CATHEDRAL - The Last Spire

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VÖ: 26.04.2013
Bandinfo: CATHEDRAL
Genre: Doom Metal
Label: Rise Above Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenige Bands kündigen ihr sicheres Ende vorzeitig an; die meisten zerbrechen plötzlich, mehr oder weniger vorhersehbar, ersaufen im Kommerz-Strudel oder sind einfach nur scheiße und müssen gehen. Für die schrulligen Briten von CATHEDRAL war es irgendwie obligatorisch, einfach aufzuhören, die Band mit Nachdruck zu Grabe zu tragen und demnach ein allerletztes Album anzukündigen. Was anderes hätten wir nicht erwartet. Ok, werdet ihr sagen, das haben die ROLLING STONES ja auch schon etwa 348 mal gemacht, aber im Gegensatz dazu kauf ich Lee Dorrian und Co. den Schmäh vom Fleck weg ab. Ich denke, die wollen einfach nicht mehr. Und das ist ok, man soll ja bekanntlich aufhören wenn es am schönsten ist. Und wenn ich an die letzten, spärlich besuchten CATHEDRAL-Konzerte in Wien denke, wäre es bereits vor zehn Jahren schön gewesen.
Aber ich schweife ab.

Natürlich geht man an solch einen Schwanengesang anders heran als an eine herkömmliche Veröffentlichung, und man beurteilt sie natürlich anders - wenn auch nur unbewusst. Im Falle von "The Last Spire" kann ich aber ganz objektiv sein: es ist genau das Album, das man sich erwarten darf. Ich persönlich hätte das etwas zu lange Intro weggelassen, in dem Monty Python-mäßig "bring out your dead" bis zum Exzess rezitiert wird. Ansonsten ist das Teil ein recht amtliches Schluss-Statement für eine Band, die den Doom-Metal seit den frühen Neunzigern entscheidend mitgeformt hat, und letztendlich auch für den Stoner- und Retro-Trend nicht ganz unverantwortlich ist. Kurz: Ohne CATHEDRAL wäre der Metal nicht dort, wo er heute ist,
so pathetisch das jetzt klingen mag.

Zum Farewell kredenzen uns die Herren Dorrian, Jennings, Dixon und Neo-Basser Carlson (immerhin ein heißer Anwärter auf die Musiker-Arschkarte des Jahrzehnts) sechs allerfeinste Lavasäulen in bester CATHEDRAL-Manier, von denen natürlich die Longtracks "Pallbearer", "Infestation Of Grey Death" und das abgefahrene "An Observation" monumental alles überragen. Auch hitverdächtiges, "kurzes" Liedgut wie das beschwingte "Tower Of Silence" oder "Cathedral Of The Damned" (...und jetzt wissen wir, wo SARKE und KHOLD ihre Riffs klauen) wird dargebracht, mit aller gegebenen Inbrunst und der einen oder anderen Krokodilsträne, die da kullert. Und wenn dann der letzte Knarzer von "This Body, Thy Tomb" (wie passend...) verhallt ist, stellt sich auch beim Hörer die Melancholie ein, gewollt oder nicht. Was bleibt ist ein zehn Alben und sieben EPs umfassender Backkatalog, den man sich jetzt erst recht in voller Dröhnung reinziehen sollte - nein, muss! Und nun ruhet in Frieden, Jungs.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (22.04.2013)

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