RAGE NUCLÈAIRE - Unrelenting Fucking Hatred

Artikel-Bild
VÖ: 19.10.2012
Bandinfo: RAGE NUCLÈAIRE
Genre: Extreme Metal
Label: Season of Mist
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Mein lieber Schwan. Da sitze ich gemütlich vor dem Laptop-Schirm, schlürfe uhrzeitbedingt koffeinfreien Kaffee und höre im Ohrenwinkel gewohnt lustiges Homer Simpson-Gequatsche vom angrenzenden Fernseher und plötzlich bricht die Hölle über mich herein. Wie das? Nicht aufgegessen? Das Karma belastet? Alte Damen mit Einkaufssäcken ausgelacht statt zu Hilfe geeilt? Viel schlimmer! Grund für diese Nervenerschütterung war das Debütalbum der kanadischen Extremmetaller RAGE NUCLÈAIRE aus dem beschaulichen Quebec. Das Knallquartett wartete ja schon mit einem proletarisch-selbstbewussten Promozettel auf, doch die akustische Umsetzung spottet tatsächlich jeder vorweggenommenen Beschreibung.

Zudem ist der Titel mehr als nur Programm. „Unrelenting Fucking Hatred“ lässt schon leise anklingen, dass die guten Herren lieber das Kriegsbeil schwingen, als zum beschaulichen Fünf-Uhr-Tee bitten. Schon der Opener „Violence Is Golden“ (wie geil klischeehaft kann man einen Song eigentlich nennen?) rollte im ICE-Tempo über die Köpfe der Hörer hinweg und lässt keinen Zweifel daran, dass der geübte Hobby-Schwarzwurzler unweigerlich an IMMORTALs legendäre Jahrhundertscheibe „Battles In The North“ denken muss. Zumindest hab ich seit damals kein Album mehr gehört, das mit dem fast ident-hölzernen Drumsound aufwarten kann. Besonders auffällig ist das im epischen „Fields Of The Crucified“ zu vernehmen, das in gewisser Weise sogar an die majestätische Haltung des IMMORTAL-Evergreens „Blashyrkh (Mighty Ravendark)“ anknüpft. Selbst „Sorrow Children At Mourningside“ ist nicht weit davon entfernt. Chapeau, meine Herren!

Obschon es in den meisten Fällen Fakt ist – doch eingangs erwähnter Promozettel lügt bei den zu vergleichenden Bands diesmal nicht. Neben Spinnenbeintänzer Abbath vermengt sich bei den RAGE NUCLÈAIRE-Stücken tatsächlich die vor Pathos triefende Epik EMPERORs mit der viehisch-unkontrollierten Derbheit ANAAL NATHRAKHs. Das ist auch der Grund, warum kongeniale Songs wie „Hunt With Murderworms, Sculpt With Flies“, das fast schon zu geile „Endziel“ und das unzweideutig betitelte Kriegsballett „30 Seconds In The Killhouse“ gleichermaßen auf prügelende Raserei und melodiöse Entschleunigung achten. Das gekonnte Gekeife kommt übrigens von niemand geringerem als ex-CRYPTOPSY-Grunzer Lord Worm, der sich einst eigentlich auf seine Karriere als Englischlehrer konzentrieren wollte, aber wohl doch wieder Lust am Gemetzel verspürte. Gut so, denn „Unrelenting Fucking Hatred“ ist einer der abartigsten, grindigsten und zutiefst derbsten Hassbatzen, der mir in diesem Jahr auf den Plattenteller gerutscht ist. Scheiße, geil!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (12.10.2012)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE