KISSIN' DYNAMITE - Money, Sex & Power

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VÖ: 23.03.2012
Bandinfo: KISSIN' DYNAMITE
Genre: Sleaze Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Kinder, wie die Zeit vergeht. Die schwäbischen auf-dicke-Hose-Macher KISSIN‘ DYNAMITE sind dem Ministrantenalter mittlerweile entwachsen und liefern mit – no na prollig betitelt – „Money, Sex & Power“ auch schon ihr drittes Album ab. Beim Debütwerk „Steel Of Swabia“ vor vier Jahren war Sänger Hannes etwa gerade mal 16 Jahre alt, gemeinsam mit den Todmetall-Kiddies von HACKNEYED wurde das Quintett als größte teutonische Nachwuchshoffnung in den bekannten Hartwurst-Postillen abgefeiert. Den Vertrag mit der krisengeschüttelten EMI haben KISSIN‘ DYNAMITE aber zugunsten einer weltweiten Vertriebsmöglichkeit durch AFM Records aufgegeben. Wohl gar keine schlechte Entscheidung.

Zumindest, wenn AFM den Vertrieb glaubwürdiger erledigen, als das Schreiben ihrer Promoschablonen. „Sie werden die Welt schwer beeindruckt und sprachlos zurücklassen“ wurde hier Tinte auf Papier ejakuliert, mit „MÖTLEY CRÜE, WHITESNAKE, AC/DC, GUNS N’ROSES – man hielt jedem Vergleich stand“ gleich noch der letzte Freudentropfen aus der Feder gepresst. Geht’s noch? Die Jungs in allen Ehren, aber habt ihr, liebe AFM-Mitarbeiter, schon jemals „Kickstart My Heart“, „Still Of The Night“, „Back In Black“ oder „Welcome To The Jungle“ gehört? Egal, lassen wir’s bleiben. Soll jetzt auch keine Hinrichtung werden, denn was der junge Schwabenhaufen sich für das Drittwerk ausgedacht hat, hat durchaus wieder Hand und Fuß.

Wer sein Album „Money, Sex & Power“ und einen Song „Sleaze Deluxe“ tauft, referiert definitiv nicht über Weltpolitik und Umweltprobleme, sondern über die leichtfüßigen Seiten des Lebens. Im Gegensatz zum starken Vorgängeralbum „Addicted To Metal“ haben die Burschen ihren Heavy Metal-Anteil tatsächlich etwas zurückgeschraubt, um noch kompromissloser, noch offensiver vor sich hin rocken zu können. Das endet in interessanten HAMMERFALL/MÖTLEY CRÜE-Kreuzungen („I Will Be King“), in unwiderstehlich eingängigen Samstagabend-Saufhymnen („Operation Supernova“, „Dinosaurs Are Still Alive“, „Sleaze Deluxe“) oder Blues-beeinflussten Pokertisch-Begleitern („Six Feet Under“). HAMMERFALL dürfte besonders oft rotiert sein, denn vor allem die Cobain/Jones/Hendrix/Joplin-etc. Verbeugung „Club 27“ könnte fast baugleich von den schwedischen Fantasieromanlesern geschrieben worden sein.

Im Endeffekt ist aber genau darin der große Wurm begraben, denn wer sich „Money, Sex & Power“ öfter als zwei Mal durch die Ohren gleiten lässt, wird vom Gesamtwerk relativ schnell fadisiert werden. Zu ident wirkt das Songwriting, zu ähnlich sind die verschiedenen Songs im Endeffekt ausgefallen. Dass den immer noch jungen Burschen von KISSIN‘ DYNAMITE trotzdem ein fettes Album gelungen ist, lässt nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass vor allem die skandinavische Konkurrenz wie etwa HARDCORE SUPERSTAR oder GEMINI FIVE noch immer eine Liga drüber zocken. Zum gemütlichen Abhängen und live-abschädeln taugt das gute Teil aber allemal.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (14.03.2012)

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