Muse - The 2nd Law

Artikel-Bild
VÖ: 28.09.2012
Bandinfo: Muse
Genre: Art Rock
Label: Warner Music
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die Musik tatsächlich in Kunst zu verwandeln – nur wenigen Bands gelang das in den letzten Jahren so gut wie dem dynamischen Briten-Trio MUSE. Das erkannte schon Ex-Kollege PMH in seiner ausgezeichneten Rezi zum Bombastalbum „The Resistance“. Mit jedem Album bessere Verkaufszahlen, größere Stadien, steigende Reputation. In Zeiten der Digitalisierung nicht einfach, doch die wirklichen Big Player, zu denen MUSE zweifellos gehören, können sich auch über die veränderten Gesetze des Geschäfts hinwegsetzen. In der Größe liegt wohl die Kraft.

Und groß ist „The 2nd Law“ wieder einmal in allen Bereichen geworden. Dass Mastermind Matthew Bellamy nie mehr zu „Origin Of Symmetry“ oder „Absolution“-Zeiten zurückkehren würde, war klar, doch der charismatische Sänger hat es zumindest geschafft, den pathosgeschwängerten Bombast-Kitsch des Vorgängeralbums nicht noch weiter auszudehnen. Obschon das einleitende „Supremacy“ eindrucksvoll beweist, dass sich MUSE längst nicht mehr mit halben Sachen zufrieden geben, sondern mit Vorliebe im großen Stil musizieren. Der perfekte Titelsong für den nächsten James Bond-Film sei „Supremacy“, geisterte es irgendwo im WWW. Dem ist wenig hinzuzufügen – opernhafte Stimmen, wuchtige Bassläufe und die exzentrische Rhythmik bestätigen diese These. Die taufrische Single-Auskoppelung „Madness“ wildert wieder in den bereits bekannten QUEEN-Gefilden, das anschließende „Panic Station“ klingt gar wie ein abgeändertes Cover von „Another One Bites The Dust“. Champions League Pop/Rock ist das ob der perfektionistischen Instrumentierung natürlich trotzdem.

Das bereits bekannte „Survival“ verschreckte wohl wieder eine Vielzahl der Old-School-MUSE-Jünger, doch das mit Chören und 70er Jahre Gitarren aufgepeppte Opulenzstück hat im Kosmos der Briten durchaus seine Daseinsberechtigung. Sehr ausgeruht und „Laid Back“ agiert das einfallsreiche Triumvirat auf „The 2nd Law“ (der Titel beschreibt übrigens das zweite Gesetz der Thermodynamik, das die unvermeidliche Verschwendung von Energie innerhalb eines geschlossenen Systems beschreibt). Energieverschwendung kann man dem Album nicht attestieren. Zu vielschichtig, durchdacht und vor allem spannend sind die einzelnen Kompositionen, die ihre Kraft mehr denn je aus den späten 60er/frühen 70er Jahren ziehen und die nach allen Richtungen offene Toleranz der Band zeigt. Die Aggressivität und das ungestüme Gerocke der alten Tage wird man bei MUSE wohl kaum mehr finden, doch Redundanz ist der Band ohnehin ein Greuel.

Die vorab gefürchteten Dubstep-Ausflüge haben sich dann doch auf ein Minimum beschränkt. Elektronische Einflüsse á la JUSTICE sind im flotten „Follow Me“ zu vernehmen, die zweiteilige Schlussstory „The 2nd Law: Unsustainable“ und „The 2nd Law: Isolated System“ schielt tatsächlich in die derzeit populäre SKRILLEX-Richtung. Der gehypte Knöpfchendreher hat auch Bellamy in seinen Bann gezogen, womit das Album eben mit zwei eher unpassenden, aber mutigen Songs endet. Ob es die zweijährige Welttournee im Zuge des „Resistance“-Albums war oder die freudige Geburt des ersten Kindes von Matthew Bellamy – MUSE agieren auf „The 2nd Law“ so erwachsen und verspielt wie nie zuvor. Wenn auch nicht jeder Song voll ins Schwarze trifft, gelingt den Briten einmal mehr ein Referenzwerk im ohnehin brachliegenden Art Rock-Bereich. Ein Album voller Überraschungen und Verquerungen. „The 2nd Law“ ist gleichermaßen für QUEEN-, RADIOHEAD- und BECK-Aficionados brauchbar. Kommerz mit Stil und Klasse eben.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (03.10.2012)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE