God Seed - I Begin

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VÖ: 26.10.2012
Bandinfo: God Seed
Genre: Black Metal
Label: Indie Recordings
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

In unserem ausführlichen Interview hat es Black Metal-Schönling King Ov Hell ja schon im Februar dieses Jahres angekündigt: „Gaahl und ich wollen künftig wieder mehr Musik zusammen machen.“ Dieses Statement war nicht nur eine Frohbotschaft für abertausende King-, Gaahl- oder GOD SEED-Fans, sondern mitunter auch die Initialzündung dazu, dass das offizielle GOD SEED-Debütalbum über das ganze Jahr hinweg zu einem der am stärksten diskutierten Themen in der gesamten Schwarzwurzelszene wurde. Wirkte die „Live At Wacken“-DVD, die ausschließlich GORGOROTH-Material beinhaltete, noch so wie eine Art Abgesang dieses juristisch umstrittenen Bandprojekts, hat King bereits Ende März eine vollständiges GOD SEED-Line-Up bekanntgegeben, das auf Großes hoffen ließ.

Neben seinem Partner in Crime, dem einst mit viel unnötigem Tam Tam geouteten Keifpapst Gaahl, sind dies MOTORPSYCHO-Drummer Kenneth Kapstad, DJERV-Gitarrist Sir, ex-GRIMFIST-Klampfer Lust Killman und DIMMU BORGIRs Live-Keyboarder Geir Bratland. Also durchaus eine Belegschaft, die qualitativ in den oberen Szenesphären mitspielt. Den online bereits vielfach geäußerten Vorwurf, das GOD SEED-Debüt „I Begin“ klänge in seiner kompositorischen Konsistenz ganz nach dem hauptsächlich von King geschriebenen 2006er GORGOROTH-Album „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ gehört zum größten Gerüchte-Bullshit überhaupt. Zugegeben – das in das Werk einleitende Highspeed-Inferno „Awake“ und vor allem der Anfang vom darauffolgenden „This From The Past“ sind schon von Kopisten-artiger Ähnlichkeit, doch mit Fortdauer des Albums gewinnen GOD SEED an Courage und finden tatsächlich ihren ureigenen Stil.

Und der spiegelt im Großen und Ganzen die verschiedenen Bandprojekte von King wieder. Das bedeutet, dass man neben der urnorwegischen Schwarz-Knallerei auch gerne ins Progressiv-Psychedelische nahe den 70er Jahren abrutscht („Alt Liv“), mit vielen hypnotisierenden Melodien arbeitet („From The Running Of Blood“) und sogar mal Stoner/Doom-rockigen Down-Tempo-Groove integriert („Hinstu Dagar“), der vor allem die hervorragende Vielfalt von Gaahls Vocals ins rechte Licht rückt. Der bekennende Waldschrat kann neben Keifen und Kreischen auch verdammt gut sprechen, Atmosphäre erzeugen und sich semiprofessionell in opernhafter Epik üben.

Gerade diese stilistische Vielfalt, der behutsame Einsatz von wirkungsvollen Samples („Aldrande Tre“) und der bewusste Blick über den viel zitierten Genre-Gartenzaun (hört euch nur einmal die genialen Keyboardklänge auf „Lit“ an!) machen „I Begin“ zu einem Vergnügen, mit dem zumindest ich nicht in dieser Stärke gerechnet hätte. Das zutiefst verstörende und horröse Sample namens „Bloodline“ am Ende des Albums spiegelt genau die Killer-Atmosphäre wieder, die sich wie ein Mantel um das überraschend starke „I Begin“ legt. Braucht vielleicht ein paar Anläufe, ist nach mehrfachem Genuss aber selbstständiger und stärker, als man nach den letzten Jahren von GOD SEED erwarten konnte. Die Bandaufstockung und Frischzellenkur hat den Antichristen verdammt gut getan!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (19.10.2012)

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