Alcest - Les Voyages de l'Âme

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VÖ: 06.01.2012
Bandinfo: ALCEST
Genre: Avantgarde Metal
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

Spätestens nach dem leibhaftigen Eintauchen in den Klangkosmos von ALCEST (im Innsbrucker pmk im April vergangenen Jahres) durfte auch ich mich auf das neue Album einer der angesagtesten und aufstrebendsten Szene-Bands dieser Tage freuen. Den Persönlichkeiten sowie dem Anspruch und Ansinnen der Band entsprechend unauffällig und sanft, schlichen sich die Franzosen zuletzt mehr und mehr in die Herzen der HörerInnen und Suchenden nach ästhetischer und introspektiver Melancholie-Musik. Nach dem Erfolgsalbum „Écailles de Lune“ streut ALCEST-Mainman Neige nunmehr das dritte Album „Les Voyages de l'Âme“ unter die stetig wachsende Anhängerschaft.

ALCEST entstammen usprünglich der Black Metal Szene und firmieren ähnlich wie ihre Mitstreiter AGALLOCH, WOLVES IN THE THRONE ROOM oder LANTLÔS unter dem Banner „Post-Rock/(Black-)Metal“, was so klingt als ob ätherisch-flächige SIGUR ROS-Klangcollagen mit verwaschenen Black Metal-Reminiszenzen gespickt werden. Der Begriff „Shoegaze“ erscheint mit in diesem Zusammenhang wenig angebracht, da hier nicht namensgebend schüchtern auf die Stiefel gestarrt wird, sondern die Musiker vielmehr zu ihrem atmosphärischen Metal-Soundtrack in ihre ureigenen Innenleben ab- und in den schwebend-schwelgerische Akustikkosmos eintauchen.

Gleich mit dem Opener „Autre Temps“ werden die die Ohrhärchen des Hörers zart gekitzelt, ihn auf eine Reise in andere Sphären zu entführen. Entspannt nimmt die Band um Neige (wer sich Neige –französisch für Schnee- nennt, der will schon per se Tiefe vermitteln) den Hörer auf den acht Stücken mit auf verträumt-verspielte Ausflüge in entfernte Klangwelten, in denen schöne Melodien und getragene sphärische Gitarrenwände vordergründig den ALCEST–Sound dominieren, während im Hintergrund phasenweise die psychedelisch flirrenden Black Metal-artigen Sounderuptionen („Là où Naissent les Couleurs Nouvelles“ oder „Beings Of Light“) durch die dichten Nebelwände herausregieren oder auch stimmlich der Dämon aus der Zwischenwelt zu uns schreit („Faiseurs de Mondes“).

Das dritte Album „Les Voyages de l'Âme“ ist verglichen mit den Vorgängern keine großartige Weiterentwicklung, sondern vielmehr eine Konsolidierung der bandtypischen Trademarks. Nicht für jedermann zugänglich und auch kein Album für jede Tagesverfassung, aber in der richtigen Stimmung ist das neue Album in seiner entspannt-getragenen Erhabenheit vor allem eins: atmosphärisch dicht und herrlich schön.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (27.01.2012)

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