Jeff Loomis - Plains Of Oblivion

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VÖ: 06.04.2012
Bandinfo: Jeff Loomis
Genre: Instrumental / Shred / Fusion
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mein hochgeschätzter ex-Kollege PMH hatte in seiner mittlerweile auch schon vier Jahre alten Review zur JEFF LOOMIS Debütplatte „Zero Order Phase“ schon recht: „Es macht Spaß hier bis zum Ende durchzuhalten, auch wenn das beim Erstkontakt noch durchaus schwerfiel.“ Die Fähigkeiten des Sieben-Saiter-Fetischisten sind hinlänglich bekannt, aber so richtig ins Oberstübchen hacken wollte sich der erstmalige Ausflug in die Selbstständigkeit dann doch nicht. Umso verwunderlicher, dass der gute Jeff mit „Plains Of Oblivion“ jetzt plötzlich eine Instrumental/Shred-Platte vorlegt, die sich nicht nur deutlich vom Vorgänger abwendet, sondern tatsächlich frischer, durchdachter und vor allem vielseitiger klingt.

Zeit zum Feilen hatte der Blondschopf nach dem unrühmlichen NEVERMORE-Split ohnehin genug, an Kreativität hat es dem US-Amerikaner auch nicht gemangelt. In erster Linie protzt LOOMIS natürlich mit seinen zweifellos außergewöhnlichen instrumentalen Fähigkeiten, in zweiter Instanz mit seiner unfassbar großen Liste an illustren Stargästen. Den schillerndsten hört man bereits bei Opener „Mercurial“. Niemand geringerer als ex-MEGADETH Klampfer Marty Friedman, seines Zeichens großes Idol von LOOMIS selbst, versprüht mit seinen Geschwindigkeitsattacken seliges Spät-80er-Jahre-CACOPHONY-Speed-Metal-Feeling. Tony MacAlpine versprüht auf „The Ultimatum“ eindringliche Thrash-Salven und mit Attila Vörös („Requiem For The Living“) hat er sich sogar einen alten NEVERMORE-Kollegen ins Boot geholt.

Die Songs pendeln stets zwischen eindeutigem, aber niemals penetrantem Egogewixe, Anleihen an die goldenen Speed/Thrash-Zeiten und einer fast schon romantisch-majestätischen Ausrichtung, die auch die weiblichen Liebhaber des Lockenkopfs zu den Kopfhörern treiben sollte. Letztere sind sowieso Pflicht, denn der ungemein detailreiche Klangkosmos von LOOMIS und seiner Weltklasse-Rasselbande entfacht seine wahre Magie nur bei Stöpsel-Bedienung. Völlig neu auf „Plains Of Oblivioin“ ist der Gesang. Zwei Songs veredelt die relativ unbekannte Christine Rhoades, auf dem Album-Highlight „Surrender“ grölt und fidelt Norwegens Supermusiker IHSAHN mit. Den Prog benutzt LOOMIS in fast allen Songs, besonders schön ist das beim paralysierenden „Continuum Drift“ und dem leichtfüßig-verspielten „Sibylline Origin“ zu hören. Dem gegenüber holzt der gute Mann dann bei „Escape Velocity“ oder „Tragedy And Harmony“ auch mal ganz schön derbe durch die Botanik.

Resümierend hat sich JEFF LOOMIS mit „Plains Of Oblivion“ seine eigenständige, nur mehr partiell an NEVERMORE erinnernde Klangwelt erschaffen, in der sich der Beinahe-MEGADETH-Gitarrist auf seine wirklichen Stärken besinnt, ohne auf das Rundherum Rücksicht zu nehmen: Solos, wahnwitzige Fingerübungen und verdammt fette Riffzutaten. Das ergibt nicht nur eine klare Steigerung zum Debütalbum, sondern zeigt auch deutlich auf, dass Instrumentalalben auch in der 2.0-Welt durchaus noch ihren Wert haben können. Und das ist ja für sich allein schon eine schöne Erkenntnis.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (05.04.2012)

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