DEATHSPELL OMEGA - Drought

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VÖ: 22.06.2012
Bandinfo: DEATHSPELL OMEGA
Genre: Ambient Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Es ist ja doch schön zu beobachten, dass es selbst in einem transparenten Musikgebiet wie dem Metal noch immer Künstler und Bands gibt, die nicht einmal die leiseste Andeutung machen, ihre mystische Aura aufzugeben. Vor vielen Jahren war das nur skandinavischen Waldschraten vorbehalten, deren musikalische Erzeugnisse meist mehr nach Mikrowelle oder Waschmaschinen klangen, als nach vertonter Independent-Kunst. Das französische Dreigestirn DEATHSPELL OMEGA hingegen ist schon seit 14 langen Jahren im Geschäft, ohne auch nur ein Mindestmaß an Information weiterzugeben. Zumindest Homepage und MySpace-Seite sind (inaktiv) zu finden, Interviews werden maximal per E-Mail beantwortet, Live-Auftritte gelten als Sakrileg.

„Drought“ ist eine weitere, die insgesamt bereits fünfte, EP der Westeuropäer, die bekannt sind für ihre inflationäre, aber qualitativ doch stets hochwertige Veröffentlichungspolitik. Und wer DEATHSPELL OMEGA kennt, der weiß dass man hier als Hörer alles andere als leichte Kost vorgesetzt bekommt. So wirkt das einleitende „Salowe Vision“ mit seiner Doom/Ambient-Ausrichtung fast schon erschreckend ruhig und gesetzt. Doch es ist nur die Ruhe vor dem Sturm, denn auf „Fiery Serpents“ leben die Franzosen ihre Liebe zu chaotischen Soundstrukturen wieder unmissverständlich aus. Ähnlich wie schon auf der 2010er Full-Length „Paracletus“ zocken DEATHSPELL OMEGA ihre Songs nicht mehr in Überlänge, sondern konzentrieren sich auf krude, aber kompakte Soundkaskaden. Einmal mehr abseits der Norm gehalten, denn obwohl DEATHSPELL OMEGA prinzipiell im Black Metal zu verorten sind, klingen sie eher wie eine Mischung aus WATAIN, DILLINGER ESCAPE PLAN und CONVERGE.

Trotz der wirren Ideenvielfalt verzettelt sich die Truppe aus Poitou-Charentes niemals ins Nirwana. Auch eine Lärmorgie wie das krachige „Scorpions & Drought“ hat bei Hörgenuss mit dem Kopfhörer noch genug kongruente Anhaltspunkte, um einen roten Faden in der Instrumentierung erkennen zu können. Das entspannend in die Mitte gestellte „Sand“ ist am Ende nur die kurze Überleitung zum akustischen Orkan, der sich in Form von „Abrasive Swirling Murk“ und dem atmosphärischen EP-Highlight „The Crackled Book Of Life“ durch die Gehörgänge schupft. Hoffentlich ist „Drought“ nur ein Appetizer auf ein bald erscheinendes neues Album, denn die unbekannten „Geister“ von DEATHSPELL OMEGA bleiben in ihrem Musiksegment locker auf dem Thron. Und in 21 Minuten mehr Ideen zu verpacken, als so manch plakative Skandinavien-Pandaband in 20 Jahren Bandkarriere, ist ja auch nicht die schlechteste Referenz.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (28.06.2012)

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