Watain - Opus Diaboli

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VÖ: 04.05.2012
Bandinfo: WATAIN
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: His Master's Noise
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Die schwedischen Obersatanisten WATAIN halten schon seit vielen Jahren die Fahne des wahren satanischen, aus allen Poren mit Misanthropie unterlegten Black Metal hoch und sind damit genau die Band, die NECROPHOBIC nie war und sein wird – die legitimen Nachfolger der unsterblichen Götter des Black/Death Metal, DISSECTION. Zum 13-jährigen Bandjubiläum (13 ist die Zahl des Todes - Anm.) wollten Frontmann Erik Danielsson und Co. ihr bisheriges Masterpiece publizieren – die DVD „Opus Diaboli“. Da das gute Stück nicht etwa 2011 erschien, sondern erst einen Frühling später in Umlauf gebracht wird, kann man zwar von Zeit- keinesfalls aber von Themenverfehlung sprechen.

Danielsson muss uneingeschränkt geglaubt werden, dass das ambitionierte Projekt im Laufe der Entwicklung zum absoluten Liebkind WATAINs geformt ist und daher noch in akribischer Detailverliebtheit bis zur gefühlten Perfektion nachjustiert wurde. Grundgerüst des audiovisuell-diabolischen Stelldicheins der oberkultigen Schweden ist ein mit einer Vielzahl von Kameras perfekt eingefangenes Livekonzert in der (Heimat)Hauptstadt Stockholm, das im letzten Jahr stattgefunden hat. Die opulente Bühne in blutrotes Licht getaucht, mit brennenden Dreizacken und allerlei morbid-atmosphärischen Kerzen ausgestattet, überzeugen die Skandinavier mit einem wahrlich gruseligen Set, das auch vom begeisterten Publikum mit frenetischem Jubel belohnt wird. Danielsson erinnert mit seiner Mimik und Gestik zuweilen an die selbstzerstörerische MAYHEM-Legende Dead.

Wirklich interessant ist aber der zweite Teil der DVD, der das Phänomen WATAIN interessant umgesetzt in der Tiefe beleuchtet. Teilweise wie ein Film aufgebaut, führt eine Flüsterstimme samt satanisch zitierten Geschichten durch das Programm und wird durch perfekt dazu passende Bilder an Klippen, Küsten oder in Katakomben visuell verstärkt. Die einzelnen Geschichten werden zwischen den insgesamt acht Songs des Stockholmer-Livesets eingebaut und vermitteln damit ein bislang eher selten gekanntes Komplettpackage-Feeling. Bandkopf Danielsson kommt in den zwischengeschnittenen Interviews dabei ausführlich zu Wort und bestätigt den Ruf der Band, die vielleicht letzte wirklich dem Deibel treu ergebene Truppe zu sein mit wohldurchdachten und intelligenten Statements über Herkunft und Bedeutung des Bandnamens, die Rastlosigkeit und den Ausdruckszwang der Band oder die Unverständnis darüber, dass sich der Großteil der Fans nicht in der Intensität mit den lyrischen Themen WATAINs befassen, die der smarte Sänger in sein Lebensprojekt steckt.

Neben der glanzvollen Umsetzung werden selbst Hardcore-Maniacs auf diesem bildgewaltigen Stück Black Metal Musikgeschichte noch so manch unbekanntes Material vorfinden, denn WATAIN haben sich wahnsinnig viel Mühe gegeben und in den alten Archiven gestöbert. So gibt es zahlreiches Video- und Fotomaterial von den Anfangstagen, auf Tour oder auch einfach nur mal backstage zu bestaunen. Absolut genial ist aber, dass man bei konzentrierter Betrachtung der DVD tatsächlich einen Einblick in die intensive, völlig der Musik und der spirituellen Einstellung verschriebene Welt WATAINs blicken kann. Diverse Spezialeditionen bieten dem Fan auch 16 bis 64 Seiten starke Fotobücher mit unveröffentlichtem Material. WATAIN-Gegner werden weiterhin ignorant die Nase rümpfen, Anhänger und Fans sich in ihrer Ergebenheit den Schweden gegenüber bestätigt fühlen. Objektiver Fakt ist aber, dass „Opus Diaboli“ eine sehr gelungene Retrospektive über eine auf allen Linien polarisierende und erfolgreiche Metal-Band aus Schweden geworden ist. 90 Minuten können manchmal mehr sein, als übertrieben aufgefettete Vier-Stunden-Pakete – hier spürt, hört und sieht man das Herzblut des teuflischen Dreigestirns zu jeder Sekunde. Keep Holding The Black Flame!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (27.04.2012)

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