Dark Suns - Orange

Artikel-Bild
VÖ: 02.12.2011
Bandinfo: Dark Suns
Genre: Progressive Rock
Label: Prophecy Productions
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Progressivität bedeutet Fortschritt, Fortschritt bedeutet Veränderung, Veränderungen negieren den Stillstand, sind aber per se weder negativ, noch positiv. Mit diesem Einleitungssatz kann sich jeder Leser, der die DARK SUNS aus Leipzig kennt, nun seinen Teil denken. Bereits die Frühwerke "Swanlike" und "Existence" machten deutlich, dass die DARK SUNS großes Potential haben und sich selbst auf jedem ihrer Werke verändern und beinahe neu erfinden wollen.

"Orange" hat mit diesen ersten Veröffentlichungen (vor allem mit dem schweren "Swanlike") nichts mehr zu tun. Nein, "Orange" hat sogar mit "Metal" nichts zu tun. Nun nähert man sich deutlicher dem Prog Rock der 70er an und orientiert sich an einer gänzlich anderen Zielgruppe. Fans von KING CRIMSON, aber auch Bands wie den FLOWER KING'S zählen nun anscheinend zur "neuen" Zielgruppe der Band. Und dies wird die Fans der DARK SUNS in zwei Lager spalten. Denn obwohl man als Fan dieser Band mit Veränderungen rechnen musste, so ist diese Radikalität in der Neuorientierung schwierig zu akzeptieren.

Vor allem die erste Hälfte des Albums sorgt für hochgezogene Augenbrauen: "Toy" scheint sich dermaßen am Prog Rock anzubiedern, dass man sich fragt, ob dies wirklich die DARK SUNS sein können. "Elephant" ist schrullig, "Diamond" nervt mit wimmerndem Gesang und "That's Why They Hate You In Hell" setzt dem ganzen noch die Krone auf. Wenn sich diese Metapher auf ein mögliches, negatives Echo der Metalszene bezieht, so haben die Musiker dies gut erkannt. Die wüsten Eunuchen-Schreie würden dem Gros der Power Metal-Barden die Schamesröte ins Gesicht treiben und führen dazu, dass ich den I-Pod beinahe aus dem Fenster geworfen hätte. Da schießt die Band deutlich über das Ziel hinaus.

Und doch ist auf "Orange" beileibe nicht alles schlecht. Nein, manche Songs sind richtig gelungen und beweisen, dass die DARK SUNS eigentlich nichts verlernt haben. "Vespertine" verfügt über einen tollen Refrain, beeindruckende Vocals und eine wahrlich progressive Umsetzung einer guten Idee. Das rockigere "Scaleman" überzeugt ebenso durch Charakterstärke und wohltuende Progressivität. In diesem Song klingt nichts aufgesetzt und gezwungen anspruchsvoll. Ähnliches gilt für "Eight Quiet Minutes" bei dem die Band ihre variable musikalische Darbietung fließen lässt, anstatt den Faktor Progressivität zu erzwingen.

"Orange" wird sicherlich ein Kritikerliebling werden. Die Band ist talentiert, intelligent und macht vieles richtig. Und trotzdem kann ich mich mit "Orange" nur bedingt anfreunden. Dem Großteil unserer Leserschaft wird es wohl ähnlich gehen. Und dabei ist es nicht die "Abkehr vom Metal", die ich in erster Linie anprangere. Jede Band muss sich musikalisch in die Richtung orientieren, die sie in einem bestimmten Moment für sie entdeckt. Doch leider klingt mir "Orange" in manchen Parts zu erzwungen. Man hat die deutliche Intention progressiv zu sein, schafft es aber nicht, über die gesamte Distanz etwas fortschrittliches zu erschaffen. Ich will aber an dieser Stelle nicht leugnen, dass die DARK SUNS das Potential hätten, im nächsten Kapitel ihrer Reise eine begeisternde Überraschung schaffen zu können. Die Überraschung namens "Orange" ist für mich aber sicherlich noch nicht der Höhepunkt der Karriere dieser Band.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: El Greco (04.04.2012)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: LAMB OF GOD - Lamb Of God
ANZEIGE