Iced Earth - Dystopia

Artikel-Bild
VÖ: 14.10.2011
Bandinfo: ICED EARTH
Genre: Power Metal
Label: Century Media Records
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

"Dei' hohe Zeit is lang vorüber, und a die Höll' hast hinter dir" - diese hierzulande wohl besser bekannte Zeilen, als es sämtliche Söhne und/oder Töchter der Bundeshymne sind, wurden schon oft im Zusammenhang mit einer gänzlich unösterreichischen Institution des Metal, nämlich ICED EARTH verwendet. "Seit 'Something Wicked This Way Comes' kam kein gutes Album mehr", hieß es da mehr als einmal, als Mastermind Jon Schaffer in den 2000er-Jahren weiterhin brav seine Alben mit ICED EARTH veröffentlichte.

Aber - Totgesagte leben ja bekanntlich länger, und so überrascht es ein klein bisschen weniger, dass dieser Tage mit "Dystopia" wieder ein ICED EARTH-Album in die Läden kommen wird, das es so richtig in sich hat. Was daran aber wiederum etwas mehr überraschend ist, dass dieses besagte Album eine Sache, die man immer synonym mit dem Erfolg von ICED EARTH gebraucht hat, gar nicht in sich hat - und zwar Matt Barlow.

Der Sangesgott ist nämlich nach der kurzen Rückkehr für "The Crucible Of Man" und der zugehörigen Tour nun auf Grund anderer Verpflichtungen endgültig in den verdienten Ruhestand eingetreten, und überlässt einem anderen das Feld hinter dem Mikrofon. Die Wahl von Jon Schaffer ist dabei auf Stu Block gefallen, seines Zeichens auch Fronter bei INTO ETERNITY. Und der gute Mann stand nun vor der schwierigen, ja beinahe unlösbaren Aufabe, die Nachfolge von Matt Barlow bei ICED EARTH anzutreten - ein Unterfangen, an dem schon Über-Sänger Tim "Ripper" Owens beinahe gescheitert ist, gilt doch Barlow gemeinhin als der definitive ICED EARTH-Frontmann.

Aber allen Unkenrufen zum Trotz liefert Mr. Block auf "Dystopia" eine Performance ab, die sich gewaschen hat: Mal rotzig/kratzig in bester Barlow-Manier bei "Boiling Point", dann wieder clean bei den typischen ICED EARTH-Powerballaden wie "Anguish Of Youth", das sich mühelos neben Hammertracks wie "I Died For You" oder "Melancholy" in den Backkatalog einreiht, und dann auch wieder hoch und spitz in Halford- respektive Ripper-Tribute-Momenten wie beim Titeltrack "Dystopia". Beeindrucken vielseitig, der Mann, der ja sonst auch gerne mal zu Growls und Black-Metal-Einlagen neigt. Diese darf (oder muss) er aber bei ICED EARTH außen vorlassen, und beschränkt sich hier auf's melodische Fach. Und in bester Konditionierung genau darauf - quasi wie ein Barlow'scher Hund (ist diese Wortschöpfung eigentlich Pulitzerpreis-würdig?) - singt er sich emotional und durchwegs auf hohem Niveau durch die zehn Tracks des Albums, und macht dabei den freilich schmerzlichen Abgang von Matt Barlow fast vergessen. Chapeau!

Im Westen aber nichts Neues - das muss bei allen Loorbeeren für Stu Block in Zusammenhang mit dem neuen ICED EARTH-Album allerdings auch gesagt werden; denn die Gentlemen aus Übersee präsentieren sich auf "Dystopia" zwar wieder etwas härter als zuletzt, dafür aber nicht weniger routiniert, um nicht zu sagen, auf Nummer sicher gehend. Klar, das Songmaterial auf "Dystopia" ist zweifelsfrei wieder etwas stärker und zwingender ausgefallen als etwa auf "Framing Armageddon" oder auch "The Crucible of Man" - den wirklichen Befreiungsschlag stellt aber auch "Dystopia" nicht dar. Zu gewohnt sind die Stakkato-Riffings von Maestro Schaffer, ein wenig zu gefällig die Sonstrukturen und die Melodien. Allerdings sind die Songs auf dem neuen Album sicher ein Schritt in die richtige Richtung für ICED EARTH, und wenn Jon Schaffer und seine Mitstreiter diesen Aufwärtstrend beibehalten und auf den folgenden Scheiben noch weiter ausbauen können, dann steht vielleicht bald ein wirklich würdiger Nachfolger zu Werken wie "Something Wicked This Way Comes" und "The Dark Saga" ins Haus.

In jedem Fall liegt aber mit "Dystopia" das wohl stärkste ICED EARTH-Album der letztem zehn Jahre vor, das endlich wieder an meinen persönlichen Favoriten "Horror Show" anknüpfen kann. Definitiv ein Highlight des sich langsam seinem Ende zuneigenden Metal-Jahres 2011!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (06.10.2011)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Enslaved - Utgard
ANZEIGE