Skálmöld - Börn Loka

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VÖ: 16.10.2012
Bandinfo: SKÁLMÖLD
Genre: Folk Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde der Erstling der Isländer SKALMÖLD von Napalm Records auf dem Markt gebracht – „Baldur“ erhielt damals vier von fünf Punkten im Review. Ziemlich stark für ein Debütalbum, und eine hohe Messlatte für den Zweitling „Börn Loka“ - mal sehen, ob die neue Scheibe das Niveau halten kann.

Seit „Baldur“ waren SKALMÖLD viel auf Tour – mancher kennt sie vielleicht von einem der mittlerweile zahllosen Festivals im Sommer oder von der „Heidenfest“-Tour 2011, wo auch Österreich einige Male beehrt wurde. Bei jungen Bands ist allgemein nach einer größeren Tour das nächste Album ein Fortschritt, weil dann die Erfahrung aus vielen Konzerten ins Studio einfließt.

Gute Vorzeichen also – dann mal ans Werk und „Börn Loka“ in den CD-Player gelegt. Schon beim ersten Durchlauf wird klar: Die Isländer haben sich im Vergleich zum Erstling noch mal steigern können. Zwar ist das musikalische Grundgerüst gleich geblieben – Death Metal, ein paar Folk-Melodien und epischer (Vers-) Gesang. Dennoch ist so ziemlich alles abseits dieses Grundgerüsts noch besser geworden.

Es sind mehr Einflüsse in der Musik zu hören – im Vergleich zum teilweise soundmäßig etwas einförmigen Vorgänger trauen sich SKALMÖLD, auch mal weiter über den Tellerrand zu schauen und lassen progressive, Power-Metal- und teilweise fast poppige Elemente einfließen. So wird man manchmal an VINTERSORG, dann an AMON AMARTH und dann auch mal an JUDAS PRIEST erinnert. Auch instrumental wird hier einiges gezeigt – manche der Gitarrensoli würde man eher im techischen Death Metal vermuten. Grundsätzlich ist die Ausrichtung fast noch epischer als bei „Baldur“, sogar Anklänge an die großen VIRGIN STEELE lassen sich mit ein bisschen gutem Willen heraushören. Der Folk-Anteil wurde leicht zurückgeschraubt – bis auf bei „Gleipnir“ hört man kaum noch „folkige“ Melodien.

Auch bei den Vocals ist eine Weiterentwicklung spürbar – gereifter und abwechslungsreicher als beim Debüt. Die Chöre sind episch, die Growls böse und der Gesang zwar durch das Versmaß etwas gewöhnungsbedürftig, aber unverwechselbar und eben mit dem ganz besonderen Charme.

Der größte Fortschritt ist aber wohl beim Songwriting zu sehen – hier passt wirklich alles. Jeder Song ist ein Kracher, Füllmaterial ist (bis auf die eher unnötige Kampf-Atmo in der Mitte des Albums) nicht vorhanden. Und es tauchen auch einige Male die sogenannten „großen“ Melodien auf, die sich für immer ins Hirn einbrennen. Manchmal ertappt man sich auch dabei, die eingängigen Refrains mitzu-„singen“ oder es zumindest zu versuchen (Isländisch ist dann halt doch keine einfache Sprache).

Wegen der hohen Qualität aller Songs fällt es auch schwer, wirkliche „Highlights“ herauszuheben. Am ehesten sind wohl das abwechslungsreiche „Sleipnir“, „Fenrisúlfur” (wo sich Chöre mit aggressiven Parts und Gesang mit Geshoute abwechseln) oder das epische “Loki”, das auch beim zehnten Mal anhören begeistern kann. Minuspunkte gibt’s nur für „Himinhrjóður”, wo man auf Tierkreischen und Kampflaute raten kann. Wohl als Ruhepause oder Zwischenspiel gedacht, ist aber durch den Abwechslungsreichtum der „wirklichen“ Songs komplett unnötig.

Und trotz aller dieser Weiterentwicklungen sind sich SKALMÖLD treu geblieben; mit ihrer eher epischen Ausrichtung und dem charakteristischen Gesang in isländischen Versen haben sich die Jungs eine ganz eigene Nische geschaffen. Mit „Baldur“ haben sie angeklopft, mit „Börn Loka“ sind die Isländer auch wirklich in der Oberliga angekommen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (04.10.2012)

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