UNWRITTEN PAGES - Fringe Kitchen

Artikel-Bild
VÖ: 25.05.2012
Bandinfo: UNWRITTEN PAGES
Genre: Progressive Rock
Label: Turricane Media
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay | Webshop
Lineup  |  Trackliste

Erstaunlich gereift und gesundgeschrumpft präsentieren sich die niederländischen Prog-Brüder Michel und Fred Epe (ja, und auch Papa Lothar ist wieder dabei!) auf ihrem zweiten Album. Hat man bei "Noah Pt.1" noch Schützenhilfe von Damian Wilson und Karl Groom (THRESHOLD) bekommen, zieht man es mittlerweile vor, eigenständig zu komponieren und aufzunehmen. Und großartige Hilfe von außen brauchen UNWRITTEN PAGES ohnehin kaum noch. Sicher, die THRESHOLD- und ARENA-Andeutungen sind immer noch vorhanden, aber die zehn Tracks (plus Intro) sind mehr oder weniger bereits ihr eigener Kosmos. Mir fällt momentan auch keine Band ein, die annähernd ähnlich klänge.

"Fringe Kitchen" ist kein Konzeptalbum im engeren Sinne geworden, auch wenn man die Songs lose miteinander korrespondieren lassen kann, oder eben auch nicht. Der meist mehrschichtige Gesang passt großartig in die doch meistens recht anspruchsvollen Kompositionen, die Arrangements sind oft sogar ein bisschen jazzig angehaucht. Und man meint diesmal auch ein paar ALAN PARSONS-Vibes (etwa bei "Cloud Infinite") zu spüren, oder kann die L.A.-Progger REDEMPTION leicht durchschimmern sehen. Dem gegenüber stehen aber auch "harte" Songs wie "Terminal Defect" oder "Intoxicating Sweets" (mit ein wenig FATES WARNING-Touch), hier fährt man die volle emotionale Bandbreite aus, hier werden all jene vor Entzücken zur Schnappatmung übergehen, die den Prog-Metal ständig todschwafeln wollen.

Die Epe-Family hat hier ihren eigenen Weg und Stil gefunden, durch den übervölkerten Ozean der progressiven Kunst zu navigieren, ohne an die übermächtigen Dampfer von DREAM THEATER oder RIVERSIDE auch nur anzustupsen. Hier schlummert massiv kreatives Potential, das mit viel Liebe zum Detail und Herzblut ins Polycarbonat gelasert wird. Mit John Macaluso (MASTERLAST, CHRIS CAFFERY) sitzt der Combo noch dazu neuerdings ein kompetenter Schlagwerker im Rücken.

Das und die technisch recht hoch angesiedelten Arrangements sind als großer Unterschied zum Debüt zu werten - da hat die Chemie noch nicht so gepasst, so fein "Noah Pt.1" auch ist. Die Zeit wird zeigen, wo UNWRITTEN PAGES auf der Prog-Weltkarte ihre Boje setzen werden. Vor Anker gehen gibt's aber erst mal nicht. "Fringe Kitchen" ist ein reifes Teil, wenn auch noch nicht ganz das Meisterwerk. Das dürfen wir aber denke ich in naher Zukunft bald mal erwarten, also immer ruhig Blut!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (03.08.2012)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Nordic Union
ANZEIGE