Eisbrecher - Die Hölle muss warten

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VÖ: 03.02.2012
Bandinfo: EISBRECHER
Genre: NDH (Neue Deutsche Härte)
Label: Columbia Records
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Lineup  |  Trackliste

'Sei's, wie's sei" sagt man in Bayern und dieses Motto sollten sich die Münchner Deutschrock-Helden von EISBRECHER unbedingt zu Herzen nehmen. Seit 2003 sind die EISBRECHER-Konstanten Alexx Wesselsky und Noel Pix nun schon zusammen unterwegs und bringen ihren stilistischen Mix aus derber Neuer Deutscher Härte, Elektro-Rock und mitunter poppigen Attitüden - kurz harter Deutschrock - unter die Leute. Nachdem mit dem 2010er Release "Eiszeit" sozusagen das kommerzielle Eis durchbrochen wurde (das Album stieg in die Top-5 der deutschen Albumcharts ein), legen die Jungs jetzt mit "Die Hölle muss warten" nach und dieses Album kann sich auf gehörigen Gegenwind einstellen.

'Wo sind die alten EISBRECHER hin? Ist das nicht nur simpler Schlager, der mit Riffs unterlegt wird?' Fragen über Fragen, die sich Journalisten und Kritiker zu stellen scheinen und bei diesen Aussagen könnte man im Vorhinein meinen, dass "Die Hölle muss warten" ein kleines Volksmusik-Opus geworden ist, doch das stimmt einfach nicht. Kaum verdienen Musiker mit ihren Alben etwas Geld und werden erfolgreicher, werden sofort die Stilbruch- und Kommerzanbiederungsrufe laut. Wem "Die Hölle muss warten" zu mainstreamlastig scheint, der hätte sich 2006 "Antikörper" wohl auch nicht reinziehen dürfen, also 'sei's wie's sei'...

Auf alle Fälle legen EISBRECHER anno 2012 - entgegen aller Unkenrufe - ein beständiges, kleines Album ab, das zwar nicht unbedingt ein Genre-Highlight geworden ist; im Gegensatz zum neuesten Output von MEGAHERZ bzw. der aktuellen Scheibe von STAHLMANN aber um einiges mehr an musikalischen Charme an den Tag legt. Der Opener "Tanz mit mir" ist ein unglaublich eingängiger Elektro-Rock-Song geworden, der einen perfekten Einstieg in die Scheibe bietet. Das gilt auch für das treibende "Abgrund" und dem lyrisch leider sehr lapidaren "Exzess Express". Wer's lieber hart-melodisch mag, der sollte sich das Album-Highlight "Augen unter Null" ja nicht entgehen lassen. Ein geiler Retro-Sound gepaart mit einer mitreißenden Melodie - das ist melodische Neue Deutsche Härte. Das bereits vorab veröffentlichte "Verrückt" sollte den meisten EISBRECHER-Fans schon ein Begriff sein, während der Titeltrack zwar eingängig daher kommt, qualitativ aber etwas abfällt, da er nicht allzu spannend arrangiert wurde.

Mehr als spannend ist dagegen das rauchig-explosive "Prototyp", das getragenere "Treiben" und das immens poppig angehauchte "In meinem Raum". Obwohl mich ein Album, das nur aus Songs wie "Rette mich" bestehen würde, cholerisch und rasend machen würde, passt der Song unheimlich gut in den Stilmix auf "Die Hölle muss warten". Ein besonderes Special liefern die EISBRECHER-Jungs aber auch noch in Form von "Ein Leben lang unsterblich" ab. Sehr guter Chorus, guter Text, schöne Arrangements - EISBRECHER wie sie im Jahr 2012 zu klingen haben. Da stört es auch nicht, dass zwei, drei Songs diesen Qualitätsstandard nicht ganz halten können!

Alles in allem ist EISBRECHER mit "Die Hölle muss warten" ein unheimlich stimmiges, songwriting-technisch gelungenes und geil eingespieltes Album gelungen, das die Vorgänger im Gesamten gesehen toppen kann. Hier sticht kein Song besonders hervor (wie anno dazumal "Vergissmeinnicht"), als Ganzes funktioniert diese Scheibe aber super! Obwohl man beim Coverartwork etwas mehr Kreativität an den Tag hätte legen können, ist "Die Hölle muss warten" ein richtig gutes Album geworden! Viel Rock, etwas Pop, der Schwerpunkt auf Eingängigkeit und Elektro - mehr erwarten wir von Alex und Noel auch gar nicht! Warum also immer diese Kommerzsager? Muss das sein?




Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: mat (08.02.2012)

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