Marduk - Iron Dawn

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VÖ: 27.05.2011
Bandinfo: MARDUK
Genre: Black Metal
Label: Regain Records
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Lineup  |  Trackliste

Das schwedische Knüppelkommando MARDUK war schon immer ein rigoroser Verfechter der in iTunes Zeiten unnütz gewordenen EP. So ist es auch kein Wunder, dass die Kriegspalette „Iron Dawn“ bereits die siebente dieser Art in der üppigen Diskographie der Skandinavier ist. Wie man im gegenwärtigen Zeitalter mit 3 (zum besseren Verständnis: Drei!!) Songs und einer knappen Viertelstunde Spielzeit noch Umsatz machen will, erschließt sich mir nicht. Neben dem alles kaufenden Die-Hard Lunatic dürften aber vor allem die Sammelfreaks freudig aufjauchzen, denn das gute Stück haben Gitarrist Evil und seine illustren Geschichtsfanatiker auf ultratrve 666 Vinyl-Stück limitiert.

Reden wir also Tacheles. Musikalisch haben sich MARDUK in den letzten Jahren ja aus der Minikrise herausgeschält, vor allem „Rom 5:12“ und das letzte Lebenszeichen „Wormwood“ waren anständige Kreuznagler. Mit den drei Kapiteln auf „Iron Dawn“ macht das schwarze Kleeblatt aber eine unerwartete Kehrtwende und bleibt erst 1999 stehen. „Panzer Division Marduk“ hieß das bis heute umstrittenste Werk der Schweden, auf dem man sich in bis dorthin unerprobte Geschwindigkeitssphären prügelte und lyrisch bereits sehr nah am Verbotenen vorbeischrammte. Das qualitativ lieblos gestaltete, aber unzweideutig offensive Artwork von „Iron Dawn“ legt die Wuchtel eigentlich schon auf, der Opener „Warschau II: Headhunter Halfmoon“ verwandelt sie dann endgültig.

Sirenengeheule, etwas zu stark in den Hintergrund gemischte Krächzer von Mortuus und das über allen Instrumenten thronende Stakkato-Geknüppel von Fellgerber Lars Broddesson dominieren das Geschehen. Highspeed-Hyperblast oder so ähnlich. Um dem Ganzen nicht sämtliche Zacken aus der Krone zu prügeln, werden noch partiell eingesetzte Gitarrenmelodien drübergestreut. Weiter im Takt geht es mit „Wacht am Rhein: Drumbeats Of Death“. Dem Titel ist auch nicht mehr viel hinzuzufügen – zumindest bleibt Platz für einen sägenden Mid-Tempo Part und vertrackteres Songwriting. Abgeschlossen wird das kurze Stelldichein mit „Prochorovka: Blood And Sunflowers“, bei dem die Handbremse stark angezogen wird und fünf Minuten lang in – eher beliebigen – Slow-Tempo geschlurft wird.

Grob einzuordnen sind die drei Tracks in Inferno, Apokalypse und Ruhe nach dem Sturm. „Iron Dawn“ ist ein interessanter Appetizer für eine nahende Full-Length, doch warum man das Ganze als Extrapaket in die Läden stellt, ist berechtigt zu hinterfragen. Interessant ist der musikalische Schritt zurück allemal. Vielleicht wollen MARDUK aber auch einfach nur noch einmal beweisen, dass man auch nach über 20 Jahren Bandbestehen noch alles in Grund und Boden holzen kann.



Ohne Bewertung
Autor: Robert Fröwein (23.05.2011)

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