Vinegar Hill - The Road To Grace

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VÖ: 15.06.2012
Bandinfo: VINEGAR HILL
Genre: Melodic Death Metal
Label: office4music.com
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Lineup  |  Trackliste

Die großen Zeiten des Melodic Death Metal sind ja schon längst vorbei. Würden Mikael Stanne und seine unermüdlichen DARK TRANQUILLITY nicht die Fahne einsam hoch halten, gäbe es keine einzige skandinavische Traditionsband mehr, die sich über viele Jahre an den melodiösen Ur-Vorgänger des europäischen Metalcore-Sounds halten würde. Dem Genre treu ergeben sind dafür noch die erfahrenen Leobner VINEGAR HILL, die sich ganze drei lange Jahre Zeit gelassen haben, bis sie ihrer durchaus bekömmlichen Einstands-EP „From Deathbeds We’ll Rise“ endlich den fälligen Longplayer nachschieben.

Was mir an den engagierten jungen Steirern auch nach mehrmaligem Durchlauf wirklich sauer aufstößt, ist die – und das muss jetzt einfach gesagt werden – langweilige und bremsende Ausrichtung der einzelnen Kompositionen. Klar, zum superfrickeligen Highspeed-Griffbrett-Mucker wird man nicht über Nacht, die fast permanente Mid-Tempo-Ausrichtung mit den ewig gleichen Melodiefolgen motiviert den Hörer jetzt aber nicht wirklich zu ekstatischen Luftsprüngen und Liebesbekundungen. Dazu ist eine Spielzeit von 60 Minuten einfach viel zu viel, denn wenn’s schon nicht wirklich spannend ist, dann muss man das ja nicht zwingend wie Käse hinausziehen. Am fehlenden Bemühen liegt es jedenfalls nicht. Songs wie das rhythmische „Ardent Sun“, das flott nach vorne treibende „Servants Of Night“ oder der ansprechende und episch lange Abschlussbrecher „A Private Kind Of Love“ setzen sich durchaus wohlig in den Gehörgängen fest.

Ein absolutes No Go ist dafür der unsägliche Klargesang, den die VINEGAR HILL-Jungs noch immer nicht aus dem Konzept eliminiert haben und der sich leider Gottes quer durch das ganze Album zieht. Käsig, nervtötend und vor allem durch und durch unnötig – was findet ihr bloß daran? So werden interessante Instrumental-Eruptionen immer wieder durch das Gequieke gestört – Innovationsinteresse und Abheben vom Rest des Genres in allen Ehren, aber die Clean-Vocals nehmen den Jungs leider irrsinnig viel von Tempo und positivem Eindruck. Im Endeffekt ist „The Road To Grace“ ein sehr bemühtes Melodic Death Metal Album, das durchaus seine lichten Momente und Höhepunkte vorweisen kann, insgesamt aber einfach zu beliebig und vor allem lang ausgefallen ist. Für Freunde gediegen-unaufgeregter Metallkunst ist das Album vielleicht ein verstecktes Kleinod, für mich leider nur ein bemühtes Stück Musik, das wesentlich mehr liefern könnte, als es tut.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (17.07.2012)

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