Korpiklaani - Manala

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VÖ: 03.08.2012
Bandinfo: KORPIKLAANI
Genre: Folk Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Der Humppa-Folk-Hype, der seit Jahren vorwiegend nerdbebrillte, meist adipöse World Of Warcraft-Freaks mit Topf-Haarschnitt und von Mama ausgewählten Pullundern in die diversen Konzerthallen spült hat seine Hochzeiten zwar mittlerweile hinter sich, doch das Geschrei um die ELUVEITIEs und FINNTROLLs dieser Erde ist alles andere als verstummt. Das wissen die finnischen Waldschrate KORPIKLAANI besser als alle anderen, nicht umsonst stellt „Manala“ das achte Studioalbum in neun Jahren Bandgeschichte dar. Quantität ist bekanntlich aber nicht Qualität und so leidet eben diese auch beim Sextett aus Lahti schon seit vielen Jahren.

Zuerst sei gleich einmal das wichtigste gesagt: Wer sich große stilistische Veränderungen oder mutige Schritte nach vorne erhofft hat, kann sich bereits jetzt enttäuscht von dieser Kritik abwenden. KORPIKLAANI blättern lyrisch wieder im heimischen Nationalepos „Kalevala“, zitieren reihenweise Geschichten um junge Mägde, alte Schamanen und mystische Flüsse und bieten die gewohnt treibende Mischung aus galoppierenden Akkordeons, fröhlichen Sing-A-Longs und imaginären Folklore-Lagerfeuerspaßattacken. Das schmeckt der eingangs erwähnten Zielgruppe auch anno 2012 noch am besten, ernsthaftere Hörgeister werden aber auch hier ob der plakativen Vorgehensweise vor Schreck erbleichen. Mit dem durchaus talentierten Tuomas Rounakari haben KORPIKLAANI übrigens auch noch einen neuen Geiger in das Kollektiv integriert, von Vorgänger Teemu Eerola hatten Jonne Järvelä (voc, git) und Co schon nach einem Jahr die Schnauze voll.

Wie von KORPIKLAANI bereits seit gefühlten Urzeiten bekannt, gibt es neben unzähligem unnötigem Füllmaterial auch durchaus brauchbares Material zu bestaunen. So überzeugt der flotte Opener „Kunnia“ mit einer unwiderstehlichen Melodielinie, glänzt „Tuonelan Tuvilla“ vor allem zum Ende hin mit unerwarteten Härteeinlagen und versprüht „Petoeläimen Kuola“ sogar minimales (!!) Thrash-Feeling. Das reicht natürlich noch lange nicht zur brauchbaren Platte, denn Ohrenkrebsgarantie gibt es spätestens bei der einschläfernden Ballade „Synkkä“ oder dem nervenden Gekreische in „Metsälle“. Überhaupt gehen KORPIKLAANI zwischen zweitem und drittem Albumdrittel unerwartet stark vom Gas und versuchen sich – eher mittelmäßig – im ernsthafteren Mid-Tempo.

Weil die lieben KORPIKLAANI-Jungs verständlicherweise auch weiterhin stark nach neuen Hörern gieren, gibt’s in der Special Edition das gesamte Album übrigens noch einmal komplett in Englisch eingesungen. Value For Money also, das muss man den (für mich) verzichtbaren 1000-Seen-Hüpfern lassen. Vom Hocker reißt das Stück aber wieder nicht – vielleicht sollten die dauertourenden Saufköpfe mal ein bisschen vom Veröffentlichungsgas gehen, denn irgendwann werden auch KORPIKLAANI zum Durchschnittsramsch getadelt werden. Abwarten, ob es trotzdem wieder zu respektablen Chart-Platzierungen reicht.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (30.07.2012)

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