Valfeanor - The Eerie Constellation

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VÖ: 22.02.2013
Bandinfo: Valfeanor
Genre: Ambient Black Metal
Label: Cursed Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Bei der vielleicht erfolgreichsten österreichischen Black-Metal-Combo dieses Jahrtausends, HELLSAW, scheint Bassist und Blondschopf Desderoth nicht ausgelastet zu sein. Oder es fehlen ihm einfach die Möglichkeiten, seine eigenen Idee, die eigene Kreativität einzusetzen. Das ist wohl einer der Hauptgründe, warum er sein einst unter dem Namen MORTAR gegründetes eigenes Baby VALFEANOR trotz vieler Widrigkeiten im Business weiter brennen lässt. Nach dreijähriger Abstinenz und langwieriger Labelsuche konnte das Zwei-Mann-Projekt (der ebenso bei HELLSAW im Sold stehende Isiul schwingt hier die sechssaitige Axt) unlängst als verspätetes Weihnachtsgeschenk einen Deal bei Cursed Records aushandeln und veröffentlicht unter deren Banner nun auch das dritte Album „The Eerie Constellation“.

Wer sich jetzt aber kompromisslos-epischen Schwarzmetall in bester HELLSAW-Manier erwartet, kann sich das Weiterlesen aber gleich sparen, denn VALFEANOR verfolgen quasi kongruent ihr 2007 („En Ny Tid“) und 2009 („Noreia“) aufgebautes Konzept, und schwimmen sich bewusst von jeglichem Klischeedenken frei. Das bedeutet in der Praxis, dass dem kränkelnden Gekreische Desderoths von der Instrumentalseite auch avantgardistische Ambient-Parts beigemengt werden, die in den allerbesten Momenten an die oberkultigen SUMMONING erinnern, aber auf die Langstrecke gesehen leider qualitativ niemals mit den Wienern mitkommen. Mit dem fulminanten Anfangsdoppel „Lethe Jenseits“ und „Lethe Diesseits“ haben VALFEANOR zwei wirklich fette Schwarzkristalle im Köcher, doch schon beim darauffolgenden „Kratores“ fehlt es an knackigen Parts, an zwingender Atmosphäre und vor allem an einer Linie.

Der im beschaulichen Kalsdorf aufgenommene Sound hingegen klingt wirklich ganz gut, im Gegensatz zu vielen anderen Genrekollegen muss man sich zumindest nicht mit völlig versumpften Sägegitarren ärgern. Nur das Material selbst will sich mir auch nach mehrmaligem Durchlauf nicht wirklich erschließen. Das neunminütige „Chaos Nova“ etwa versucht sich in majestätisch-kalter Epik, scheitert aber an zu vielen Richtungswechseln und dem hörbar übertriebenen Bemühen, möglichst alle Ideen in einen Song zu verwursten. Außerdem beginnt im Laufe der Zeit auch Desderoths depressiv-suizidales Gekrächze zu nerven. Nichtsdestotrotz – das mystische „The Elegy And Reverence“ versöhnt am Ende noch mal mit quälend-erhabener Depressivität, die sich aber hier eben wirklich schlüssig durch das Songkonzept zieht. Freunde abstrakterer Black-Metal-Kunst werden mit „The Eerie Constellation“ wohl eine heimische Perle entdecken, doch um ein durchgehendes Hörvergnügen zu erhalten, fehlt es dem Teil einfach an der nötigen Konsequenz.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (16.02.2013)

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