ALICE COOPER - Welcome 2 My Nightmare

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VÖ: 16.09.2011
Bandinfo: ALICE COOPER
Genre: Hard Rock
Label: Universal Music Austria
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Februar 1975 – in den USA brennt das World Trade Center (R.I.P.), in England wird mit Margaret Thatcher erstmals eine Frau zum Parteivorsitzenden gewählt und der Schrecken aller Kinder (und deren Mütter), ALICE COOPER, veröffentlicht mit dem Konzeptalbum „Welcome To My Nightmare“ offiziell seine erste Platte als Solokünstler. September 2011 – auf dem Boden des ehemaligen World Trade Centers (R.I.P. Again) wird zum zehnten Mal 9/11 gedacht, in England verstirbt der britische Pop-Art Begründer Richard Hamilton (R.I.P. zum Letzten) und ALICE COOPER, mittlerweile 63 Jahre alt und, aufgrund der natürlichen Abstumpfung des Menschen, harmloser als der nächstbeste Clown aus dem Dorfzirkus, veröffentlicht mit „Welcome 2 My Nightmare“ sein 26. Studioalbum, das 19. als offizieller Solokünstler.

Dazwischen lagen Glanzzeiten, die sich in „Trash“ oder „Hey Stoopid“ manifestierten. Dazwischen lagen aber auch ganz bittere Tage für Mr. Vincent Damon Furnier, wo er mit „Dragontown“ oder dem 2008er Schwachwerk „Along Came A Spider“ fast die treuesten seiner Fans verloren hat. Mit „Welcome 2 My Nightmare“ geht das personifizierte Idol sämtlicher Glam-, Gothic- und Theatermetal-Kapellen wieder zurück in die Hochphase seiner einst noch jungen Karriere, schart dabei Produzent Bob Ezrin und die Uraltmitglieder Denis Dunaway, Michael Bruce, Neal Smith und Steve Hunter (war bei „Welcome To My Nightmare“ am Start) um sich, und fertigt mit diesen und weiteren 1.373 Gaststars (wer’s ausführlich will, bitte hier nachlesen) ein buntes Stil-Potpourri, das man dem alten Kajal-Fetischisten aus Detroit nie und nimmer zugetraut hätte.

Langweilte uns der Altmeister auf seinem Spinnenalbum noch mit berechenbaren Songstrukturen, lässt er seine konzeptionellen, 15 neuen Albtraumkapitel durch unzählige Genres wandern und wird damit auch seine eingefleischten Pappenheimer überraschen und/oder vor den Kopf stoßen. Dabei tut diese Frische, die neu gewonnene Kreativität unheimlich gut, denn Mr. COOPER merkt man die Liebe und Hingabe zum Album jederzeit an. Beim Opener „I Am Made Of You“ fröstelt es noch ob der Mainstream-Radio tauglichen Stimmverzerrung, doch mit dem knalligen Rocker „Caffeine“ und dem melodiösen Country-Riffer „A Runaway Train“ ist das verlorene Terrain aufgeholt. So differenziert ist auch das weitere Programm angelegt. „Last Man On Earth“ kann man als puren Kirtags-Blues durchgehen lassen, „The Congregation“ watet knietief im 70er Sumpf, das vorab publizierte „I’ll Bite Your Face Off“ hat er wohl den ROLLING STONES aus dem „Unveröffentlicht“-Schrank gestohlen und mit „Disco Bloodbath Boogie Fever“, diesem trashigen Discoversatzstück mit Ohrwurmgarantie, motiviert er selbst Hartgesottene Zeitgenossen zum ungläubigen Augenbrauen hochziehen.

Der gute Herr dürfte auf seine alten Tage doch noch die eine oder andere Pille schmeißen, die nicht nur gegen Schmerzen oder Demenz helfen. Das ist aber längst noch nicht alles. „Ghouls Gone Wild“ hat einen heiter-fröhlichen Surf-Punkrock-Charme und verbreitet mehr gute Laune, als anno dazumal die BEACH BOYS. Das schwermütige „Something To Remember By“ ist eine COOPER-Ballade nahe seiner alten Tage und für den Modern-Rocker „What Baby Wants“ hat er sogar Electropop-Rapperin KE$HA als Gastsängerin an Bord geholt. Neben den kruden Verquerungen liefert der Gruselbarde aber auch wieder viel Verzichtbares. Das Instrumental „The Underture“ ist etwa so eigenwillig, wie unnötig, das kurze Piano-Zwischensample „The Nightmare Returns“ überflüssig und dem zähen „When Hell Comes Home“ fehlt es an Drive und Spannung.

ALICE COOPERs fette Jahre sind schon längst vorbei, doch mit dem heiß ersehnten „Welcome 2 My Nightmare“ springt er dem kreativen Tod lachend und triumphierend von der Schippe. Hardcore-Fans des sympathischen Hobbygolfers werden mit diesem akustischen Befreiungsschlag ihre liebe Mühe haben, doch hat man sich erst einmal in die – teilweise erschreckend fröhlich klingende – Albtraumwelt hineingearbeitet, badet man in einer musikalischen Brühe aus vollendeten Fertigkeiten, bewussten Überraschungen und gezielten Provokationen. Nur an der Härte fehlt’s. Doch das muss man von dem Begründer des Schmink- und Horrorrocks auch nicht mehr erwarten.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (16.09.2011)

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