AMON-RA - In The Company Of The Gods (Re-Release)

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VÖ: 08.02.2013
Bandinfo: AMON-RA
Genre: Power Metal
Label: Pure Underground Records
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Lineup  |  Trackliste

Pure Underground Records – der Labelname spricht bereits Bände. Und genau in diese Kerbe schlägt auch die Veröffentlichungspolitik der Deutschen, die unlängst die kultige SACRED HEART-Demo „The Vision“ (1989) auf LP wiederaufgelegt haben und jetzt auch noch mit dem einzigen, 1992 eingezimmerten Album der wohl nur absoluten Szene-Feinspitzen bekannten AMON-RA aufwartet. Eine kleine Reise in die Vergangenheit sei hierzu genehmigt. Gegründet hat sich das Quintett 1991 in Cleveland, Ohio und hat nicht nur die ägyptische Mythologie schon ein paar Jahre vor Karl Sanders‘ NILE als Metal-kompatibel entdeckt, sondern hat sich – Kenner werden es schon gecheckt haben – genau zur absoluten Grunge-Hype-Zeit gegründet.

Federführend hinter dem ehrgeizigen Projekt war ex-SACRED HEART und ex-MERCURY Gitarrenwunder Byron Nemeth, der schon seit Jahren nur mehr mit seinem Soloprojekt durch die tiefsten Klubs Amerikas wildert. „In The Company Of The Gods“ wurde von AMON-RA unter Eigenregie in das Licht der Welt geboren und enthielt aus vielerlei Gründen nur bedingte öffentliche Aufmerksamkeit. Das ist unheimlich schade, denn der hochmelodische, oftmals stark ins Kitschige abdriftende Heavy/Power Metal der Staatler hatte durchaus seine verzückenden Momente. Vor allem die hohe, aber niemals ins sopran-opernhafte abgleitende Stimme von Sänger Dan Mattingly (der sich nach dem Bandsplit leider völlig aus dem Metalbiz verabschiedete) kann gut 20 Jahre nach Erst-Release Sympathiepunkte einräumen.

Dass Nemeth’s an und für sich vorbildliche Gitarrenarbeit hier ziemlich untergeht, liegt am völlig überkandidelten Keyboard-Kitsch, der vor allem an verträumten Schunkelhymnen wie „When The Glitter Fades Away“ oder „As The Mirror Cracks“ klebt wie Harz an Bäumen. Wer still und heimlich gerne mal in seiner Lederkutte kuschelt wird sich hier sicher gegen eine vorzeitige Ejakulation wehren müssen – ich kann mir auch vorstellen, dass Cheffe Reini zu den wohligen Klängen gerne Pirouetten beim Gemüsekochen tanzt (Neidisch, weil noch keine Essenseinladung folgte? - Reini-). Dass es AMON-RA durchaus auch schwungvoller geben können, beweisen sie bei „Middleground“ und dem herrlich puristischen „Graveyard Of The Dragon“. Ansonsten herrscht hier geschlechtsneutraler Kuschel-Metal, der so manch verhärtetem Die-Hard-Todesmörtler mal eine stille Träne aus dem Lied drücken könnte.

Aufgelegt wird das gute Teil übrigens nur auf LP in nobler Gatefold-Ummantelung und auf handnummerierte 333 Stück limitiert. Sammler und Liebhaber des süßen Schwermetalls wissen also was zu tun ist. Zumal das gute Stück mit vier bislang unveröffentlichten Bonustracks versehen ist, die sich vorm offiziellen Material keinesfalls verstecken muss. Auch das von Timo Würz gezeichnete neue Cover-Artwork macht das originale Neandertaler-Gekritzel vergessen. Kein Must Have, aber eine schöne Momentaufnahme einer Zeit, als der Metal gerade seine schlimmste Phase durchleben musste.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (01.02.2013)

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