HORSEBACK - Half Blood

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VÖ: 25.05.2012
Bandinfo: HORSEBACK
Genre: Psychedelic Rock
Label: Relapse Records
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Lineup  |  Trackliste

In der Musikwelt gibt es immer wieder krude, eigenartige und ungemein ideenreiche Gestalten, deren Kreativität im Direktvergleich zu ganzen Bandgruppierungen oft um ein Vielfaches übersteigt. Einer dieser besonders hellen und gleichzeitig auch wirren Köpfe ist Jenks Miller aus North Carolina, der mit seinem stilistisch vielschichtigen Projekt HORSEBACK schon so einiges an die Oberfläche gebracht hat, zuletzt mit „The Invisible Mountain“ ein grandios-ruhiges Album. Nach einigen Split-Veröffentlichungen erscheint mit „Half Blood“ nun das insgesamt dritte Studioalbum des übermotivierten Kreativlings.

Wer Miller und seine Kumpanen John Crouch (dr) und Scott Endres (git) kennt weiß, dass die Bezeichnung „Easy-Listening-Musik“ in etwa genauso gut zu HORSEBACK passt, wie „Traditionsverein“ zum österreichischen Fußball-Kommerzmeister Red Bull Salzburg. Langsam und bedächtig schlängeln sich Ambient- bzw. Drone-Perlen wie „Ahriman“ oder das paralysierende „Inheritance (The Changeling)“ durch die Gehörgänge und hinterlassen dabei ein fragwürdiges, aber niemals angstmachendes Gefühl der Unsicherheit. Samples werden über gespenstische Gitarren geschichtet, dissonantes Black Metal-Gekeife schlägt sich mit (Funeral)Doomigen Versatzstücken. „Arjuna“ etwa zeigt, dass sich bei HORSEBACK keinesfalls die Katze in den Schwanz beißt, sondern trotz aller Unterschiedlichkeiten jede Komposition im Endeffekt zu sich selbst zurückfindet.

Gerade die Mischung aus Aggressivität und völliger Ruhe wirkt auf „Half Blood“ oftmals sehr verstörend. Essenziell für das Hörvergnügen ist viel Zeit und Geduld, empfohlen seien auch bewusstseinserweiternde Rauschmittel am Rande der Legalität – wohl nur so kann man als Hörer komplett in den abstrakten Klangkosmos von Mister Miller eintauchen. Nennt es Drone, nennt es Post-Noise, nennt es Funeral-Ambient oder nennt es meinetwegen auch Steven-Wilson-auf-LSD-Mucke – entscheidend ist, dass sich die toleranteren Geister unter euch die nötige Zeit nehmen, um sich mit „Half Blood“ auch wirklich umfassend auseinanderzusetzen. Als logische Fortführung der Vorgängerwerke, überzeugen HORSEBACK auch hier erst wieder nach dem x-ten Hör, dann aber umso stärker. Der perfekte Soundtrack für fantasiebildende Künstler, spätpubertäre Gelegenheitsraucher und den Mate-Tee-Trinker von nebenan.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (22.05.2012)

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