Krampus - Survival of the fittest

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VÖ: 24.08.2012
Bandinfo: Krampus
Genre: Folk Metal
Label: Noiseart Records
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Lineup  |  Trackliste

Folk-Metal aus Italien – Knecht Ruprecht geht um!

FolkMetal aus Udine, geht das? Und wie! KRAMPUS legen mit ihrem Erstling „Survival Of The Fittest“ ein Album auf, welches sich nicht verstecken muss.
Merlin Sutter, Drummer von Eluveitie, meint dazu: „Das sind die besten Folk Metal Newcomer mit einem höllisch starken Album! Melodisch, eingängig, heftig, abwechslungsreich!“
Allerdings; ein wenig müsste man noch hinzufügen „Eluveitie sehr ähnlich!“ Okay, die Langobarden brauchten bei der germanischen Völkerwanderung auch eine Weile, bis sie von nördlich der Alpen rund ums Mittelmeer herum schliesslich in Italien landeten – auch in die Provinz Udine.

Udine ist die Homebase der sieben italienischen Metaller und ihrer Violinistin. Auch die Anzahl der Musiker lässt eine gewisse Ähnlichkeit mit den Helvetiern aus Winterthur nicht verleugnen. So viele Musiker können natürlich eine enorme Menge an Instrumenten spielen. Und das sind dann neben der klassischen Gitarren – Bass – Drums – Kombination etwa Dudelsack, Flöten oder die Irish Bouzouki. Und nicht zu vergessen – die Violine. Das mit der Ähnlichkeit lasse ich jetzt aber.

Vielleicht das noch; schlecht muss so eine Ähnlichkeit ja nicht sein. Eines nämlich sind KRAMPUS nicht; eine Kopie. Die jungen Norditaliener spielen geraden, modernen und ehrlichen Folk Metal. Sie machen das abwechslungsreich und druckvoll, musikalisch auf hohem Niveau und – so wirkt es zumindest – mit viel Spass. Dabei fällt auf, dass sowohl gescreamt als auch klar gesungen wird – und beides von Sänger Filippo.

Mittlerweile sind KRAMPUS in Udine und rund um ihre Heimatstadt herum bestens bekannt, sie füllen die Clubs und Konzertsäle. Diesen Herbst werden KRAMPUS auf der Heidenfesttour weite Teile Europas rocken, zusammen mit KORPIKLAANI, WINTERSUN, VARG oder TROLLFEST. Gelingt es Ihnen, die musikalische Qualität des Albums auf die Live-Bühne zu transportieren, werden einige lohnenswerte Konzerte herauskommen.

Welche Botschaft transportieren die Udinesi? Lassen wir sie selber zu Wort kommen:
„Die Menschheit hat das „Teil des Ganzen zu sein“, völlig aus dem Blick verloren. Überall kämpfen, quälen, ringen wir ums Überleben in einer Welt mit korrumpierten Regeln. Wir schlingen jede Information in einem hektischen Vorbeirennen ins Nirgendwo mit fehlendem Respekt für das, was wir auf dem Weg zur Erfüllung unserer opulenten Wünsche und Träume zertrampeln, hastig hinunter. „Wir versuchen, die Augen der Menschheit für die Torheit unseres Lebensstils zu öffnen. Die Zeit ist gekommen, aufzuwachen, und die Ketten dieses Egoismus´ zu sprengen und wieder zu einem Gleichgewicht zwischen unseren Bedürfnissen und den Gütern der Erde zu finden.“

Und das Album? Das beginnt mit einem orchestralen Oeuvre, das könnte auch unter einen Film gelegt werden. Anschliessend wird übergangslos gegrowlt, Whistles und Pipes sorgen für das Folk-Flair. Harter Drumbeat, straighte Bassline und abwechslungsreiche Komposition, virtuos variieren die einzelnen Instrumente bei „Unspoken“, selbst beim Gesang wechselt Sänger Filippo fast übergangslos zwischen Scream und Klargesang.

Es ist wirklich moderner Folkmetal, teilweise klingen die mehrstimmigen Gesangspassagen von „Rebirth“ schon fast pop-rockig. „Aftermath“ ist aus meiner Sicht die folkigste Nummer und gleichzeitig auch die typischste Metalnummer mit Double-Bass-Stakkato und enormem Vorwärtsdrang. „The Bride“ beginnt synthesizermässig, ist rhythmisch anspruchsvoll; Klavierpassagen werden ebenso eingestreut wie Ansätze von Gitarrensoli, der Gesang ist ausgesprochen melodisch.

„Redemption“ katapultiert mich stimmungsmässig in die schottischen Highlands, „The Dance Of Lies“ ebnet den Weg in den Pub. Dieser Song, um das doch noch einmal aufzugreifen, hat für mich den stärksten „Eluveitie-Touch“, von den Clearvocals einmal abgesehen. „Kronos Heritage“, die Radio- und Club-Singleedition fängt spannend an, bleibt im weiteren Verlauf aber eher unauffällig. Bei „Shadows Of Our Time“ spielen KRAMPUS unbeschwert und lustvoll auf, zeigen Lebensfreude und klingen so, wie ich mir die Musik an den Feuern des Beltane-Festes vorstelle – geil!

„Tears Of Stone“ beschliesst ein ausgesprochen gelungenes Album. KRAMPUS sind ein Versprechen an die Zukunft, die Band zeigt ein unheimliches Potenzial. Der Diamant ist noch etwas roh, es müssen noch Ecken und Kanten geschliffen werden. Ich gehe aber davon aus, dass die jungen Italiener im Stahlbad der Heidenfest-Tour Erfahrungen sammeln, welche ihre weiteren Alben bereichern werden. Da ist noch viel drin, obwohl KRAMPUS auf sehr hohem Niveau eingestiegen sind. „Survival Of The Fittest“ ist – mit Ausnahme der neuen MANOWAR – das beste Album, das ich in den letzten Monaten gehört habe, und ich freue mich darauf, das Oktett im Oktober in der Schweiz live zu sehen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Danny Frischknecht (15.08.2012)

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