The Chariot - One Wing

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VÖ: 21.09.2012
Bandinfo: The Chariot
Genre: Hardcore
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Um etwaigen Nichtkennern dieser Band gleich einmal eine ungefähre Richtung vorzugeben, erlaube ich mir einen kurzen Einleitungsexkurs: Sollten die Termini Chaos, Anarchie und Gesetzlosigkeit jemals vertont werden, dann gäbe es mit EVERY TIME I DIE, CONVERGE und THE CHARIOT drei perfekt geeignete Interpreten. Letztere bringen in diesem Jahr das Kunststück zuwege, sich am mittlerweile fünften Album „One Wing“ tatsächlich noch einmal zu steigern. Wer sich noch an das unfassbar geniale 2010er Werk „Long Live“ erinnern kann weiß, dass das so nicht zu erwarten war. Während Freunde des Math- und Chaoscore genau wissen, was sie an THE CHARIOT haben, hat der liebe Reini mit seiner Punktevergabe für „The Fiancée“ anno dazumal derb ins Klo gegriffen.

„One Wing“ ist die logische Weiterführung des lebhaften Bandkonzepts. Musik nicht nur als lieblose Darbietung von Instrumenten und Stimmen zu verstehen. Sie zu lieben, zu leben und zu leiden ist ein höchst seltenes Gut. THE CHARIOT, und im weiteren Sinne deren kongenialer Sänger Josh Scogin, scheint diese Leidenschaft für Musik und ihre Auswüchse dermaßen leicht von der Hand zu gehen, dass sich im Mitbewerbersektor unendlicher Neid breit machen muss. Kein Songtitel ist länger als ein Wort, kein Song gibt sich mit dem Prädikat „Durchschnitt“ zufrieden. Der Minimalismus der Dinge – im hochqualitativen Bereich. Ergeben tun die zehn Songs schlussendlich die Sätze „Forget Not Your First Love. Speak In Tongues And Cheek“.

Bereits der Opener „Forget“ ist ein unwiderstehlicher Hybrid aus chaotischen Schreianfällen, dissonant in den Kontext gestellten Gitarrenriffs und hypnotischen Chaosanfällen. THE CHARIOT pur eben – vertrackt, verspielt, verdammt verrückt. „Not“ – schreit einem der zweite Songtitel entgegen. Nur ja nicht beachten! Sondern reinhören. Am besten immer und immer wieder. Nur so ist dieser krude Soundbastard halbwegs zu erfassen. Überraschungen haben THE CHARIOT wieder zuhauf eingestreut. In „First“ gibt es etwa eine perfekte Symbiose aus Spaghetti-Western-Soundtrack und dem MUSE-Smasher „Knights Of Cydonia“ zu bestaunen. „Love“ schlüpft mit Freude in ein puristisches Punk-Kostüm, „Tongues“ kreuzt Doom- und Ambient-Anliehen und das abschließende „Cheek“ ist großteils gesampelt und beendet den halbstündigen Wutbrocken mit eruptivem Geshredder.

THE CHARIOT bleiben mit „One Wing“ eine Ausnahmeband für einen kleinen, aber wohl bestimmten Hörerkreis. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass man die eingangs erwähnten „Bandbrüder“ im Geiste mittlerweile rechts überholt hat. Ein Album, das fordert und fördert, verstört und verzückt, tritt und trifft. Nix für die Hipster- und Indie-Charts-Fraktion, aber ein akustisches Ambrosia für den Underground-Maniac mit belastbaren Gehörgängen. In meiner Jahresliste schon jetzt in den obersten Rängen vertreten.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (02.09.2012)

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