Saxon - Sacrifice

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VÖ: 01.03.2013
Bandinfo: SAXON
Genre: Heavy Metal
Label: Silver Lining Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

In mehr als 35 Jahren Bandgeschichte kommt schon so einiges zusammen – im Falle der britischen Heavy-Metal-Urgesteine SAXON sind das unfassbare 20 Studioalben. Das große Jubiläumsstück hört auf den schlichten Namen „Sacrifice“ und zeigt stolz seine ausgefahrenen Krallen. Nach durchaus schwächeren Karrierephasen haben die fanfreundlichen Jungs aus Barnsley schon bei ihren letzten Werken „Into The Labyrinth“ (2009) und „Call To Arms“ (2011) eindrucksvoll bewiesen, dass man in schöner Würde altert, aber dieses neue, auf UDR publizierte Werk streckt die satten Vorgänger tatsächlich noch mal locker-lässig mit einem linken Kinnhaken nieder.

Wer das atmosphärische Intro „Procession“ als Einstieg für eine sanfte Altersscheibe hält, wird mit dem Titeltrack schnell eines Besseren belehrt. Denn anstatt sich langsam auf die Rente vorzubereiten knallen uns Frontsympathikus Biff Byford und Co. ein unheimlich intensives Stück Thrash Metal hin, das man in dieser Intensität nicht zwingend von SAXON gewohnt ist. Auch der nachfolgende Kracher „Made In Belfast“ ist weit mehr MEGADETH als IRON MAIDEN und diese rohe, wieder verstärkt aufs Wesentliche reduzierte Seite des Quintetts klingt wirklich formidabel. Erst bei „Warriors Of The Road“ berufen sich SAXON wieder auf ihre herkömmlichen Stärken – kanckige Riffs, hervorragendes Rhythmus-Drumming, Biff’s unverwechselbare (und wirklich starke!) Stimme und herrlich-melodische Hard-Rock-Zitate.

Aber gerade das Thrashige zieht sich wie ein roter Faden durch „Sacrifice“. Obwohl die Grundstrukturen natürlich weiterhin im NWoBHM-Bereich verwurzelt sind, lässt Gitarrenoldie Paul Quinn immer wieder so manch unerwartetes Knaller-Lick aus seinem Sechssaiter springen. Egal ob bei „Guardians Of The Tomb“, dem Nackenbrecher „Wheels Of Terror“ oder „Stand Up And Fight“ – es rattert angenehm aus allen Ecken und Enden. Obwohl die Songs an sich schon große A-Liga-Qualität haben, können SAXON in punkto Hitpotenzial noch eins drauflegen. Die feucht machende 80er-Jahre-Rifforgie bei „Walking The Steel“, das Mörder-Intro bei „Night Of The Wolf“ oder das AC/DCeske Hard/Glam-Rock-Feeling bei „Standing In A Queue“ sind allesamt absolute Topsongs, die so herzerfrischend und gekonnt aus den 80er-Jahren zitieren, dass nicht nur herkömmlichen Kuttenträgern warm ums Stahlherzchen wird.

Die erweiterte Version wartet zudem noch mit so manch akustischer oder neu aufgenommener Version diverser Bandklassiker auf. Außerdem sei noch dringend, dass die Produktion von Reglergott Andy Sneap hier wirklich gewaltig knallt und wenig zu wünschen übrig lässt. „Sacrifice“ ist somit bereits das nächste absolute Top-Album an diesem ohnehin schon so starken Jahresbeginn und sei vor allem – aber nicht nur! – Freunden der Prä-Glam-Rock-SAXON-Ära ans Herz gelegt. Mit derart viel Pfeffer im Arsch kann der ergraute Biff ruhig noch ein paar Jahrzehnte von der Bühne spitten. So fett hat schon lange keine SAXON-Scheibe mehr gefetzt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (22.02.2013)

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