Mourning Beloveth - Formless

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VÖ: 22.01.2013
Bandinfo: Mourning Beloveth
Genre: Doom Metal
Label: Grau
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Lineup  |  Trackliste

Zugegeben, Doom Metal ist eine an sich recht sperrige Angelegenheit. Vor allem wenn es um Doom Death geht. Man muss wohl schon ein spezieller Mensch sein, um diese Musik zu lieben. Wenn man solch ein spezieller Mensch ist, dann wird man auch MOURNING BELOVETH kennen und lieben gelernt haben. Denn die Iren sind inzwischen seit zwei Dekaden aktiv und haben ihre Fans noch nie enttäuscht. Das neue Album "Formless" wurde dementsprechend von den Fans dieser irischen Doom-Heroen mit Spannung erwartet.

Und man darf sich freuen, denn MOURNING BELOVETH enttäuschen einen auch 2013 nicht. Sie prangern die oberflächliche Welt und deren Bewohner an und lassen ihrem Frust und ihrer Wut freien Lauf. Was rauskommt, ist ein zähes Werk voller Düsternis, aber auch voller melancholischer Schönheit. Zugegeben, die Schönheit von "Formless" lässt sich nicht sofort erkennen. MOURNING BELOVETH bleiben ihren Trademarks nämlich treu und setzen auf lange, zunächst sperrig wirkende Songs, die sich dem ungeduldigen Hörer nicht erschließen werden. Einzig und allein "Old Rope" ist mit seinen fünf Minuten überraschend kurz geraten. "Easy Listening" ist auch dieser verhältnismäßig kurze, knackige Song nicht geworden.

Doch die wahre Schönheit dieses dunklen Brockens entfaltet sich in den langen, epischen Tracks. Denn MOURNING BELOVETH achten auf "Formless" noch mehr auf die Details, auf jene Nuancen, die das Songmaterial zu etwas besonderem machen. So inkludiert man wunderbare Klargesänge von Mr. Brennan, die niemals aufgesetzt, aber immer charismatisch klingen. Oder man setzt auf eine Gitarrenarbeit, die viele Details offenbart, die in der Welt des Doom Metals eher selten zu hören sind. Zudem schreckt man auch nicht davor zurück, atmosphärische Instrumentalteile einzusetzen, die der Schwärze etwas Luft zum Atmen geben und für beruhigendere Grautöne in diesem komplexen Gebilde sorgen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das wunderschöne "Ethics On The Precipe", das in seiner unglaublichen Vielschichtigkeit Epik, Härte, Düsternis und Melodie perfekt miteinander verbindet. Auch das unglaublich schwere "Nothing Has A Centre" überrascht den Hörer mit seinen Details und Wendungen, die man dem Song nach den ersten (für Doom Death) noch recht typischen Minuten mit seinen schweren, düsteren Riffs, nicht unbedingt erwartet. Erst nach mehr als acht Minuten glänzen MOURNING BELOVETH abermals mit verzweifeltem, aber kräftigem und niemals weinerlichem Klargesang. Der zweite Teil dieses Songs offenbart den Variantenreichtum der Band und beweist das kompositorische Geschick der Iren. Im Gegensatz zu dem ebenfalls starken, epischen Opener "Theory Of Old Bones", der ebenso auf den Vorgängerwerken der Band stehen hätte können, scheinen "Ethics On The Precipe" und "Nothing Has A Centre" sich in Nuancen von früheren Werken der Band zu unterscheiden, da MOURNING BELOVETH bei diesen Songs noch mehr Stilelemente für sich entdecken.

Interessant ist auch die Tatsache, dass mit "Transmissions" ein einziger Song auf einer zweiten CD ist, der sich wiederum perfekt als Ausklang des Gesamtwerkes eignet. Im Gegensatz zur bleiernen Schwere des weiteren Songmaterials ist "Transmissions" sehr ruhig und nachdenklich. Man verzichtet auf tiefe Growls und kreiert eine andere Form der Atmosphäre. Dieser Song mag manchem Doom-Jünger nicht gefallen, da die typischen Doom-Riffs hier kaum eine Rolle spielen. Dramaturgisch passt "Transmissions" aber perfekt ins Bild.

Um das Fazit kurz zu machen: "Formless" ist ein Meisterwerk des Doom-Death-Metals! Sowohl die Death-Growls von Darren Moore als auch die Klargesänge von Frank Brennan passen perfekt zur Musik. Die Gitarrenarrangements sind so vielseitig, wie sie in diesem Genre sein können und sollen. Zudem weiß man kompositorisch zu glänzen, was in diesem Genre vielen Bands besonders schwer zu fallen scheint. "Formless" wird für geduldige Freunde des vertonten Verderbens eine wahre Freude sein: Gebt den Songs Zeit und sie werden sich in all ihrer dunklen Grazie entfalten! Allerdings bedarf die Musik von MOURNING BELOVETH seit jeher diesen Willen der Hörerschaft sich mit eben jener auseinander zu setzen - und daran hat sich auch 2013 nichts geändert.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: El Greco (20.03.2013)

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