AWOLNATION - Megalithic Symphony

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VÖ: 01.06.2012
Bandinfo: AWOLNATION
Genre: (stilübergreifend)
Label: EMI Music
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Lineup  |  Trackliste

Manchmal kommt man erst später drauf, wie hart es sein kann, in Europa zu leben. Bevor sich die Desinteressierten unter euch nachher maßlos aufregen, gleich zu Beginn diese wichtige Info: die Kalifornier AWOLNATION sind prinzipiell nicht Stormbringer-kompatibel. Wer jetzt noch dran ist, der sollte hier Augen und später Ohren aufsperren, denn das taufrische Quintett (gegründet 2010), das in seiner Heimat unter Red Bull Records (also haben wir hier sogar einen Österreichbezug) unter Vertrag steht, kann das Debütalbum „Megalithic Symphony“ nach fast eineinhalb Jahren Wartezeit auch endlich in deutschsprachigen Gefilden vertreiben.

Aufmerksame Radiohörer und aufgeschlossene Alternative-Liebhaber werden um die beiden Hitsingles „Sail“ und „Not Your Fault“ nicht herumgekommen sein. Der teilweise zuckersüße, aus einer Mischung aus 80er Jahre Pop-Synths und neuzeitlichen Electro-Beats zusammengestoppelte Ohrwurm ist nicht nur durch die kongeniale Instrumentierung eine Art „Ballade des 21. Jahrhunderts“, sondern lebt vor allem von der ausdrucksstarken, tiefen Herzschmerz ausstrahlenden Stimme des Bandchefs und Sängers Aaron Bruno. „Not Your Fault“ hingegen versprüht die pure Lebenslust, lässt den verregneten Frühling in sonnigem Glanz erstrahlen und trumpft mit einer Mischung aus unwiderstehlichen Beats und einem alles durchbrechenden, übereingängigen Refrain auf. „Großartiger Indie-Pop“, ertappe ich mich selbst beim Sinnieren über die Ausrichtung, während ich verzweifelt und erfolglos versuche, die Repeat-Taste zu ignorieren.

Doch AWOLNATION haben weit mehr zu bieten und sind in ihrer musikalischen Richtung eigentlich unfassbar. Hat man das austauschbare Doppel-Intro überstanden, bläst einem das zugleich technoide, rockige und poppige „Soul Wars“ sämtliche Synapsen aus dem Körper. „People“ windet sich dann wieder so knietief im 80er Jahre Synthie-Pop, das man ob der hochqualitativen Catchyness des Songs nicht weiß, wie man sich denn jetzt verhalten soll. Bei den Songs von AWOLNATION stellen sich automatisch Glücksgefühle und Zufriedenheit ein – es ist, als ob das bloße Hören von Songs wie dem hektischen „Burn It Down“ oder dem vertrackten, trip-hoppigen „Kill Your Heroes“ die Sonne durch eine regnerisch-dichte Wolkendecke brechen lässt.

AWOLNATION lassen sich auf ihrem Debütalbum 14 Songs und knapp eine Stunde Zeit, um sich im großen Rahmen vorzustellen, schaffen das unglaubliche Kunststück, keine einzige Sekunde (!!) fad zu klingen. Obwohl Bruno und Konsorten natürlich geschickt aus den letzten 25 bis 30 Jahren Pophistorie zitieren und klauen, mischen sie die verschiedenen Parts so sensationell gut, dass man einfach nicht mehr aufhören kann, sich dieses Teil durch die Ohren zu ziehen. Und wenn man sich dann am Ende dieses Akustik-Erlebnisses erstmals in die Sessellehne schmeißt, kurz das soeben Erfasste mit ungläubigem Staunen reflektiert und sich ein bisschen von diesem Ereignis ausruhen möchte, dann kommt noch das viertelstündige „Knights Of Shame“ und schreit dir in voller Lautstärke „ich bin der beste Song dieses Jahrtausends“ in die Ohren. Wo andere Bands fünf oder sechs Lieder brauchen mischen AWOLNATION Indie Rock, Synthie Pop, Hip Hop, Trip Hop, Alternative, Electro, Funk und entspannten Gitarrenrock in einen überlangen, in jeder Millisekunde genialen Song.

Wie gesagt – nicht wirklich Stormbringer-kompatibel, aber für mich definitiv jetzt schon das Album des Jahres und zudem –gilt wieder für mich! - das erste seit DISSECTIONs „Storm Of The Light‘s Bane“ (1995), auf dem ausnahmslos JEDER Song Weltklasse ist. Wenn man das rational gesehen auch nie und nimmer vergleichen kann. Lean Back And Get Thrilled!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (30.05.2012)

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