Meshuggah - Koloss

Artikel-Bild
VÖ: 23.03.2012
Bandinfo: MESHUGGAH
Genre: Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Zu dieser Veröffentlichung haben wir 2 Meinungen:

Review 1 Review 2

MESHUGGAH haben seit langer Zeit einen besonderen Platz in meinem Leben. Vierzehnjährig, völlig verstört von einer soeben erstandenen EP namens "NONE" wusste ich zwar nicht, was GENAU ich da eben gehört hatte, ich verstand aber, dass es gut war.

Gut zwölf Jahre später, in der Nightline eine Ehrenrunde um den Ring drehend, verschmolzen die albtraumhaften Paradoxien von "Catch 33" mit den rot-aufgedunsenen Gesichtern der Spätheimkehrer zu einem Blick in den Vortex einer Zerstörung, Dehumanisierung und (künstlichen) Wiedergeburt: I float through physical thoughts. I stare down the abyss of organic dreams, All bets off, I plunge - Only to find that self is shed. Das Versprechen von "Destroy, Erase, Improve" eingelöst in einem konzeptuellen Meisterwerk. Ein definierender Moment meiner Musikkarriere.

Obwohl das Jahre später folgende "obZen" auch ein Konzept vorweisen konnte, fehlte dem Gesamtwerk dann doch die Einzigartigkeit eines "Catch 33" und wusste mehr durch MESHUGGAH-untypische Eingängigkeit zu beeindrucken als durch tiefsinnige Gedankengänge. Beeindruckend positive Reviews und ansprechende Verkaufszahlen waren zwar die Folge, meinereiner fühlte sich aber unbefriedigt von den zwar technisch ultrakomplexen aber fast schon poppigen Stücken.

2011 dann die für mich große Überraschung, nicht nur, dass MESHUGGAH plötzlich als die Urväter einer ganzen Musikrichtung namens "Djent" gehandhabt wurden, nein, mit einem Konglomerat aus Metal und Dubstep funktionierte plötzlich auch der Schulterschluss zwischen Metal und Elektronik, der zuvor an Drum'n'Bass und *Core gescheitert war! Dem KORN sei's gedankt! Passend dazu auch die Ankündigung von MESHUGGAH, dass man an einem neuen Album werkeln würde, Arbeitstitel "Koloss" und sowieso und überhaupt müsse man sich auf das heftigste und heavieste Album aller Zeiten einstellen! Blöderweise muss sich die Band an sich selbst messen und vor allem in den ersten 50% von "Koloss" scheitert man spektakulär an den eigenen Vorgaben.

"I Am Colossus" ist heavy, hat die bekannten Trademarks, aber es ist vor allem eines: unspektakulär und zerfahren. Man vermisst die durchgängige Linie, die vereinende Klammer, die die wie üblich sehr gegenläufigen Melodienlinien irgendwann, irgendwie dann doch zu einem wuchtigen Ganzen verbindet. Besser gelungen ist dies mit "The Demon's Name Is Surveillance" - wer "Bleed" mochte, wird sich hier sofort und zu 100% zu Hause fühlen, die wirkliche Erleuchtung und das versprochene, übermächtige und dominierende Wesen findet man hier aber genausowenig wie im folgenden "Behind The Sun".

"The Hurt That Finds You First" lässt dann kurz aufhorchen, allerdings wohl eher deswegen, weil das plötzlich schwerst verschärfte Tempo so gar nicht zu den ersten Nummern oder dem Namen des Albums passen will. Alte Fans mögen wohl an die Death- und Thrash-Attacken eines "Contradictions Collapse" erinnert werden, frisch Konvertierte werden aber wohl eher irritiert auf "Forward" drücken. Auf eine Liveinterpretation dieses Songs darf man dennoch gespannt sein, hat er doch das Potential, die versammelten Kifferhorden in heillose Verwirrung zu stürzen, vor allem wenn es gegen Ende dann doch plötzlich wieder im MESHUGGAH-eigenen Stil chillig-jazzig wird.

Dieser Zwischenteil stellt aber nur den Übergang zu den restlichen 50% des Albums her, welche mich dann doch mit MESHUGGAH, ihrem "Koloss" und der ganzen Welt zumindest annähernd versöhnen. "Marrow" leitet den Befreiungsschlag ein, führt die Reiterei in einen Frontalangriff, der die Schlacht doch noch entscheiden wird können...müssen. Aggressiv, heavy, vertrackt, schwerste Jazzeinlagen als Solo aber trotzdem das Gefühl einer Einheit, so kennt und schätzt man diese Band. Darauf folgend "Break Those Bones Whose Sinews Gave It Motion" mit einem Gitarren-Intro, das mich schwerst in Erinnerungen an "Catch 33" schwelgen lässt. Die Gitarren, wohl tiefer gestimmt als so mancher Bass, lassen den Koloss endlich richtig stampfen, fast sieht man einen riesigen Golem auf sich zukommen, doch DIESES Wesen kann nicht nur dumm Befehlen folgen oder alternativ rasend durch die Stadt jagen, dieser Koloss spricht, droht.
Ähnlich gestaltet sich auch "Swarm" welches, falls man die Geschichte des Prager Golems kennt, gut zu dessen Amoklauf durch die Stadt passen würde und mit "Demiurge" schließt sich der Kreis und der Koloss steht, seine letzte Schlacht geschlagen (wer God Of War gespielt hat, genau so!), vor uns.

"The Last Vigil" ist dann nur mehr Beiwerk, der Abspann, bei dem sich die Leute erheben und aus dem Kino wanken. Zurück bleibt ein Album, das für jede motivierte Djent-Band dieser Welt wohl den absoluten Durchbruch bedeuten würde, für MESHUGGAH ist es jedoch mehr eine Pflichtübung, die man zwar bravourös gemeistert hat, für die man aber in der Kür (mit Ausnahme des Covers!) nur durchschnittliche Punkte verdient hat.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: nagelfar (14.03.2012)

WERBUNG: Area53 2022
ANZEIGE
WERBUNG: ICONIC - Second Skin
ANZEIGE