Hammerfall - Infected

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VÖ: 20.05.2011
Bandinfo: HAMMERFALL
Genre: True Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

(Fast) alles neu macht bekanntlich der Mai; und dies auch im Hause HAMMERFALL. Nur "fast" allerdings deshalb, da doch einige der Neuheiten bei den Schweden so neu gar nicht mehr sind, wie etwa die Herren Fredrik Larsson und Pontus Norgren an Bass respektive Lead-Gitarre - für die beiden Gentlemen ist das am 20. Mai dieses Jahres erscheinende Album "Infected" nämlich schon das zweite bei HAMMERFALL, nachdem die zwei kürzlich die Nachfolge von Magnus Rosén und Stefan Elmgren angetreten haben.

Wirklich neu sind allerdings einige andere Sachen - zum Einen natürlich der Produzent; hier haben sich HAMMERFALL für ihr neuestes Langeisen nämlich nicht mehr auf den langjährigen Wegbegleiter Charlie Bauerfeind verlassen, der den HAMMERFALL-Sound über das letzte Jahrzehnt hinweg mehr als deutlich geprägt hat, sondern entschied sich diesmal für James Michael, einen amerikanischen Produzenten, den man ja auch als Leadsänger von SIXX:A.M. kennt. Dass das aber natürlich für eine so deutlich "europäisch" klingende Band wie gerade HAMMERFALL ein durchaus gewagter Schritt ist, liegt auf der Hand. Aber, und das hat uns Basser Fredrik auch im Stormbringer-Interview verraten, man wollte sich als Band einfach verändern; wollte nicht noch einmal quasi das gleiche Album aufnehmen, sei zudem erwachsener geworden und wollte dem Sound einfach einen anderen Anstrich verpassen, wollte weg vom polierten Hochglanz-Sound eines Charlie Bauerfeind, und mehr zu einem dreckigeren, rotzigeren Sound mit mehr Rock'n'Roll-Anteilen gelangen. Nunja, soviel kann gesagt werden: Experiment gelungen, Patient tot.

Oder eher un-tot: Denn inhaltlich geht's auf "Infected" verstärkt um allerlei Zombies und anderes untotes Getier; düster und mit Biohazard-Symbol ist auch das Coverartwork ausgefallen, und auch das Bandlogo, heiligster Gral einer jeden etablierten Band, wurde neu gestaltet. Verschwunden ist auch der comichafte, hammerschwingende Renegade-Charakter, und dunkle Farben dominieren den Look von neo-HAMMERFALL. Aber auch im musikalischen Bereich hat sich einiges getan.

Und so versuchen HAMMERFALL anno 2011 mit etwas progressiveren Songstrukturen die Abkehr vom ewig gleichen Strophe-Refrain-Strophe-Prinzip zu vollziehen, und eine etwas härtere Gangart als auf früheren Alben an den Tag zu legen. Allein, der Versuch der Veränderung will nicht so recht gelingen. Zu sperrig fallen die veränderten Songstrukturen aus, wirken eher beliebig als progressiv, und hemmen ob zahlreicher langer, unerwarteter Pausen den Fluss vieler Songs. Natürlich blitzen hin und wieder auch starke Momente durch, wie etwa das durchaus gelungene Hauptriff des Openers "Patient Zero", der latino-folkloristische Touch by "Dia De Los Muertos" oder auch das stampfende, melodische "The Outlaw" (bei dem die Herren aber sehr brav bei IRON MAIDENs "The Clairvoyant" für die eine oder andere Melodie abgekupfert haben!) - leider stehen dem gegenüber aber zähflüssige Tracks wie das uninspirierte "I Refuse" mit absolutem Anti-Refrain, das gezwungen wirkende "666 - The Enemy Within" oder das mit höchst seltsam anmutenden Techno-Keyboards versetzte "Redemption". Auch die obligatorische Ballade "Send Me A Sign" kann nicht mit früheren Klassikern wie "Always Will Be" oder "Glory To The Brave" mithalten; und über die - leider - unsägliche Singleauskopplung "One More Time", die ebenfalls absolut refrainfrei ausgefallen ist, muss man keine weiteren Worte mehr verlieren. Da nutzt auch die an sich starke Gesangsleistung von Fronter Joacim Cans nichts, wenn die Hooks einfach nicht zünden und die Melodien sich nicht und nicht im Gehörgang festsetzen wollen. Und das ist auch der Hauptkritikpunkt an "Infected": Die klassischen Ansätze sind natürlich da, HAMMERFALL wissen ja eigentlich schon ganz genau, was sie tun; aber es fehlen diesmal einfach wirklich die beliebten, super-eingängigen Refrains im Stile etwa eines "Heeding The Call" oder "Templars Of Steel". Und das schmerzt bei einer so traditionsreichen Truppe wie HAMMERFALL natürlich schon ein bisschen.

Schade eigentlich, denn ein paar gute Ansätze sind auch in der neueren Ausrichtung von "Infected" zu finden, und flotte Rocker wie "Bang Your Head" und "Let's Get It On" in bester SAXON-Manier können auch kurzfristig für nette Unterhaltung sorgen. Nur: Von der Flagschiff-Band des europäischen Wahrmetalls erwartet man sich natürlich Größeres, dies umso mehr nach dem meiner Meinung nach wirklich starken Vorgängeralbum "No Sacrifice, No Victory".

So gibt's für "Infected" eher Anerkennungspunkte dafür, dass man selbst als so etablierte Band wie HAMMERFALL mal was Neues versuchen will; leider sind die Versuche noch nicht ganz ausgegoren und entwickelt, und so funktioniert das neue Album aus der schwedischen Edelstahlschmiede nur bedingt. Probehören wird - auch für langjährige Fans der Band - diesmal wohl anzuraten sein.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Dragonslayer (10.05.2011)

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