Wig Wam - Wall Street

Artikel-Bild
VÖ: 18.05.2012
Bandinfo: Wig Wam
Genre: Sleaze Rock
Label: Frontiers Records
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Die norwegischen Glam-Rock-Adults WIG WAM leben zwar immer noch von ihrer medienwirksamen Song Contest-Teilnahme aus dem Jahre 2005, scheißen seither aber trotzdem in regelmäßigen Alben neue Glitzer-Rillen in den Orbit. Das ist bislang meist besser gelungen, als es Verkaufszahlen und Rezipienten vermuten lassen, doch mit „Wall Street“ gehen mir die schwer geschminkten Vogelscheuchen erstmals ziemlich auf die Eier. Fehltritt eins: Das Cover-Artwork. Ganz so grauenerregend wie das Klampfomobil auf dem Vorgänger „Non Stop Rock And Roll“ sind die grauenvollst gephotoshopten Dollarscheinchen zwar nicht, doch mehr Qualität und Kreativität würde im 21. Jahrhundert wohl nicht schaden. Fehltritt zwei: Das Albumkonzept. Wenn vier alternde 80er-Jahre-Fetischisten in einem der vermögendsten Wohlfahrtsstaaten auf Gottes Erdenrund gegen Kapitalismus und Gier wettern, dann fehlt es mir an Glaubwürdigkeit und Seriosität.

Angesprochene Kreativität fehlt bei WIG WAM auf dem fünften Output leider auch auf der musikalischen Seite. Bislang haben die Skandinavier immer gerne, aber auch gut kopiert – auf „Wall Street“ verkommt das Entwenden schon fast zu einer ermüdenden Farce. „OMG! (Wish I Had A Gun)“ ist MÖTLEY CRÜE ohne Feuer, das ungemein einfach gestrickte “The Bigger The Better“ klingt nach müden AEROSMITH und mit dem rockigen „Natural High“ begeben sich die Jungs sogar in die Gefilde der Teutonen-Chartbreaker BOSSHOSS. Dass das Teil jetzt aber trotzdem nicht verrissen wird, verdanken WIG WAM ihren partiellen Erleuchtungsmomenten, denn so mancher Track wirkt doch ziemlich gut.

Der Titeltrack „Wall Street“ ist ungemein sleazy und catchy geraten, „Wrong Can Feel So Right“ hat hervorragenden Ohrwurmcharakter und erinnert vor allem im Refrain an die BACKYARD BABIES oder HARDCORE SUPERSTAR, „Try My Body On“ kommt als moderne Kreuzung aus AEROSMITH und VAN HALEN ebenfalls knackig um die Ecke. Ganz rausreißen können die wenigen Lichtblicke das Gesamtmaterial aber nicht, denn vor allem beim unfassbar käsigen „Tides Will Turn“ kommt mir das soeben Verspeiste wieder in Schallgeschwindigkeit hoch. Eigentlich haben WIG WAM gar nicht viel anders gemacht als auf den Vorgängeralben – nur eben um Welten schlechter. Wer kein Die-Hard-Fan oder Glam-Alleskäufer ist, sollte also lieber die Finger von dem Teil lassen. Da hat der Underground derzeit zig bessere Platten aufzubieten.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (15.05.2012)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE