HAMMERS OF MISFORTUNE - 17th Street

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VÖ: 21.10.2011
Bandinfo: HAMMERS OF MISFORTUNE
Genre: Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt ja schon genügend Bands, die nach anderen Bands klingen. HAMMERS OF MISFORTUNE aus San Francisco tun das vielleicht auch, aber auf so eigentümliche, ja schon fast charmante Weise, dass man ihnen nicht mal ansatzweise böse sein kann. Vielmehr sollte die kollektive Metalwelt auf Knien dankend herumrutschen, ein Geschenk wie "17th Street" in Händen halten zu dürfen, das eine Bandbreite in sich vereint, die von GENESIS über SAVATAGE bis hin zu KING CRIMSON zu reichen scheint.

Übertreibe ich? Nun, das muss jeder für sich selber rausfinden. Erinnert die erste Nummer "317" noch ein wenig an Experimental-Metall der Marke VINTERSORG, so werden wir schon beim folgenden Titeltrack ins Artrock-Nirvana entführt. Fragile Frauenstimmen konterkarieren mit fetten Gitarrenriffs der Marke "einfach aber effektiv". Joe Hutton's Stimme hat etwas ungeheuer beruhigend hippie-mässiges in sich, und die schwülstigen Hammondakkorde im Duett mit sägenden zweistimmigen Gitarrenkaskaden vernebeln einem die Sinne vollends.

Wie schafft es das Sextett bloß so locker flockig, sämtliche Elemente so unbedarft aneinander zu fügen, an deren Kombination schon weitaus berühmtere Bands kläglich gescheitert sind? Weil sie unaufgeregt an die Sache herangehen, ihr Horizont nicht an der Hitparade aufhört, und die einzelnen Musiker - obwohl sich die Band seit der letzten Glanztat "The Locust Years" fast komplett neu aufgestellt hat - auf höchstem Niveau miteinander harmonieren. Das bittersüße "The Grain" ist hierfür ein gutes Beispiel: beinahe poppige Gefühlsausbrüche münden in einen Artrock-Ozean ohne jegliche Grenzen.

Dass die Hauptinspiration der Band in den Siebzigern liegt, ist nahezu in jedem Song offensichtlich. Trotzdem kommt man nie mit dem in letzter Zeit eher negativ besetzten Begriff "retro" in Berührung. Wenn jemand es dann noch fertig bringt, einem symphonischen Speedmetal-Parforceritt wie "Romance Valley" einen Song folgen zu lassen, der klänge als würden QUEEN "Das Phantom Der Oper" zelebrieren ("Summer Tears"), dann sollten sämtliche Zweifel beiseite geräumt sein.

"17th Floor" ist bislang die beste und reifste Arbeit des Klangkollektivs, vor allem aber ist es ein Album, an dem man vielleicht im ersten Moment noch vorbei hört - das man aber nach und nach in seiner vollen Größe erfassen muss, soll und kann. Nehmt euch die Zeit für die HAMMERS OF MISFORTUNE - dimmt das Licht runter, macht die Räucherstäbchen und Kerzen an und köpft eine Bottel Rotwein. Vielleicht ladet ihr noch ein paar Freunde ein und spielt ihnen zur Einstimmung das beschwörende "Staring" vor. Glaubt mir...sie werden es euch ewig danken!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (13.10.2011)

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