Staind - Staind

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VÖ: 22.09.2011
Bandinfo: Staind
Genre: Modern Metal
Label: Roadrunner Records
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Lineup  |  Trackliste

STAIND sind vielen Musikfans hierzulande noch aus seeligen "Break The Cycle" und "Dysfunction" Zeiten bekannt. Für ein paar Monate wurden Aaron Lewis und co. im Musikfernsehen rauf und runter gespielt. Die Gegenwart dieser Band ist zumindest in Europa weniger erfreulich. Die typische Mixtur der Anfangstage aus alternativem und modernem Metal entwickelte sich immer mehr in Richtung Rock. Dabei entfernte man sich zwar glücklicherweise immer weiter von moderner Trendanbiederei, wurde aber auch zunehmend zahn- und harmlos. In den Anfangstagen verstand es zu Band, mitunter einigermaßen brutal zu agieren, ohne auf die großen balladesken Momente zu vergessen. Um ehrlich zu sein, waren die Balladen und Halbballaden nicht nur die erfolgreichsten, sondern eben oft auch die qualitativ hochwertigsten Songs der Band. Dies lag in erster Linie daran, dass Mr. Lewis authentisch blieb und über eine Stimme verfügte, die eine Vielzahl an Emotionen ausdrücken konnte. Vor allem in den melancholischen Stücken durfte man sich daran erfreuen. Doch bei den rockigeren Songs fehlte oft das Feuer und die zwingende Melodie.

Das dachten sich wohl auch STAIND vor der Kreation des selbstbetitelten Werkes. Denn "Staind" schüttelt viele alternativen Elemente der nahen Vergangenheit ab und orientiert sich eher an "Break The Cycle". Mit anderen Worten: Mehr Metal, weniger Rock. Mehr Modernität, weniger Alternative. Doch leider bedeutet dies noch nicht zwangsläufig, dass man auch in Punkto Qualität wieder zurück in die Vergangenheit gelangt. Und um eines vorweg zu nehmen: Man schafft es nicht ganz, an vergangene Glanztaten anzuknüpfen, kämpft sich aber zumindest teilweise wieder in die Riege der interessanten Bands der modernen Zunft.

"Staind" ist mitunter überraschend, manchmal rüde, immer wieder von Pathos und Melancholie, aber auch von Aggression und Wut geprägt. STAIND experimentieren und toben sich aus, ohne ganz auf ihre Trademarks zu vergessen. Dies funktioniert manchmal, geht aber auch mal ordentlich schief. Schön zu hören, dass sich die Band z.B. bei "The Bottom" an für diese Band ungewöhnliche Klänge herantraut. Leider führen die Experimente an mancher Stelle auch dazu, dass man sich ab und an dem gruseligen Nu Metal zuwendet. "Wannabe" wird mit Rap Vocals von Mr. Snoop Dogg veredelt, die allerdings meiner Meinung nach absolut nicht in den Kontext passen und als akustische Spitze aus der Homogenität des Gesamtwerkes herausragen. Viel besser gefallen mir STAIND, wenn sie sich an der eigenen Vergangenheit orientieren und bei ihren präferierten Themenbereichen bleiben. "Eyes Wide Open" und "Not Again" erinnern tatsächlich an 1999. Das melancholische "Throw It All Away" und der sanfte Rausschmeisser "Something To Remind You" sorgen für die ruhigen Glanzlichter, die eben kaum jemand so gut beherrscht wie Mr. Lewis. STAIND bleiben also abwechslungsreich, ohne ihre eigene Linie zu negieren. Ein Song wie "Falling" deutet an, was anno 2011 die Quintessenz dieser Band darstellt.

"Staind" ist Licht und Schatten zugleich. Eine Band, die ich zwischenzeitlich ohne mit der Wimper zu zucken für tot erklärt hätte, meldet sich nun zurück in das Reich der "vitalen Bands". Nicht wie befürchtet als langweilige Selbstkopie, sondern wie nach einer Frischzellenkur, die man in der eigenen Vergangenheit verbracht hat. Dies bedeutet nicht, dass man nun wieder zu den heißen Anwärtern auf den Thron des modernen Rock/Metal zählt. Dazu sind noch viel zu viele unausgefeilte oder durchschnittliche Ideen auf "Staind" enthalten. Manche Experimente sind mißglückt, manche Songs einfach nicht zwingend genug. Und doch muss man der Band einen Schritt in die richtige Richtung zugestehen. Zur vollen Zufriedenheit wünsche ich mir aber noch eine größere Hitdichte und mehr instrumentale Kreativität. Fazit: Prinzipiell gelungen, aber mit Luft nach oben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: El Greco (21.10.2011)

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