Timo Tolkki's Avalon - The Land of New Hope

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VÖ: 17.05.2013
Bandinfo: Timo Tolkki's Avalon
Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Wie oft hat der gute Timo Tolkki bereits angekündigt, dass die nächste Platte seine letzte sein würde oder das die nächste Band seine letzte sein würde...Als er SYMFONIA gründete, ließ er genau das verlauten, doch schon nach einem Album war Feierabend. Der gute Mann hatte keine Lust mehr, dermaßen abhängig von Labels zu sein, die ihm sonst was aufdrücken, er wollte mehr Freiheit haben. Daher arbeitete er fortan über Pledge Music, wo Fans z.B. exklusive Notizen, Skype Gitarrenstunden oder ähnliches erstehen konnten und damit gleichzeitig den Künstler unterstützen. Auch das legte Timo Tolkki relativ schnell beiseite, weil er laut eigenen Aussagen ein Angebot von einem Label bekam, was er nicht ausschlagen konnte. Das kann ich sogar durchaus verstehen, da Frontiers Records meiner Ansicht nach wirklich zu den besten Labels weltweit zählen. Trotzdem sollte sich Timo Tolkki mal entscheiden, was er denn nun will...Er ist Vollblutmusiker, also wird es ihm NIE jemand abkaufen, wenn er mal wieder verlauten lässt, dass er nun aufhört. Wie dem auch sei...Über Frontiers Records erscheint am 17. Mai also Tolkki's neue Platte, die unter dem Namen TIMO TOLKKI'S AVALON läuft und den schönen Namen "The Land of New Hope" trägt. Ein Konzeptalbum, dass gespickt ist mit hochkarätigen Gästen. Das Konzept ist schnell erklärt. Wir schreiben das Jahr 2055 und die Erde wurde größtenteils überflutet, alle Kommunikationssysteme sind zusammengebrochen und es gibt nur noch eine kleine Gruppe an Überlebenden, die sich nun aufmachen, das Land der neuen Hoffnung zu suchen, welches man nur aus Märchen kennt. Das ist die Story hinter dem Konzept, also im Prinzip nichts bahnbrechendes.

Musikalisch wird das Ganze von "Avalanche Anthem" eröffnet. Das symphonische Intro ist sehr nett, fett aufgemacht und macht direkt Lust auf mehr. Hier teilen sich Russell Allen, Elize Ryd und Rob Rock die Vocals. LEIDER handelt es sich bei diesem Song um einen der typischen Tolkki-Stampfer, die er in der Form schon extrem oft komponiert hat. Ich erinnere nur an Songs wie "Soul of a Vagabond" oder "Revolution Renaissance". Genau in dieselbe Kerbe schlägt der Opener, der mit einem sehr unspektakulären Refrain leider Gottes überhaupt nicht überzeugen kann. Zumindest meine Wenigkeit fühlt sich nicht wirklich unterhalten.

Deutlich besser gelingt das mit dem folgenden "A World without us", dass dem guten Russell Allen wie auf den Leib geschneidert ist. Zwar teilt er sich mit den 2 eben genannten Sängern erneut den Song, übernimmt aber den Hauptpart. Der Song baut auch im Gegensatz zu seinem Vorgänger mal ein bisschen Tempo auf, überzeugt mit einer kraftvollen Strophe und dem eingängigen Chorus, der zumindest nicht so klingt, als hätte man ihn schon tausendfach in Tolkki's STRATOVARIUS Ära gehört. Nett inszeniert ist ebenfalls der ruhige Mittelpart mit ein paar schönen Pianoklängen und dem technisch einwandfreien Solo seitens Tolkki.

"Enshrined in my Memory" wird ausschließlich von Elize Ryd gesungen, was jetzt nicht unbedingt als Negativpunkt zu werten ist, sich aber im späteren Verlauf doch noch als einer herausstellen wird. Der Track ist relativ modern angehaucht, wird aber dennoch von klassischen Tolkki Riffs umrandet. Die Strophen sind sehr verhalten, der Refrain kommt dann aber mit deutlich mehr Power daher, wo die charmante Elize sofort mit ihrer extrem wandlungsfähigen Stimme punkten kann. Insbesondere dann, wenn man glaubt, dass die junge Frau nicht noch eins draufsetzen kann, singt sie im letzten Chorus NOCH eine Tonlage höher und versprüht dabei ungemein viel Energie. Ein schönes Stück, dass ich so von Tolkki wirklich nicht erwartet hätte.

Und mit dem nächsten Song setzt auch schon mein Kritkpunkt ein...Erneut hören wir Elize Ryd, die zwar keinen großen Anteil an diesem Song hat, aber trotzdem ist die Sängeraufteilung der Platte alles andere als gut gelungen, was sich im weiteren Verlauf immer wieder bestätigen wird. Immerhin darf auch Rob Rock hier wieder mitwirken, ebenso wie Russell Allen. Der Song beginnt balladesk mit eben genannter Elize Ryd, die auch den ersten Chorus zum Besten geben darf. Danach entwickelt sich der Track eher zu einer Powerballade, die gesanglich astrein performed wird, sich bei mir aber nicht wirklich in den Gehörgängen festsetzen will.

Mit "We will find a way" zeigt sich dann definitiv der beste Song der Platte, was nicht zuletzt an Tony Kakko liegt, der für mich über alles erhaben ist. Der Track bewegt sich im gesunden Uptempo, Rob Rock darf die Strophen rocken, während Tony Kakko Bridge und Chorus veredelt, und wie! Das Ding geht sofort ins Ohr, ist genau das, was ich von Tolkki hören will! Leider leider ist das der einzige Song, in dem Tony Kakko überhaupt mitsingt und da greift erneut meine bereits erläuterte Kritik...

Bei "Shine" GLAUBE ich Sharon Den Adel in der zweiten Strophe zu hören, aber sicher bin ich mir nicht...Ansonsten gehört der Song wieder gänzlich Elize Ryd, die allgemein den größten Anteil an der Platte hat. Ansonsten wirkt die Nummer durch die Keyboardeinlagen ein stückweit spacig, zeigt sich eher wieder von der modernen Seite. Elize darf wieder ihre Power raushauen und veredelt ein weiteres mal auch dieses Stück im wunderschönen Chorus, der mich zumindest packt.

"The Magic of the night" wird wiederum nur von Rob Rock gesungen, der nach Elize Ryd am häufigsten auf der Scheibe zum Einsatz kommt. Ähnlich wie "We will find a way" bewegt man sich hier im angehobenen Tempo und der gute Rob darf sich ordentlich austoben, was insbesondere im kraftvollen Chorus deutlich wird. Der Song ist eigentlich einer der besseren auf dem Album, aber wirklich was neues weiß er nicht zu bieten. Das ist Standard Power Metal, wie ich ihn schin hunderte Male gehört habe.

Aber mit "To the edge of the earth" geht mir dann doch nochmal das Herz auf, so stellt dieser Song den schnellsten der Platte dar und gefällt mir nach "We will find a way" definitiv am besten. ABER mal wieder wird er einzig und allein von Rob Rock gesungen...Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, was Tolkki sich dabei gedacht hat, aber wenn ich ein Album als eine Metal Opera ankündige, dann sollte ich das Ganze auch vielfältig gestalten und nicht 70% der Songs nur mit einem Sänger ausstatten. Ändert nichts daran, dass die Nummer mit ihrer Hapiness Spaß macht und Tolkki's Stärken im kompositorischen Bereich hervorhebt.

"I'll sing you home" wird, ihr drüft drei mal raten, genau! Er wird nur von Elize Ryd gesungen! Na wenn DAS mal keine faustdicke Überraschung ist! Mal wieder eine relativ schnulzige Ballade, die meine Augen ein stückweit zufallen lässt. Ein absolut überflüssiger Song, der gänzlich mit Langeweile "überzeugt".

Auch der abschließende Titeltrack kann mich leider nur bedingt überzeugen...Die Orchestrationen sind ganz nett, die Melodien grundsätzlich auch, aber an und für sich ist der Song für einen Longtrack VIEL zu unspektakulär und vorhersehbar. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der gute Michael Kiske (Ja, er singt doch noch auf der Platte, von der ich ursprünglich mal dachte, dass Tolkki sie nur für ihn komponiert hätte!) wie zu erwarten war eine Wahnsinnsperformance abliefert. Das Ganze hält sich lange bedeckt, sehr balladesk angehaucht, dann geht's zumindest ein stückweit in die Vollen, ehe der belanglose Midtempo Chorus einsetzt, der am Ende auch gefühlte 500 mal wiederholt wird...

Tja...Durch die Trailer habe ich seinerzeit echt das Gefühl bekommen, dass diese Scheibe hier eine der größten 2013 werden würde, aber da wurde man wirklich extrem gut geblendet. Die Gästeliste liest sich erstmal wahnsinnig gut, aber wenn man erstmal dahinter steigt, dass eigentlich fast nur 2 Personen die gesamte Platte eingesungen haben, macht sich ganz schnell Ernüchterung breit. Dazu die Tatsache, dass Tolkki es wieder nicht geschafft hat, was NEUES zu kreieren und sich nicht zu wiederholen...Im Großen und Ganzen ist es wieder mal nur eine Best of Platte, die Tolkki's Ära zusammenfasst. Wenige Ausnahmen wie "Enshrined in my Memory" und "Shine" brechen aus dieser Schiene aus, aber ansonsten bewegt sich der gute Mann auf sehr sicherem Terrain und geht NULL Risiko ein. Die Spielfreude hält sich ebenfalls in Grenzen und auch in Sachen Orchestrierungen habe ich von weitaus weniger einflussreichen Musikern schon viel besseres gehört. Ja, es gibt einige sehr nette Nummern, die ich ja auch in den höchsten Tönen gelobt habe, aber als Gesamtpaket ist das Album nur der Schatten eines Mannes, der mit STRATOVARIUS vor zig Jahren mal ein paar Klassiker geschaffen hat...



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Sonata (10.05.2013)

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