Edguy - Age Of The Joker

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VÖ: 26.08.2011
Bandinfo: EDGUY
Genre: Melodic Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Kartenspiele sind ja so eine Sache – auch die besten Spieler verlieren mal, wenn die Hand nicht glücklich ausgeteilt wurde, und da gehört immer auch ein bisschen Glück dazu. Auch bei EDGUY wurden gerade die Karten neu gemischt, denn es steht wieder mal ein Release ins Haus; es stellt sich die Frage: Ja sind denn EDGUY diesmal überhaupt auf den “Joker” angewiesen, oder war ihnen das Glück hold und ist das Blatt ohnehin gut genug für einen Sieg?

Nun, wenn es um zeitgenössischen melodischen Metal und Rock geht, dann führt derzeit bekanntlich ohnehin kein Weg an Tobias Sammet vorbei - denn sei es mit seinem Soloprojekt AVANTASIA oder mit seiner ursprünglichen Band EDGUY, was der Mann angreift, scheint automatisch zu Gold zu werden. Mit den jüngsten Releases von AVANTASIA hat man ja sogar die Charts ordentlich geknackt, nun ist man mit EDGUY wieder dran, und wird den "Tinnitus Sanctus"-Nachfoler ins Rennen schicken. Und da aber gerade dieses Album das wohl umstrittenste der Bandgeschichte gewesen ist, war ich natürlich umso gespannter, wie sich EDGUY mit dem Folgewerk schlagen würden, und ob man sich noch weiter von den Powermetal-Wurzeln der frühen Scheiben entfernen und noch mehr in Richtung Hardrock tendieren würde.

Interessanterweise ist das jedoch auf "Age Of The Joker" nicht unbedingt der Fall - allerdings begibt man sich auch nicht direkt "back to the roots", sondern findet einen interessanten Mittelweg. Doch alles der Reihe nach.

Zunächst eröffnen EDGUY den bunten Reigen nämlich gleich mal mit der überlangen Rock-Nummer "Robin Hood", die mit Shuffle-Beat, klassischer Hammond-Orgel und dem EDGUY-typischen Humor aufwarten kann. Auch das erste Video zum Album wird es zu diesem Song geben, und - das kann gesagt sein - das ist keine schlechte Wahl. Denn trotz der Länge kann der Song mit griffigen Hooks punkten und bleibt flott im Ohr hängen. Gelungener Einstieg!

Das folgende "Nobody's Hero" schlägt dann in eine etwas traditionellere Kerbe, ein kurzer und schneller Rocker in klassischer EDGUY-Tradition, der für mich allerdings nun nicht unbedingt das Highlight des Albums geworden ist. Ungewohnt folkloristisch legt man dann mit "Rock of Cashel" nach, das mit abwechslungsreicher Struktur und auf Grund der für die Band eher ungewohnten musikalischen Ausrichtung durchaus für hochgezogene Augenbrauen sorgen kann.

Einer meiner persönlichen Höhepunkte stellt dann allerdings das folgende "Pandora's Box" dar, bei dem man nach einem an BON JOVI's "Blaze Of Glory" erinnernden Intro in einer amtlichen Rocker übergeht, der im Refrain durchaus schon poppig wird und mir Vergleiche mit ROBBIE WILLIAMS auf Steroiden aufzwingt. Schöner Song!

Bei "Breathe" wird's dann wieder kurzweilig, denn hier legen EDGUY erneut eine Nummer für Fans der alten Werke vor, die mit hohem Tempo und eingängigem Chorus so auch durchaus auf "Hellfire Club" hätte ihren Platz finden können! Bei "Two Out of Seven" rechnet Tobias Sammet dann wohl mit einer alten und/oder unerwiderten amourösen Verwicklung ab, was zwar textlich recht amüsant gestaltet, musikalisch aber eher mau ausgefallen ist. Auch das folgende "Faces In The Darkness" kann mich auch nach mehrmaligem Durchlauf nicht wirklich überzeugen, dagegen gefällt mir als Fan der frühen EDGUY-Werke das anschließende "The Arcane Guild" natürlich weitaus besser. Und auch hier ziehen EDGUY wieder ein paar Elemente aus ihrer Trickkiste vergangener Tage, denn auch dieser Song weist deutliche Parallelen zum Songwriting der Band zu "Mandrake" oder "Hellfire Club"-Tagen auf.

"Fire On The Downline" weiß dann mit kultigen Achtziger-Keyboards zu punkten, und das mystisch stampfende "Behind The Gates To Midnight World" bildet einen interessanten atmosphärischen Konterpunkt zu dem sonst doch eher fröhlich und optimistisch gehaltenen Songmaterial des restlichen Albums. Mit Sicherheit ein weiterer Höhepunkt im Schaffen der Band, und auch eines der absoluten Highlights des Albums!

Die obligatorische Ballade darf natürlich auch nicht fehlen, und hier dient diesmal "Every Night Without You" als Rausschmeißer - allerdings kann dieser Song nicht mit Balladen früherer Alben mithalten und verblasst neben den durchaus gelungenen rockigen Songs des Albums etwas; hier passte beispielsweise "Thorn Without A Rose" auf "Tinnitus Sanctus" weit besser zum restlichen Songmaterial.

Was bleibt also unterm Strich? Ein Ass im Ärmel, oder nur ein glücklicher Zufallsjoker?

Nun, EDGUY sind als Songschreiber definitiv gereift, und haben sich im Laufe ihrer Karriere stetig weiterentwickelt. Mit dem Vorgängeralbum "Tinnitus Sanctus" versuchte man noch mit etwas zuviel Gewalt, in eine neue stilistische Kerbe zu schlagen, was nicht ganz reibungslos gelang. Auf "Age Of The Joker" nun besinnt man sich wieder ein bisschen mehr auf alte Tugenden, ohne aber diese neuen Elemente ganz wegzulassen, und anno 2011 gelingt die Gratwanderung zwischen "EDGUY neu" und "EDGUY alt" deutlich besser: Mal eine Prise "Tinnitus Sanctus" bei "Robin Hood" und "Faces In The Darkness", mal ein bisschen "Rocket Ride" bei "Pandora's Box" und "Fire On The Downline", und mal ein bisschen "Hellfire Club" und "Mandrake" bei "Nobody's Hero" und "Behind The Gates To Midnight World" - diesmal sollten eigentlich Fans sämtlicher Schaffensperioden mit dem neuen EDGUY-Album ihre Freude haben. Dass sich zwischendurch dann mal der eine oder andere Song in die Tracklist geschlichen hat, der nicht ganz das Niveau des Rests halten kann, tut da kaum weh - im Gesamtbild weiß "Age Of The Joker" absolut zu überzeugen und stellt das vielleicht insgesamt kompositorisch reifste Album der Band dar. Starkes Comeback nach dem zwar nicht schlechten, aber doch gewöhnungsbedürftigen "Tinnitus Sanctus", das beweißt: Mit EDGUY ist einfach immer zu rechnen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (16.08.2011)

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