NOISEBAZOOKA - Humped World

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VÖ: 20.04.2012
Bandinfo: NOISEBAZOOKA
Genre: Grind Core
Label: EveryDayHate Records
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Lineup  |  Trackliste

Obwohl Laien sowieso nur Lärm vernehmen, gibt es im weitumfassenden Grindcore-Segment die unterschiedlichsten Abordnungen und Subsparten. Seien es die hochgepitchten Pig-Squeals, abstrus tiefe Grunzattacken, oder das aggressive, dem Punk entlehnte „Wadlbeißen“ am Mikro. Allein stimmlich gibt es also bereits die unterschiedlichsten Facetten, die schlussendlich auch zur Grobkategorisierung der zahlreichen Grind-Aficionados dienen. Das Wiener Zwei-Mann-Projekt NOISEBAZOOKA bildete sich vor sieben Jahren aus der Asche der Underground-Bomber MONOLITH und bedient seither vorwiegend Freunde der hässlichen, ungepflegten und durch und durch dreckigen Dissonanz.

„Humped World“ ist der zweite Longplayer der Bundeshauptstädter, lässt man das zehnminütige, angenehm loungige Outro außer Acht, haben die Jungs 31 Gewalteruptionen in 34 knochenharte Minuten gepresst. Feingeister und Earl-Grey-Tee-Trinker sollten also lieber ihre MY DYING BRIDE-Schnulzenplatten beweinen, denn von NOISEBAZOOKA gibt’s nicht nur derbe auf den Schädel, sondern so kompromisslos auf die Fresse, dass euch Nasen- und Jochbein gleichzeitig flöten gehen. Das alles kann man jetzt freilich extrem scheiße und nutzlos, aber auch bahnbrechend, Establishment-verstörend und kultig finden. Wie jetzt genau, liegt im Endeffekt einzig und allein an zwei Punkten. Einerseits an eurer akustischen Schmerzgrenze, andererseits an der bisherigen Grind-Erfahrung. Habt ihr bereits mehrfach zu AGORAPHOBIC NOSEBLEEDs selbstbetitelter Debütplatte gewixt (und nicht zu deren Sängerin Katherine Katz), ist euch NAPALM DEATHs „Scum“ mehr Wert als dem örtlichen Priester seine Bibel und findet ihr, dass das Underground-Lärmkollektiv MAGRUDERGRIND den fiktiven Berserker-Amadeus gewinnen sollte, dann seit ihr bei NOISEBAZOOKAs Drumcomputer-Knallereien richtig aufgehoben.

Braucht ihr aber groovige Parts à la ROMPEPROP oder TORSOFUCK und habt generell Probleme mit unkontrollierten Instrumental-Attacken, dann verzieht euch besser wieder in euren Kerzen-bescheinten Rotweinkeller, um in Selbstgesprächen Klugscheißersprüche von Oscar Wilde zu zitieren, während euch THEATRE OF TRAGEDY aus der Konserve jaulend ins Unterbewusstsein hirnficken. Ansichtssache also. Bei NOISEBAZOOKA wirkt halt alles bewusst künstlich (Drumcomputer), dünn (Sound) und unkontrolliert (die Musik an sich). Wer dafür nichts übrig hat, ist im Grindcore-Segment sowieso völlig falsch. Also Augen zu, Ohren auf und durch. Außerdem – selten hat ein Cover-Artwork die darauf befindliche Musik so gut wiedergegeben. Eat Blast Or Die... oder so.



Ohne Bewertung
Autor: Robert Fröwein (18.07.2012)

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