Sol Invictus - The Cruellest Month

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VÖ: 10.06.2011
Bandinfo: SOL INVICTUS
Genre: Neofolk
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

Neofolk, eine Musikrichtung, die man mögen muss. Wenn ja, dann kommt man um die britische Legende Tony Wakeford mit seinem Hauptprojekt SOL INVICTUS auf keinen Fall herum. Neben anderen Größen des Genres wie DEATH IN JUNE, bei welchen Wakeford als Gründungsmitglied fungierte, zählt das musikalische Kind des beleibten Engländers, der zu Beginn seiner Karriere auch bei der damals bekannten Post-Punk Band CRISIS mitwirkte, nämlich zur Speerspitze der weltweiten Neofolkbewegung und das nun schon seit fast 25 Jahren.

Mit 'The Cruellest Month' legt das zumeist mit verschiedensten Gastmusikern arbeitende Projekt nach sechs Jahren ein neues Album vor, welches erstmalig über das deutsche Label Prophecy Productions / Auerbach Tonträger veröffentlicht wird. Noch dazu soll es laut Label eines der bisher besten Werke von Wakeford und natürlich absolut vollkommen sein. Ob diese Behauptungen der Wahrheit entsprechen, soll in folgender Besprechung ermittelt werden.

Eingeleitet wird das Ganze vom monumentalen 'Raining In April', welches das wunderschön gemalte Albumcover perfekt widerzuspiegeln scheint, textlich wie musikalisch. Derartige Klangkunst ist man von SOL INVICTUS gewohnt. So und nicht anders muss romantisch angehauchter Neofolk klingen, obwohl angesprochener Song im Falle der Briten schon einigermaßen aggressiv geraten ist. Auf der Scheibe finden sich natürlich noch weitere Perlen Wakeford'scher Kompositionskunst. Das mittelalterliche 'To Kill All Kings', die dezent irische Ballade 'Edward' und das rockig-hymnische 'The Bad Luck Bird' sind Musikstücke aller erster Güte und gehören schlichtweg zum Besten, was man in Sachen Neofolk erschaffen kann. Gen Ende muss man noch das wunderschöne 'The Blackleg Miner' besonders hervorheben, da dieser Song einerseits an alte Großtaten erinnert und andererseits die hervorragende Neuinterpretation eines alten Volksgesangs darstellt.

Neben eben genannten klanglichen Offenbarungen versteckt sich auf 'The Cruellest Month' auch ein wenig Faulobst, wenn es um Abwechslungsreichtum und Beeindruckung des Hörers geht. Manche Songs, man nehme zum Beispiel 'April Rain', wollen einfach nicht zünden und plätschern auch nach dem x-ten Hördurchlauf noch monoton vor sich hin, ohne sich auch nur ansatzweise im Gedächtnis zu verankern. Außerdem wäre bei manchen Tracks, um ein altes Sprichwort aufzuwärmen, weniger schlichtweg mehr gewesen, weshalb die extrem opulenten Klangwelten beispielsweise bei 'Cruel Lincoln' sogar etwas stören.

Abschließend betrachtet muss man sagen, dass die positiven Seiten von 'The Cruellest Month' die Negativen um ein Vielfaches überragen, wobei man aber auch hinzufügen muss, dass man beim neuen Album von SOL INVICTUS nicht unbedingt von einem Meilenstein sprechen kann. Fans der ersten Stunde, aber auch alle anderen Neofolk Freaks können natürlich beruhigt zugreifen, während man als unbedarfter Metaller vor einer Kaufüberlegung noch einen kurzen Probedurchlauf riskieren sollte.

Trotz allem findet man heute wohl nur schwer romantischeren, folkloristischeren und gleichsam industrielleren Neofolk als ihn SOL INVICTUS und ihr Mastermind Tony Wakeford praktizieren.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Johannes Deml (14.06.2011)

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