Chrome Division - 3rd Round Knockout

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VÖ: 06.05.2011
Bandinfo: CHROME DIVISION
Genre: Heavy Rock
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Bescheidenheit ist eine Zier und diese haben CHROME DIVISION nicht verinnerlicht. Den mittlerweile dritten Longplayer vollmundig auf „3rd Round Knockout“ zu taufen zeugt aber zumindest von unermesslichem Selbstvertrauen und das hat ja vor allem bei Heavy Rock Kapellen mit dicker Hose noch selten geschadet. Nebenbei gab es vor zwei Jahren einen nicht unwesentlichen Sängerwechsel zu verzeichnen. Reibeisen-Organ Eddie Guz musste das Prollprojekt aufgrund musikalischer Differenzen verlassen, für ihn wurde ein gewisser Shady Blue ins Boot geholt, den man wohl besser unter seinem Ursprungspseudonym Athera von der norwegischen Melodic Black/Thrash Mannschaft SUSPERIA kennt.

Diese „musikalischen Differenzen“ verwundern den geneigten CHROME DIVISION Maniac anfangs vielleicht, aber wenn man „3rd Round Knockout“ die ersten paar Mal im Player rotieren lässt, fällt der Stilbruch zu den vorangegangenen Alben schnell ins Gewicht. Wo bleibt der Rotz, wo bleibt der Druck, wo bleibt die offen zur Schau gestellte „Fuck You“-Attitüde? CHROME DIVISION wirken reifer, erwachsener, man ist sogar geneigt zu sagen „müder“, als auf den ersten beiden Referenzwerken modernen MOTÖRHEAD-Nostalgierocks. Die Lemmy-Schlagseite wird auf dem neuen Rundling nämlich gegen eine gewaltige Dosis MONSTER MAGNET getauscht – statt Schmierfett und Öl regieren Wüste und Staub. Zudem tönt Shady Blues Organ zwar angenehm Whisky-geschwängert und verraucht, im direkten Vergleich mit Eddie Guz stinkt der neue Mann am Mikro aber trotzdem ab. Nicht jeder Straßenköter ist gleich bissig.

Die Highlights des Albums werden bereits zu Beginn verbraten. Das bereits bekannte „Bulldogs Unleashed“ wirkt mit einem markanten Gitarrensolo von DIMMU BORGIR Schminktopf-Shaggy sehr metallastig, „7 G-Strings“ offenbart einen angenehmen Rock-Vibe und „Join The Ride“ ist knietief in den 80er Jahren verwurzelt und zählt neben dem dreckigen „Unholy Roller“ zum Besten des Albums. Der Rest hat leider nicht die Arschtritt-Wirkung, die das Debüt „Doomsday Rock’n’Roll“ und vor allem der geniale Nachfolger „Booze, Broads And Beelzebub“ versprüht haben. Die bluesige Country-Verneigung „The Magic Man“ ist zwar prinzipiell interessant angedacht, aber sehr beliebig ausgeführt. Das JOHNNY CASH Cover von „Ghost Riders In The Sky“ (CHROME DIVISION verzichten übrigens auf den Plural) haben schon die DIE APOKALYPTISCHEN REITER nicht gut hinbekommen, die norwegische Version der Chrom-Fetischisten wirkt ebenfalls zu plakativ. Erst die abschließende Saufhymne „Satisfy My Soul“ bringt CHROME DIVISION wieder zurück in die Spur.

„3rd Round Knockout“ ist beileibe kein schlechtes Album, lässt Feuer und Seele der beiden Vorgänger aber großteils vermissen. CHROME DIVISION- und Shagrath-Lunatics können natürlich wieder blind zuschlagen, die derben Rifforgien wurden aber stark zurückgeschraubt. Da hat so manch etablierte Kickass-Rockband härtere Eier vom Torso baumeln. Nächstes Mal bitte wieder mehr Schmutz!



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (02.05.2011)

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