Sonata Arctica - Stones Grow Her Name

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VÖ: 18.05.2012
Bandinfo: SONATA ARCTICA
Genre: Melodic Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

"O SONATA ARCTICA, Where Art Thou?" Diese kryptische Frage haben sich Fans des finnischen Power Metal-Exports in den letzten Jahren sicherlich oft gestellt. Während die Mannen rund um Fronter und Mastermind Tony Kakko in ihren Anfangsjahren ("Ecliptica", "Silence") noch perfekt die melodische, Doublebass gesteuerte und mit unglaublich eingängigen Hooklines vertraute Zielgruppe abdeckten, bemerkte man ab dem 2003er Output "Winterheart's Guild" schon eine marginale Tendenz zu dem Fakt, dass sich SONATA ARCTICA nicht ausschließlich mit der Produktion von reinen Highspeed-Granaten zufrieden geben würden. Während "Reckoning Night" eine superbe Symbiose aus den Ur-Trademarks und neueren, symphonisch-progressiven Elementen war, fühlten sich mit "Unia" viele Fans vor den Kopf gestoßen. Ungerechterweise, wie ich finde, da diese überaus komplex strukturierte Platte aus dem Jahr 2007 einige Highlights zu bieten hatte, die sich einem - wie eben auf den ersten Platten - nicht auf Anhieb erschlossen, sondern ganz im Gegenteil eine lange Weile brauchten, um ihre Qualitäten zu entfalten. Mit "The Days Of Grays" führten SONATA ARCTICA dann ihren eingeschlagenen Stilkurs weiterhin fort, schafften es aber erneut, einfacher zugängliche Songstrukturen zu schreiben, sodass der 2009er Output zwar sehr atmosphärisch, düster angehaucht und progressiv gestaltet , im Großen und Ganzen aber eingängiger war als noch "Unia".

Und jetzt? Jetzt stehen wir da und halten nach knapp zweieinhalb Jahren Album #7 aus dem Hause SONATA ARCTICA in den Händen, das auf den klingenden Namen "Stones Grow Her Name" hört. Die Spannung vor dem ersten Durchgang ist groß und umso größer auch meine Überraschung nach dem erstmaligen Fade Out. Das ist gar nicht so sperrig als erwartet. Da bleiben gleich einige Melodiebögen in den Gehörgängen kleben. Da beweist ein gewiefter Tony Kakko ein gereiftes Händchen für funktionierende Songs. Für mich als riesiger SONATA ARCTICA-Fan (sowohl der anfänglichen, reinen Power Metal-Alben als auch der beiden letzten komplex-progressiven Veröffentlichungen) ist es schön zu sehen bzw. zu hören, dass die Band einen herrlichen stilistischen Spagat gemacht hat, ohne dabei in die Knie zu gehen. "Stones Grow Her Name" konzentriert sich nämlich - im Gegensatz zu "Unia" und "The Days Of Grays" - wieder vermehrt auf atmosphärische, eingängige Nummern, was schon beim perfekten Einsteiger "Only The Broken Hearts (Make You Beautiful)" zelebriert wird. Ein Keyboard/Gitarren-Intro, das in eine mitreißende Melodie führt und in einen Refrain führt, den man sofort mitsingen will. Ebenso verhält es sich bei "Shitload 'O Money". Ein textlich witziger Titel, der mit einfachem Rhythmus und hymnischem Chorus ausgestattet, sofort zu gefallen weiß. Das ruhig beginnende "Losing My Insanity", das sich im Laufe der Zeit zu einem unglaublich treibenden Rocker entwickelt und die ersten leicht progressiven Anleihen in "Somewhere Close To You" überzeugen genauso wie die fast schon poppig, aber lyrisch intellektuell geratene Vorab-Single "I Have A Right".

"Alone In Heaven" könnte in dieser Machart absolut auch auf "Reckoning Night" stehen und bietet eine wunderschöne, mitreißende Hookline. Mit "The Day" lassen SONATA ARCTICA dann wieder Reminiszenzen zu "Unia"-Zeiten aufleben und arbeiten mit Rhythmuswechseln und einer ausgefallenen Songstruktur. Im Gegensatz dazu ist "Cinderblox" ein ganz eigenwilliger Titel, der mit Country-Elementen startet und der die gesamte Spielzeit über Wilder Westen-Ambiente verbreitet. Eingängigkeit und Innovation aber ständig inklusive. Mit "Don't Be Mean" liefern Kakko und Co dann die obligate Albumballade ab, die zwar alles in allem gelungen ist, gegen Referenzballaden wie "Shamandalie", "Tallulah" usw. aber nicht ganz ankommt.

Ein Comeback zu alten Zeiten also? Na ja, irgendwie schon, irgendwie nicht, denn mit den abschließenden "Wildfire Part II + III" packen SONATA ARCTICA ein knapp 16-minütiges Doppel-Epos aus, das mit hervorragenden Tempiwechseln, stilistisch komplexen Übergängen, progressiven Melodien, schönen Riffs und gleichzeitig schwierigen sowie eingängigen Aufbauten überzeugen kann. Für Anhänger von "Unia" und "The Days Of Grays" ein Festmahl, Fans der ersten Alben sollten sich da wohl eher an die anfänglichen Songs des neuen Albums halten. Was bleibt an dieser Stelle ansonsten noch zu sagen? Eigentlich nicht viel, außer, dass mich "Stones Grow Her Name" unglaublich überrascht hat. Und das auf positive Art. Der extreme "Stilbruch", den SONATA ARCTICA zwischen "Reckoning Night" und "Unia" begangen haben, wird hier auf eine kompromissvolle Weise umgesetzt. Das ist das Album, das die Band damals hätte veröffentlichen sollen, um den Übergang zu den "neuen" SONATA ARCTICA einfacher zu ebnen... Ein Rückschritt also? Keinesfalls, denn "Stones Grow Her Name" deckt die gesamte musikalische Palette ab, die diese Band zu bieten hat. Schnell, eingängig, einfach, kompliziert, riff-orientiert, balladesk, progressiv, komplex, treibend und einfach nur geil. Ich mag dieses Album einfach - danke dafür!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: mat (09.05.2012)

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