Septicflesh - The Great Mass

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VÖ: 18.04.2011
Bandinfo: SEPTICFLESH
Genre: Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Musik mit Worten zu beschreiben, ist per se eine schwierige Sache: Vertonte Emotionalität in nüchterne Worte zu verpacken, ohne den journalistischen Anspruch (einfach formuliert: Eine realitätsgetreue und objektive Abbildung des Sachverhaltes zu erschaffen) ist eine Aufgabe, die Musikschreiberlinge diverser Genres bisweilen Kopfschmerzen bereitet. Besonders tückische Rezensionskandidaten sind die avantgardistisch-intellektuell angehauchten Künstler unter den Musikern. So wie eben SEPTICFLESH aus dem schönen Hellas, die seit jeher auf Genrekonventionen pfeifen.

"The Great Mass" heißt das neue Werk der Griechen und stellt mich vor diese schwierige Aufgabe. Referenzbands zu nennen erscheint hier abartig. Natürlich verwenden SEPTICFLESH nach wie vor orchestrale Klänge. Doch macht sie das zu einem Dimmu-Verschnitt? Auf keinen Fall! Bereits der Opener "Vampire of Nazareth" wird diesen angedeuteten Vergleich ad absurdum führen und den einen oder anderen Hörer verwundern oder gar verstören. Symphonische Teile und eine Frauenstimme eröffnen den Song, der sich in vielen unterschiedlichen Schichten entfaltet. SEPTICFLESH bewegen sich dabei irgendwo zwischen Klassik, Black/Death Metal und Avantgarde. Nach mehr als drei Minuten wird "Vampire of Nazareth" plötzlich eingängiger, indem ein Sprechgesang den Bombast der ersten Minuten in die Schranken weist. Das darauf folgende "A Great Mass of Death"bietet wiederum doomige Riffs und im Mittelteil klassische Chöre, was etwas an frühe THERION erinnert. "Pyramid God" wiederum klingt wohltuend anders: Dieser treibende, dezent melodisch-düstere Song, der mit einem variablen Vokalstil und netten Gitarrenmelodien aufwartet, lässt sich mit den ersten Songs des Albums kaum vergleichen. Zwischenfazit: Für Abwechslung wird gesorgt! In weiterer Folge bewegt man sich bisweilen härtetechnisch in die eigene Vergangenheit ("Five-Pointed Star"), sorgt für eine düstere Atmosphäre nach der viele Bands seit Jahren zu suchen scheinen ("The Undead Keep Dreaming"), achtet auf großes Drama und atmosphärische Dichte ("Oceans of Grey") oder schreibt mal zwischendurch einen kleinen Hit mit feinen Gitarrenleads ("Rising"). Und dann gibt es noch Songs zu bewundern, die den Wahnsinn vertonen und dementsprechend klingen ("Mad Architect") oder den Fokus auf die Verschmelzung von Klassik und Metal richten ("Apocalypse"). Zum Abschluss bieten uns SEPTICFLESH dann noch "Therianthropy", einen Song, der wiederum komplett aus der Rolle fällt und auch mit dem bisherigen Schaffen der Band wenig zu tun hat. Sotiris glänzt dabei und beweist, wie wichtig diese Kombination aus ihm und seinem kreativen Gegenpol Seth ist.

Ja, "The Great Mass" ist starker Tobak. Diese Musik braucht seine Zeit, um sich zu entfalten und ungeübte oder ungeduldige Hörer könnten mit dieser Veröffentlichung Probleme haben. Doch wenn man dieser Musik Zeit gibt, erkennt man die Struktur eben jener. Die Einzelteile ergeben in ihrer Gesamtheit - wenngleich ich der Meinung bin, dass an mancher Stelle etwas zu dick aufgetragen wurde - einen Sinn und stellen nicht bloß eine arrogante Publizierung des eigenen Intellekts dar. SEPTICFLESH sind progressiv im eigentliche Sinne - man mag es heute Avantgarde nennen - ohne den Bezug zum Metal zu verlieren. Die musikalischen Fähigkeiten der Beteiligten sind über jeden Zweifel erhaben. Die Musik selbst wird polarisieren und demnach keinen Megaseller darstellen. Man kann SEPTICFLESH eben nur lieben oder hassen. Und dennoch lege ich jedem Metaller ohne Scheuklappen nahe, "The Great Mass" eine Chance zu geben.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: El Greco (17.04.2011)

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