Tarja Turunen - Act I

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VÖ: 24.08.2012
Bandinfo: TARJA
Genre: Symphonic Metal
Label: Edel Records
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Weiter geht’s, der Kühlschrank muss gefüllt werden. Da wirft man auch gerne nach einem sensationellen Rohrkrepierer wie "In Concert - Live At Sibelius Hall" eine nächste Live-Scheibe nach. Diesmal ein in Argentinien aufgenommener Doppeldecker, auch als DVD und Blu-Ray in "Stunning HD Quality" erhältlich.
Nach dem freien Fall im klassischen Bereich in der Sibelius Hall nun der rockig/metallische Teil des Schaffens der finnischen Chanteuse. Songs von ihren Soloalben, von NIGHTWISH und Coverversionen.

Die Biografie, die von der Promo-Company ausgesendet wurde möchte ich mit Euch zumindest in Auszügen teilen. Ich war mir lange nicht sicher, ob hier Ernsthaftigkeit regiert oder ob man sich mit diesem Pamphlet für den deutschen Comedy-Preis bewirbt:

TARJA "a green-eyed karelian girl form a village of five hundred inhabitants" lernte singen bevor sie gehen konnte und trat auf Tischen vor Verwandten auf. So was kann zu Spaltungen in den engsten Familiengefügen führen...
Im Alter von sechs begann sie ihre Gesangsausbildung (ja ne, is klar) und es zog sie im Alter von 15 nach Savonlinna, wo sie die Musikschule frequentierte und, jetzt kommt's (ich belass das im Originalton) "paying her own rent end existing on a meagre diet", "there she was the first student to pass all singing exams with top grades in the college´s history - an achievement that elicited tears from both student and teachers alike!".


Gütiger Gott welcher Konfession auch immer, "dick aufgetragen" ist hier noch eine leichte Untertreibung. Ich hab noch nie einen solchen Promotext mit einer CD mitbekommen, wünschte mir aber mehr solch Kreativität und Witz bei anderen, ähnlich ernst gemeinten Pressetexten. Vier (4!) Seiten Lobpreisungen der heiligen TARJA, die nur noch durch die zum Album online gestellte Act1-Website übertroffen wird. Allein die Fotos auf selbiger gemahnen an eine mit herben Rückenproblemen kämpfende Diva.

Be it as it may, wie der Angelsachse so treffend sagt, 24 Songs von und mit TARJA TURUNEN. Mike Terrana darf auch mitspielen. Die Schlagzeug-Allzweckwaffe ist aber beim gegenständigen Projekt eher zurückhaltend am Werken, kein Wunder aber, die Songs sind klarerweise auf TARJA zugeschnitten.
Keine Overdubs wurden verwendet, das Resultat ist dann, dass die streckenweise erneut überforderte Sängerin mal im Mix untergeht und mal mitten im Hirn steht. Das Vibrato der, so die Mär, ausgebildeten Sopranistin ist dermaßen ausufernd dass es wirklich weh tut und einige Songs funktionieren mit ihrer Stimmlage überhaupt nicht. Als Beispiel sei hier das WHITESNAKE-Cover "In The Still Of The Night" genannt, welches man nur mit Entsetzen registrieren kann. Selbst Ohrwürmer wie "Nemo" werden von ihrer bisweilen erneut sehr gepressten und übervollen Stimme beinahe erstickt.

Generell regiert das Schmalz in dickster und zähester Ausprägung. Man mag zwar durch die Band einen rockig/metallischen Anstrich mit auf CD/DVD/BluRay gepresst haben, aber selbst ein Drumtier wie Mike Terrana kommt nicht gegen triefende Monolithen wie das "The Phantom Of The Opera"-Cover an. Allein dieser Song,… tja, was soll ich sagen… hört es euch doch selber an…

Das, meine gefiederten Freunde, ist Musik, welche Radio Steiermark unter großen Schmerzen im Nachmittagswunschkonzert spielt. Das ist keine Rockmusik sondern der hilflose Versuch, aus einer vergangenen Karriere noch etwas an Land zu ziehen, bevor man dann schlussendlich in den Sonnenuntergang reitet.

Ich bin entsetzt...



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (20.08.2012)

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