FINNTROLL - Blodsvept

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VÖ: 22.03.2013
Bandinfo: FINNTROLL
Genre: Folk Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Nach geilen Live-Shows, dem mittlerweile drei Jahre alten, teils unterbewerteten „Nifelvind“-Album, sowie der dank völlig entbehrlicher Coverversionen eigentlich obsoleten „Tour Edition“ des Albums, kriechen die hinterhältigen und abermals gut angeheiterten Finnen wieder aus dem Unterholz hervor, der darbende Fanschar die volle Packung zu verpassen. Was darf ich zum neuen, mittlerweile schon sechsten Album ausführen? Grundsätzlich ist alles beim Alten geblieben in der finnischen Saunahütte, in der die Trolle hausen. Die liebgewonnenen Trademarks werden sämtlich weiter gepflegt, die Mannen um Hauptsongwriter Trollhorn hauen uns wieder eine volle Ladung Pagan/Folk-Metal-Kracher um die Ohren, soweit alles gut. Die knackigen und großteils kompakten Humppa Metal-Granaten sind wiederum amtlich und kontinuierlich immer reifer geraten.

Vor allem das Einstiegstriple versorgt den Hörer gleich amtlich. Trotzdem fällt sofort auf, dass sich die neuen Songs nicht urplötzlich im Gehirn festsetzen, sondern sich eher langsam im Ohr verkriechen. Zudem ist eine gewisse Rückbesinnung auf die Wurzeln erkennbar, roher und erdiger als zuletzt wird hier zu Werke gegangen. Was auf den ersten Anschein Smasher wie etwa „Trollhammaren“, „Människopesten“ oder „Solsagan“ vermissen lässt, lässt zeitgleich auf die umso größere Langzeitwirkung des neuen Outputs hoffen. Leckerbissen wie „När Jättar Marschera“ oder „Ett Folk Förbannat“ fressen sich nicht mit sofortiger Wirkung, aber mit umso unbändigerer Hartnäckigkeit im Hirn fest. Melodieführung und Songwriting lassen wieder das ganz große Format der Skandinavier aufblitzen.

Und so setzt sich die Geschichte fort, auch die Qualitäten des originell geratenen „Mordminnen“ erschließen sich einem nicht sofort, ebenso das hammergeile „Skogsdotter“ (mit SYSTEM OF A DOWN-Gitarren) mit seinen Banjo-Intermezzi und der transportierten Western-Schlagseite – FINNTROLL sind wiederum gewachsen und ausgefeilter geworden, ohne die Frische und Spontaneität vergangener Glanztage eingebüßt zu haben. Ich sag es eigentlich nur ungern, der erwartete, sofort voll einschlagende Überkracher ist „Blodsvept“ nicht geworden, es sind anfänglich doch ein paar gewöhnungsbedürftigere, aber doch lässige Titel („Tva Ormar“) auf dem Longplayer, aber das Album wächst mit jedem Hördurchgang. „Rösets Kung“ zündet beispielsweise erst nach mehrmaligem Hinhören, während „Fanskapsfylld“ wiederum urtypisch FINNTROLL geraten ist.

„Blodsvept“ wird eine gewichtige Waffe in der Verteidigung der Vormachtstellung im Folk Metal-Genre sein, das ist klar. Mit dem „Nifelvind“-Nachfolger reiht sich eine weitere starke Perle in die Band-Diskographie, die wilden Kerle sind wieder erwachsener und reifer geworden und zeigen sich in Hochform, die wahren Qualitäten des neuen Drehers erschließen sich einem aber erst nach mehreren Durchläufen, die sich allerdings mehr als lohnen werden!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (12.03.2013)

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