Grave - Endless Procession Of Souls

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VÖ: 24.08.2012
Bandinfo: GRAVE
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Konstanz ist gemeinhin ja nichts schlechtes, obwohl vor allem im Musikbereich das kontinuierliche Berufen auf die eigenen Stärken mit Vorliebe kritisiert wird. Während man sich bei vielen Bands zurecht Veränderungen wünscht und den Stillstand verflucht, gibt es aber durchaus Abordnungen, denen man bis ans Lebensende für eine beständige Arbeitsweise dankbar sein muss. Zu diesen raren, aber umso wichtigeren Exemplaren zählen auf jeden Fall die morbiden Schwedentod-Schaufler GRAVE, die nicht nur seit 26 Jahren durch die Szene holzen (anfangs unter dem Namen CORPSE), sondern dabei auch noch nie eklatante Fehler oder Schwächen gezeigt haben.

Klar, „Fiendish Regression“ und das 2010er Werk „Burial Ground“ waren im Vergleich zu Jahrhundertscheiben wie „Into The Grave“ und vor allem „Soulless“ jetzt nicht die großen Offenbarungen, doch wer das nimmermüde Grab aus Visby öffnet, bekommt seit jeher den selben verwesten und daher liebreizenden Schwefelduft allererste Tiefton-Gruft-Kajüte geboten. Das ändert sich auch mit dem zehnten Studioalbum „Endless Procession Of Souls“ nicht, für das GRAVE nach einigen Jahren beim Pleitelabel Regain Records wieder in den wohligen und bekannte Century Media-Stall zurückgekehrt sind. Mastermind und Songwritingkünstler Ola Lindgren hat dabei erstmals seit Urzeiten auf ein starkes Rückgrat bauen können und konnte das Liederschreiben auch seinen neuen und perfekt harmonierenden Mitstreitern überlassen. Von Qualitätseinbußen keine Spur, ganz im Gegenteil. Die alten Hasen klingen knackig frisch und überraschend motiviert. Neue Besen kehren halt doch oft gut.

Dabei finde ich persönlich den Anfang gar nicht so prickelnd, denn „Amongst Marble And The Dead“ ist zwar solide Gruft-Kost, aber nichts wirklich Begeisterndes. Wesentlich knalliger rollen die Skandinavier dann bei „Disembodied Steps“ durchs Gebälk. Unvergleichlich schön sägende Gitarren und Lindgrens unverwüstliches Organ zaubern sogar kalten Leichen einen Steifen in den Holzpyjama. Vielseitigkeit ist außerdem Trumpf, denn zwischen dem partiell schwarzmetallischen „Winds Of Chains“ (SCORPIONS, ich hör euch klopfen…) und der Doomwalze „Epos“ liegen akustische Welten – alles aber im bleischweren GRAVE-Rahmen gefestigt. Dazu noch die köstlichen Riffsalven in „Plague Of Nations“ oder das kultige Verweigern jeder Moderne auf „Passion Of The Weak“ – Violence With Quality!

Ob „Endless Procession Of Souls“ jetzt das beste GRAVE-Album seit „Soulless“ ist, wie uns der Promozettel vollmundig weismachen will, lass ich jetzt mal unkommentiert, doch gerade in Zeiten, wo Bands wie DISMEMBER die Segel gestrichen haben und ENTOMBED in der mehrjährigen Versenkung verschwunden sind, ist es gut zu wissen, dass GRAVE die kompromisslos-geile Old-School-Keule voller Stolz hochhalten. Death Metal für Männer halt. In der Verfassung bitte weitere 26 Jahre!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (14.08.2012)

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