Neaera - Ours Is The Storm

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VÖ: 01.03.2013
Bandinfo: Neaera
Genre: Death Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Was hab ich in meiner Kritik zur superben Scheibe „Forging The Eclipse“ vor gut zweieinhalb Jahren über NEAERA gesagt? Sie wären Arbeitstiere? Ja genau, das stimmt noch immer! Denn auch wenn sich der im Line-Up erneut unveränderte Freundeshaufen aus Münster so lange wie noch nie zuvor für ein Album Zeit gelassen hat, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Benny Hilleke und Konsorten sich quasi das ganze Jahr über den Arsch abtouren. Und das reicht bei den sympathischen Jungs vom jugendlichen Gewölbekeller bis hin zum Metal-Jahrmarkt in Wacken – Respect For That, Guys!

Und nun zum Eigentlichen – „Ours Is The Storm“ ist – bevor wir zur Musik übergehen – nicht nur ein arschcooler Albumtitel, sondern vermischt mit dem diesmal wieder formidablen Cover-Artwork auch ein wichtiger Wink zur akustischen Ausrichtung. Der NEAERA-Sound zeigt ja schon seit Jahren sein zweigeteiltes Gesicht. Einerseits hat die Band – und da können Nasenrümpfer sagen was sie wollen – einen eigenständigen, markanten Sound, wie ihn sich unzählige andere Bands nur wünschen können, andererseits ist die oft ausgesprochene Kritik, nach drei Takten klinge ja ohnehin jeder Song gleich nicht völlig von der Hand zu weisen. Aber NEAERA sind keine Wissenschaftler wie STEVEN WILSON, sie sind keine Mathematiker wie MESHUGGAH und sie sind keine Geschichtsprofessoren wie etwa NILE – die Münsteraner sind auch anno 2013 ein gewaltiges Death/Black-Brett mit hohem Melodieanteil, das sein primäres Ziel noch immer problemlos zu erfüllen weiß: Spaß machen, Wirbel ausrenken und Moshpits anzetteln.

War das letzte Album etwas herkömmlicher ausgefallen, rücken NEAERA mit „Ours Is The Storm“ wieder mehr in Richtung „Omnicide“ – etwas brutaler, etwas rücksichtsloser und vor allem etwas variabler rülpsen einem die elf Songs samt Intro entgegen. Da gibt’s schon beim Titeltrack todmetallisches Hardcore-Geknüppel, holzt der vorab online gestellte Appetizer „Decolonize The Mind“ mit deutlich hervorstechenden Black-Metal-Anteilen und oberfettern Gitarren durchs Gebälk und entfacht „Through Treacherous Flames“ im Mittelteil eine attraktive KATAKLYSM-Atmosphäre. Wer da noch Metalcore vermutet, dem gehört unbefristet die Stromgitarrenmusik-Hörlizenz weggenommen.

Das war’s aber noch lange nicht, denn in diesem Takt geht die Chose munter weiter und in der zweiten Albumhälfte verstecken sich noch richtige geile Perlen. „My Night Is Starless“ ist der vielleicht atmosphärischste Song der Bandgeschichte, „Black Tomb“ ist die Eindeutschung eines BLACK-DAHLIA-MURDER-Songs und „Slaying The Wolf Within“ reißt euch das frisch Gegessene aus dem Darm. „Let The Tempest Come“ und „Armamentarium“ bleiben zwar meine absoluten NEAERA-Lieblingsscheiben, aber „Ours Is The Storm“ ist ein wirklich amtliches Brett geworden, mit dem Jungs jetzt langsam aber sicher wirklich mal in die A-Liga einziehen müssten. Benny’s Vocals sind wieder einmal unmenschlich gut und die Instrumentalfraktion bessert sich von Album zu Album. All Killer, No Filler – auch wenn bei NEAERA noch immer Luft nach oben bleibt. Bei den Jungs ist einfach immer noch was drin.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (21.02.2013)

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