlich aus den Instrumenten kitzeln. Neben diesen Anleihen an den moderneren Black Metal sticht vor allem die über Albumlänge durchgezogene Monotonie heraus, die den wahren Kern des nordischen Schwarzmetalls a la DARKTHRONE oder ältere MAYHEM zumindest in den Gedanken kreisen lässt. Zwischen den knüppelharten Highspeedorgien („Death To Them All“, „Silence The Earth“) verwoben GEHENNA auch elegische, stets auf größtmögliche Simplizität bedachte Slow-Tempo Kaskaden („Flames Of The Pit“, „Pallbearer“), die vor allem durch die durchdachten, kristallklaren Gitarrenläufe zum Amen im Gebet eines jeden kompetenten Nordland-Metal Jünger wurden.

Aufgefettet wird dieses Re-Release durch zwei Alternativversionen von „Grenade Prayer“ und „Werewolf“, sowie einem Inferno Festival 2005 Livemitschnitt von „Flames Of The Pit“). „WW“ gehört nicht zu den essenziellsten Werken des norwegischen Black Metal, entfaltet seine strikte und kontroverse Wirkung aber auch noch Jahre später. Quasi die „Panzer Division Marduk“ mit Atmosphäre.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (24.03.2011)

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