Morton - Come Read The Words Forbidden

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VÖ: 21.10.2011
Bandinfo: Morton
Genre: Power Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

MORTON ist die Band des ukrainischen Produzenten Max Morton, und die Jungs beglücken uns mit klassischer Power Metal-Kost wie aus dem Lehrbuch. Beeindruckend, dass die Truppe nach nur einer Demo-EP nun mit ihrem Debüt "Come Read The Words Forbidden" gleich bei AFM Records gelandet ist; allein das sollte schon für eine gewisse Qualität der Band sprechen. Und - es sei vorweg genommen - das tut es auch!

Denn MORTON liefern Material auf hohem Niveau mit bester skandinavischer Prägung: Bands wie STRATOVARIUS, SYMPHONITY oder auch mal KAMELOT (bei "We Are The Shades" hört man insbesondere im Gesang starke Parallelen zu einem gewissen Roy Khan heraus) dürften hier Pate gestanden haben, und das merkt man nicht erst bei Songtiteln wie "Eaglemark" *hüstel*.

Aber sei's drum - gerade als Fan von klassischem Power Metal liebt man ja gemeinhin seine Klischees, und irgendwie wär's nicht dasselbe, wenn man zwischendurch nicht die üblichen Platitüden, kitschigen Keyboards und besonders truen Texte, verpackt in eingängigste Melodien, hören würde. Und auch MORTON liefern, das muss gesagt werden, eigentlich nur Stangenware - wenngleich auch sehr gute Stangenware. Denn handwerklich geht hier alles in Ordnung, besonders Fronter Max Morton selbst kann mit kräftiger Stimme überzeugen und erinnert mich mit seinem Gesangsstil mehr als einmal an Timo Kotipelto; und auch die Instrumentalfraktion liefert hochklassige Momente und einige der Flitzefinger-Soli wissen zu gefallen.

Warum also bleibt MORTON heute eine Spitzenwertung verwehrt? Nun ja, mir persönlich fehlt die in Power Metal Reviews ohnehin überstrapazierte "Eigenständigkeit" in diesem Fall doch etwas. Ich persönlich brauch die ja nicht unbedingt immer und bei jeder Band, damit mir ein solches klassisches melodisches Metal-Album gefällt; denn wenn etwas gut gemacht ist, ist es einfach gut - und da muss nicht in wöchentlichen Abständen das Metal-Rad neu erfunden werden. Und gut gemacht ist auf "Come Read The Words Forbidden" definitiv alles. Aber vielleicht ist genau das ein bisschen das Problem: Es fehlt der Wiedererkennungswert, es fehlen die Ecken und Kanten. Die Songs sind allesamt gut geschrieben, die Refrains eingängig und gefällig, die Gitarrensolos unterhaltsam, die Produktion stimmig (wenn auch die Drums wieder einen Tick zu künstlich ausgefallen sind, aber das ist scheinbar gerade ein Trend in der zeitgenössischen Powermetal-Produktion) - aber es gibt eben nichts, was MORTON nun wirklich von vielen anderen Genrebands abheben würde. Sie klingen eben sehr skandinavisch. Gut. Und sehr melodisch. Auch gut. Sind talentierte Musiker. Auch gut. Aber ob ich jetzt MORTON höre oder andere Kapellen wie eben STRATOVARIUS, SONATA ARCTICA, BLOODBOUND oder DREAMLAND, die alle irgendwo die gleiche Klientel bedienen, macht kaum einen Unterschied. Und das ist eigentlich auch das einzige, was man an MORTON wirklich kritisieren kann - wenn man sowas überhaupt als "Kritik" bezeichnen möchte, in einem Atemzug mit solchen Bands genannt zu werden!

Denn wie gesagt, Songs wie "Calling For The Storm", "Brotherhood of Light" oder "Grimoire" gehen direkt ins Ohr, wissen zu unterhalten, und der handwerkliche Aspekt passt auch - hier gibt es definitiv schlechtere Möglichkeiten, sein hart verdientes Geld zu investieren, wenn man auf melodischen Power Metal steht. Aber wirkliche Gründe, MORTON jetzt anderen Releases auf vergleichbarem Niveau vorzuziehen, fallen mir leider auch keine ein. Es bleibt halt Stangenware, es bleibt Fan-Bedienung; diese allerdings auf einem hohen Level, und so haben auch MORTON definitiv ihre Existenzberechtigung in der Szene. Wer also auf diese Art von Musik steht und auf alle ihre typischen Trademarks, der kann hier bedenkenlos zugreifen - der geneigte Fan wird keinesfalls enttäuscht.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Dragonslayer (20.10.2011)

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