KOLDBRANN - Vertigo

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VÖ: 25.01.2013
Bandinfo: KOLDBRANN
Genre: Black´n´Roll
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Nun ist es für die vielen Fans also tatsächlich Gewissheit – die jungen Meister der reinen norwegischen Schwarzmetalllehre, KOLDBRANN, haben sich nach knapp sieben (!) Jahren doch wirklich durchgerungen, ein drittes Studioalbum zu produzieren. Wobei, so ganz stimmt das nicht, denn gearbeitet wurde an „Vertigo“ (Hitchcock lässt nett grüßen) bereits seit 2010, doch Fronthüne Mannevond wollte bewusst keinen Schnellschuss abfeuern, sondern hat sich wirklich viel Zeit für das Komplettpaket gelassen, wodurch die zahlreichen Kuttenträger eben erst jetzt Anfang 2013 zum Vergnügen kommen. Einen ersten Appetizer gab es ja bereits in Form der 2-Track-Single „Totalt Sjelelig Bankerott“, auf der eben erwähnter Song nicht unbedingt für exaltierte Begeisterungsstürme in Fankreisen sorgte.

Beim fertigen Endprodukt schaut das gottseidank schon etwas anders aus, denn obwohl – KOLDBRANN-Fans seien jetzt gleich gewarnt! – „Vertigo“ völlig anders klingt als die bitterbösen Vorgänger „Moribund“ und „Nekrotisk Inkvisition“, ist noch sehr viel vom alten Feuer, der alten Kompromisslosigkeit der Norweger übrig, um ein ordentliches Ausrufezeichen setzen zu können. Mannevon und Konsorten haben sich anscheinend etwas von der derzeitigen Black’n’Roll-Welle in ihrer Heimat mitreißen lassen und den Weg der absoluten Dunkelheit um viel Groove und Mut zu Neuem angereichert. Das braucht anfangs vielleicht etwas mehr als zwei Durchläufe, entwickelt sich aber dann recht schnell zu einem spannenden und interessanten Paket des Sinistren, mit viel Einfallsreichtum. So vermischt man in „Stolichnaya Smert“ neben richtig geilen Black-Metal-Parts auch völlig krude 60er-Jahre-Horrorrock-Vocals oder reichert die ohrenzerfräsende Slow-Tempo-Heimathymne „Drammen“ mit massig Riffgewalt an.

KOLDBRANN wollen sich auf „Vertigo“ hörbar von ihren bisherigen Traditionen freischwimmen, möchten sich nach der langen Pause endgültig als völlig eigenständig betrachtet wissen. Weitere Beispiele gefällig? Das atmosphärische „Phantom Kosmonaut“ wird mit verdeckten Synthie-Klängen angereichert, „I Eklipsens Skimmer“ fürchtet sich auch nicht vor Monotonie und mit dem abschließenden „Inertia Corridors“ haben KOLDBRANN nicht nur den progressivsten Track ihrer Bandgeschichte vorgelegt (stellt euch eine Mischung aus ENSLAVED, WATAIN und SUMMONING vor), sondern mit Sicherheit eine gewisse Menge an Die-Hard-Old-School-Lunatics endgültig vergrämt und verloren. Aber KOLDBRANN wären eben nicht KOLDBRANN, würden sie sich vor Neuem und Abstraktem fürchten.

Sie finden auf „Vertigo“ die richtige Mischung aus skrupellosem Black Metal, flottem Rock’n’Roll und ausufernder Experimentierfreude. Mannevond und Co sind tatsächlich nicht mehr dieselben, aber sie beweisen auf „Vertigo“ eindrucksvoll, dass auch das vielgeschmähte Norwegen im Schwarzheimer-Sektor noch kreativ sein kann. Dafür gebührt ihnen nicht nur Respekt, sondern auch eine hohe Punktewertung, denn wenn man sich diesem Album erst einmal anvertraut, hingibt – dann wird man verdammt schnell in seinen Sog gezogen. Ein erstes, frühes Highlight im Underground-Sektor.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (18.01.2013)

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