Sabaton - Carolus Rex

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VÖ: 25.05.2012
Bandinfo: SABATON
Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Sie sind schon ein Phänomen, die Jungs von SABATON: Bereits seit 1999 tingelt man nun schon durch die Lande, dabei hat sich der Erfolg bei den Schweden erst relativ spät eingestellt - 2005 veröffentlicht man "Primo Victoria", das wohl als Durchbruchs-Album der Band gewertet werden kann, und als man dann nach dem im Folgejahr veröffentlichten "Attero Dominatus" schließlich 2008 "The Art Of War" nachschießt, scheint nichts und niemand das schwedische Panzerbattalion mehr aufhalten zu können; von da an geht es nur noch steil bergauf für die sympathischen Jungs aus Falun.

Doch die Zeit hinterlässt Spuren, und auch SABATON sind trotz ihres gewaltigen Erfolgs nicht vor Kritik gefeit. So zeigten sich beim 2010er-Album "Coat Of Arms" erste Abnützungserscheinungen im musikalischen Kleid der Schweden, zumal der selbstgewählte Stil relativ wenig Raum für Experimente lässt. Und schließlich kam es Anfang 2012 auch noch zu einer großen personellen Umstrukturierung innerhalb der Band: Die langjährigen Gitarristen Rikard Sundén, Oskar Montelius sowie Drummer Daniel Mulback und Keyboarder Daniel Myhr verließen die Band, und nur Sänger Joakim Brodén und Bassist Pär Sundström verblieben vom ursprünglichen Lineup.

Unterkriegen lassen sich die schwedischen Kämpfernaturen aber von alldem freilich nicht, und so liegt nun das siebte Studioalbum "Carolus Rex" - übrigens sowohl in englischer als auch schwedischer Ausgabe - vor, das sich vornehmlich mit der Zeit und Geschichte Karls XII. von Schweden und des Dreißigjährigen Kriegs beschäftigt, und so wieder näher an eine konzeptionelle Ausrichtung wie schon auf "The Art Of War" heranrückt. Soweit, so gut. Doch wie schlägt sich das neue Songmaterial, vor allem im Angesicht der bei SABATON stets enorm präsenten Gefahr, zur Selbstkopie zu werden?

Nun, ihrem unverkennbaren Stil bleiben SABATON natürlich auch auf "Carolus Rex" treu, und das müssen sie sogar - der geneigte Fan erwartet schlicht und ergreifend von SABATON einen bestimmten Sound, und den bekommt er auch auf dem neuen Album wieder geboten. Stampfende Beats, Power Metal mit RAMMSTEIN-Schlagseite, eine Prise Selbstironie und viele, viele dicke Chöre. Im Norden also nichts Neues.

Dabei beginnen die Jungs wieder mit einem kurzen Instrumentalintro, ehe man mit "The Lion From The North" gleich in die Vollen geht, einem schnellen Opener, der ähnliche Zwecke verfolgt wie schon der Eröffnungs- und Titeltrack des Vorgängeralbums "Coat Of Arms". Ein für SABATON sehr typischer Song, es dominieren auch hier die bewusst käsigen Keyboards sowie kurze "Oh"- und "Ah"-Chöre in dem Song, der sich mit Schwedenkönig Gustav Adolf beschäftigt, ebenso wie das folgende "Gott Mit Uns", das die Schlacht von Breitenfald während des Dreißigjährigen Krieges zum Thema hat. Bereits dieser Song lässt aber aufhorchen, verweben doch SABATON darin einige Folk-Elemente in ihren Sound, die dem Track eine eigene Note verpassen und in dieser Ausprägung bei SABATON noch nicht zu hören waren. Es werden doch die Schweden am Ende nicht doch noch experimentierfreudig werden?

Dieser erste positive Eindruck wird jedoch auch gleich mit dem folgenden "A Lifetime Of War" bestätigt - denn hier packen SABATON erstmals so etwas wie eine Ballade(!) aus, und die ist dazu auch noch richtig gut gelungen. Im getragenen Mid-Tempo-Bereich gehalten, sticht hier vor allem der deutlich von SAVATAGE inspirierte, breite Chorus hervor. Für mich persönlich der stärkste Song des Albums, nicht zuletzt weil er SABATON einmal von einer etwas anderen Seite zeigt und beweist, dass auch im musikalischen Korsett der Schweden doch noch Raum für Kreativität und Originalität ist - Qualitäten, die ich bei den jüngsten Outputs der Band etwas vermisst habe.

In eine ähnliche Kerbe schlägt etwas später dann "The Carolean's Prayer", und auch wenn man hier schon eher von einer "typischen" SABATON-Nummer sprechen kann, hebt sich der Song dennoch angenehm erfrischend aus dem Gros des SABATON'schen Backkatalogs heraus.

Der bereits bekannte Titeltrack "Carolus Rex" erinnert dagegen wieder eher an eine mittelprächtig konzipierte Kopie von "The Art Of War", und auch Nummern wie "Killing Ground", "Poltava", "1648" und "Ruina Imperii" präsentieren sich großteils als Stangenware, die letztlich das Album nur knapp über ein gutes Mittelmaß hinauskommen lassen, und so für mich "The Art Of War" als Referenzwerk der Schweden unübertroffen bleibt. Der Bonustrack, eine Coverversion von "In The Army Now" (perfekte Wahl, übrigens!), lag für diese Rezension leider nicht vor.

Schließlich bleibt zu sagen, dass SABATON natürlich ganz genau wissen, was ihre Fans hören wollen, und das kann ihnen niemand übel nehmen - zumal ihnen auch der Efolg absolut recht gibt. Rein musikalisch muss man aber sagen, dass natürlich viele der Rhythmen, Strukturen, Chöre und Lyrics auf "Carolus Rex" erneut das Stigma des "Schon-zweimal-gehört-Feelings" zu tragen haben. Fans der Band werden natürlich auch von "Carolus Rex" keineswegs enttäuscht, und auch das neue Album bietet wieder genug Material, das sicherlich in der Livesituation bombastisch funktionieren wird. Klar ist, dass man von SABATON keine großartigen Stiländerungen zu erwarten braucht, umso positiver fielen mir daher jene musikalischen Ausflüge auf, die man dennoch wagt - und für diesen Mut gibt's Extrapunkte von mir. Ansonsten gibt's aber auch auf diesem Album hauptsächlich "mehr vom Selben"; wenn dieses "Selbe" aber so gut funktioniert wie bei SABATON, kann man SABATON auch Trendreiterei nicht wirklich vorwerfen: denn der Trend sind derzeit SABATON.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (25.05.2012)

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