BEARDFISH - The Void

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VÖ: 27.08.2012
Bandinfo: BEARDFISH
Genre: Psychedelic Rock
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Führt man sich die Diskografie der Schweden in chronologischer Reihenfolge zu Gemüte, erkennt man sehr schön den stetigen Wandel, die immer dichter werdenden Strukturen, das wachsende Potential, die Transgression vom reinen ArtRock hinüber in einen proggy angehauchten Psychedelic Rock. Was nun aber den wichtigsten Unterschied zum Vorgänger "Mammoth" ausmacht? Nun, BEARDFISH haben ihren Sound einerseits mit mehr Metal angereichert, was etwa das groovige "Turn To Gravel" oder die Oberhammer-Nummer "This Matter Of Mine" (Vorsicht! Suchtgefahr!) bezeugen können. Andererseits waren die Jungs aus der mittelschwedischen Stadt Gävle noch nie so vielschichtig und farbenfroh.

Erinnern Songs wie die mit Hammond-Gewaber geschwängerten Sixties-Oden "They Whisper" und "He Already Lives In You" sowohl an den Haupteinfluss KING CRIMSON als auch an alte BEARDFISH-Tage, so strahlt beispielsweise das 15-minütige Opus Magnum "Note" in allen nur erdenklichen Facetten vom Art Rock bis zum Jazz, und klingt im Mittelteil gar sogar erschreckend nach "South Side Of The Sky" von YES - was aber hier ausschließlich als Kompliment zu werten sein darf. Ein bluesiges "When The Lights Are Low", das die Scheibe entspannt und easy cheesy ausklingen lässt, darf natürlich ebenso wenig fehlen wie ein kantiger Opener im Format eines "Voluntary Slavery".

Auf dem Instrumental "Seventeen Again" jazz-proggt man sich durch eine relaxte ArtRock-Botanik, pianolastig und durchaus für's fortgeschrittene Gehör gedacht. Erinnert ein wenig an TRANSATLANTIC - jedoch organischer, und ohne sich dabei an die Amis anzubiedern. Schlussendlich suhlt man sich im wohlig-warmen "Ludvig & Sverker" in versöhnlichen Retro-Prog-Vibes. Aber Vorsicht - die Stärke der Bartfische liegt darin, sich von momentanen schwedischen Rückwärts-Combos wie GRAVEYARD markant abzugrenzen, und sich selbst trotzdem alle Freiheiten der songschreiberischen Kunst zu gewähren. Retro ist eben nicht immer gleich retro.

Mastermind Rikard Sjöblom zieht stimmlich diesmal alle Register, so abwechslungsreich klang das Organ des Haupt-Songwriters bislang noch nie. Und überhaupt - irgendwie haben BEARDFISH mit "The Void" endlich ihr Gesellenstück abgeliefert. Nach über zehn Jahren, und trotz Beinahe-Meilensteinen wie dem "Sleeping In Traffic"-Doppelwurf oder "Destined Solitaire", denen aber allen das gewisse Etwas fehlte, das letzte Quäntchen Genialität, die alles abrundende Würze. Auf "The Void" kann man all das Vorhergehende auf beeindruckende Weise in einem großen Ganzen vereinen, und hat somit eines der (für mich) besten Prog-Alben der letzten Zeit erschaffen. Pflichtlektüre!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (22.08.2012)

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