NUCLEUS TORN - Golden Age

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VÖ: 02.12.2011
Bandinfo: NUCLEUS TORN
Genre: Avantgarde
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

Setzt euch hin, lehnt euch zurück, macht das Licht aus und am besten noch die Augen zu. Und dann startet ihr "Golden Age", das neue Album der Schweizer Avantgarde-Folkloristen NUCLEUS TORN. Denn anders könnte man den Eintrittspunkt in dieses Werk vielleicht verpassen oder gar nicht erst finden. Der Kosmos der Gruppe rund um Mastermind Fredy Schnyder ist auch viel zu weitläufig, die einzelnen Teile viel zu sehr ineinander verwoben, als dass man das Konzept in ein paar mageren Review-Sätzen erläutern, oder gar in einigen wenigen Hördurchgängen erfassen könnte.

"Golden Age" funktioniert - zur groben Orientierung - sowohl als eigenständiges Werk, als auch als Prequel zur "Nihil"/"Knell"/"Andromeda Waiting"-Trilogie, wobei Teile mancher Songs bereits Jahre in Fredy's Gedanken existiert haben, andere Teile wiederum auf bereits bestehende Themen oder Songs zurückgreifen. Aber um mit der Musik von NUCLEUS TORN klar zu kommen, muss man das eigentlich alles nicht wissen. Wichtig ist einfach, open-minded an die Sache heran zu gehen. Für Leute, deren Musikverständnis mit dem Verstummen der verzerrten Gitarren aufhört, wird "Golden Age" somit ein relativ großes Hindernis darstellen.

Alle anderen erleben hier - wie bereits auf dem Vorgänger "Andromeda Waiting" - sehr intensive Atmosphären, die zwischen Avantgarde-Folk, floydesken Klanglandschaften, jazzigen Ambient-Versatzstücken und progressivem Rock hin- und her schwingen. Zwischen den beiden jeweils zwölfminütigen Eckpfeilern "Golden Age" mit seinem teils sehr fragilen Gesang, und "Death Triumphant" (erinnert ein wenig an ältere OPETH-Bandwürmer und ist hier das Stück, das noch am ehesten die Metal-Gemeinde ansprechen dürfte) erstrecken sich die Klangsphären von ungeahnter Ruhe bis hin zu geahnter Unruhe, wie etwa das fast nur durch Percussion, Akustik-Gitarre und Flöte gestützte "Hunger".

Das eher leicht verdauliche "Against" könnte laut Fredy Schnyder dann fast schon "Pop à la NUCLEUS TORN" sein, während "Ash" relativ dramatisch beginnt und über einen ruhigeren Teil in ein versöhnliches Gitarren-Finale mündet. Das wunderschöne "Silver" lebt - wie so viele Passagen hier - vom Vokal-Doppel Patrick Schaad und Maria D'Alessandro, und nimmt den Hörer mit jazzigen Moll-Stimmungen gefangen. Hier kann man am ehesten sehen, wie genial sich die einzelnen Instrumente hier kompositorisch ergänzen, wie detailliert der Mikrokosmos hier wirklich ist.

"Golden Age" wird weiters noch von den Gastsängern Anna Murphy (ELUVEITIE) und Christian Kolf (WOBURN HOUSE, ist für die Growls in "Death Triumphant" verantwortlich) veredelt, und kann in einem dezent gestalteten, Buchförmigen Digi-Pack erstanden werden. Wenn ihr also sowohl mit Sachen wie THIS MORTAL COIL als auch mit ROSE KEMP keinerlei Probleme habt, ist "Golden Age" eine wunderschöne Sache - nicht für die ruhigen Tage vor, um und nach Weihnachten.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (30.12.2011)

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